Samstag, 20. April 2019

Wie Rewe-Chef Caparros am Freitag die Verhandlungen torpedierte Exklusiv: Die Details der Tengelmann-Schlichtung

Hat eindeutig seinen eigenen Kopf: Rewe-Chef Caparros.

Ursprünglich wollte REWE-Chef Alain Caparros am vergangenen Freitag gar nicht zum Firmensitz von Kaiser's Tengelmann reisen. Er hatte geplant, die Detailverhandlungen über den Verkauf der Lebensmittelkette von seinen Emissären führen zu lassen. Dann erschien Caparros doch persönlich - und sorgte für einen Eklat nach dem anderen.

Bei dem Gezerre um die Kaiser's-Tengelmann-Filialen waren sich die Parteien dank der Schlichtung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup schon recht nahegekommen. Die Läden der Unternehmerfamilie Haub sollten zunächst an EDEKA übergehen. EDEKA wiederum würde die Filialen in Nordrhein-Westfalen und Bayern behalten. Einen Teil der Läden in Berlin sollte EDEKA an REWE weiterreichen.

Konkret sieht die am 31. Oktober unterzeichnete Schlichtungsvereinbarung (liegt manager-magazin.de vor) folgendes vor: "Die Parteien (REWE und EDEKA) sind sich einig, dass EDEKA 300 Mio. Euro Bruttoumsatz in Berlin an REWE überträgt."

Die 300 Millionen Euro Bruttoumsatz entsprechen 40 Prozent der Gesamterlöse, die Kaisers's Tengelmann in der Bundeshauptstadt erzielt. Nicht festgeschrieben wurde in der Schlichtungsvereinbarung, welche Berliner Filialen an REWE übergehen. Dies sollte bei dem Meeting in Mülheim geklärt werden.

Bevor die Gespräche überhaupt begannen, stellte REWE-Chef Caparros klar, wie er sich die Zusammensetzung der Verhandlungsrunde wünscht: Der angereiste Schlichter Bert Rürup sei als Teilnehmer nicht erforderlich, da die Schlichtung ja bereits abgeschlossen sei, erklärte Caparros. Und auch Daniela Seeliger von der Wirtschaftskanzlei Linklaters, die das Bundeswirtschaftsministerium vertritt, sowie den Ministeriumsmitarbeiter Armin Jungbluth, wollte er nicht bei dem Meeting dabeihaben - es könne sein, dass sie befangen seien.

Im Laufe der Diskussionen sagte Caparros, auch die Anwesenheit der drei Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz sei nicht nötig und bat sie, den Raum zu verlassen. Die Herren sollten laut Schlichtungsvereinbarung den Kaufpreis der Filialen ermitteln. Caparros indes erklärte, solange man sich nicht darüber einig sei, welche Filialen in Berlin von REWE übernommen werden, brauche man auch nicht über den Preis zu sprechen.

So zogen die Düpierten - Seeliger, Jungbluth, Rürup und die Wirtschaftsprüfer - von dannen. Übrig blieb das 6-köpfige EDEKA-Team unter Führung des EDEKA-Vorstandsvorsitzenden Markus Mosa und Caparros nebst sechs seiner Leute.

Die Verhandlungen kreisten hauptsächlich um die Profitabilität der künftigen REWE-Läden. In der Schlichtungsvereinbarung heißt es: "Die Parteien verständigen sich auf ein Filialportfolio von durchschnittlicher Qualität." Gemeint ist damit, dass die Läden im Schnitt eine Umsatzrendite von 1,6 Prozent erzielen.

EDEKA-Chef Mosa bewegte sich auf Caparros zu und setzte einige ertragreichere Läden auf die Liste. Ergebnislos. Der REWE-Vormann war mit dem Angebot nicht zufrieden. Nach sechs Verhandlungsstunden wurde das Meeting am Freitagnachmittag gegen 16 Uhr beendet. Man einigte sich lediglich darauf, dass am Montag ab 14 Uhr in Mülheim weitergeredet wird.

"Eine Einigung", so das Schlichtungspapier, "hat möglichst bis zum 11. November 2016 zu erfolgen". Bis zu diesem Datum soll Caparros seine Klage gegen die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel (SPD) zurückziehen.

Finden REWE und EDEKA auch am Montag keine gemeinsame Linie, dürfte Karl-Erivan Haub seine Lebensmittelkette mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz zerschlagen, Läden einzeln verkaufen oder ganz schließen. Tausende von Arbeitsplätzen sind dann in Gefahr.

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