Ex-Sekretärin Middelhoffs Entscheidungen "gottgegeben"

Kein anderer flog bei Arcandor so viel mit Privatjets wie Thomas Middelhoff. Da ist sich seine Sekretärin sicher. Ob der Flug als privat oder dienstlich verrechnet wurde, darüber entschied nach ihren Worten letztlich der Manager selbst.
Ex-Arcandor-Chef Middelhoff nutzte Charterflugzeuge und Hubschrauber für private Zwecke und schadete damit dem Konzern, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff nutzte Charterflugzeuge und Hubschrauber für private Zwecke und schadete damit dem Konzern, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt

Foto: INA FASSBENDER/ REUTERS

Essen - Beim ehemaligen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat nach Angaben einer Vorstandssekretärin hauptsächlich der frühere Konzernchef Thomas Middelhoff Privatjets genutzt. Andere Manager des Konzerns hätten nur in seltenen Ausnahmefällen auf die teuren Charterflieger zurückgegriffen, sagte die ehemalige Sekretärin des Managers am Dienstag im Untreue-Prozess vor dem Landgericht Essen. Allerdings habe auch Middelhoffs Vorvorgänger Wolfgang Urban schon Privatflieger genutzt.

Die 50-Jährige betonte in ihrer vierstündigen Vernehmung, bereits vor der Buchung sei dabei abgeklärt worden, ob es ein privater oder ein dienstlicher Flug war, um die Kosten entsprechend zuordnen zu können. "Wenn es nur den Hauch eines Zweifels gab, habe ich es natürlich abgeklärt", sagte sie.

Letztlich habe die Entscheidung, ob ein Flug Arcandor in Rechnung gestellt oder vom Konzernchef selbst bezahlt wurde, Middelhoff getroffen. "Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen", sagte die Sekretärin. Seine Entscheidung habe sie als "gottgegeben" hingenommen.

Widersprüchliche Informationen zu Middelhoffs Haftbefehl

Middelhoff hatte in einer Erklärung vor Gericht betont, dass es bei der "Zuordnung von 610 Flügen keinen einzigen Fall gab, bei dem meine Sekretärin oder ich unterschiedlicher Meinung gewesen wären".

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es dabei um Flüge mit Charterflugzeugen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Widersprüchliche Informationen gab es am Dienstag weiterhin zu dem offenbar gegen Middelhoff beantragten Haftbefehl. Middelhoff selbst bekräftigte, das Thema sei vom Tisch, nachdem sich seine Managerversicherung mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter geeinigt habe. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte dagegen, nach wie vor liege keine belastbare Zusage der Versicherung vor. Deshalb gebe es auch beim Thema Haftbefehl keine Veränderung.

Nach einem Bericht des "Spiegel" vom Freitag hatte eine Gerichtsvollzieherin Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt, um ihn im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Insolvenzverwalters zur Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse zu zwingen.

rei/dpa
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