Suezkanal frei Containerriese "Ever Given" fährt wieder

Nach fast einer Woche ist der Containerriese "Ever Given" im Suezkanal wieder frei. Auch für deutsche Unternehmen bedeutet das Aufatmen. Es könnten aber noch Tage vergehen, bis alle wartenden Schiffe wieder fahren können.
Riese aus Stahl: Das 400 Meter lange Containerschiff "Ever Given" bewegt sich wieder

Riese aus Stahl: Das 400 Meter lange Containerschiff "Ever Given" bewegt sich wieder

Foto: - / dpa

Schlepper haben das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff "Ever Given" nun endlich ganz frei gezogen. Damit ist die wichtige Handelsroute wieder für den Verkehr geöffnet. Das Schiff sei nun vollständig schwimmfähig, erklärte die Suezkanal-Behörde laut Bloomberg . Schleppboote zogen das riesige Schiff von der Seite der Wasserstraße weg, wo es seit letztem Dienstag festsaß.

Jetzt gelte es, den Stau von mittlerweile 450 Schiffen, die den Kanal passieren wollen, langsam aufzulösen. Der Rückstau hat die globalen Lieferketten enorm belastet, die durch die Pandemie bereits angespannt sind. 12 Prozent des Welthandels werden laut Bloomberg über diese Wasserstraße abgewickelt. Trotz des Endes der Blockade könne es noch sechs Tage oder länger dauern, bis die gesamte Warteschlange abgelaufen ist, hieß es von der dänischen Reederei Maersk. Ähnliche äußerte sich die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.

Rohöl der Sorte Brent fiel mit der Nachricht um 0,6 Prozent und notierte am frühen Nachmittag in London bei 64,20 Dollar je Barrel.

Blockade traf auch deutsche Chemie- und Autoindustrie

Wann die "Ever Given" ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen kann, war zunächst unklar. Laut Admiral Rabi, Vorsitzender der Kanalbehörde, soll das Containerschiff zunächst am Großen Bittersee am nördlichen Ende des Suezkanals untersucht werden. Zudem sollen Ermittlungen die Ursache für den Unfall klären. Die Ursache könnten ersten Ermittlungen zufolge "starker Wind" gewesen aber auch "menschliches Versagen" sein. Der Frachter war am Dienstag auf Grund gelaufen. Bagger und Schlepper hatten tagelang versucht, das 400 Meter lange Schiff freizulegen.

Von der Blockade waren in Deutschland insbesondere die Chemie- und Autoindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau betroffen. Die Branchen bekommen Bestandteile für ihre Produktion aus Asien, die über den Suezkanal transportiert werden, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Unternehmen planen demnach bei Seetransporten zwar zwei bis fünf Tage als Puffer ein. Bei einer längeren Sperrung drohe aber zeitweise ein Stillstand der Produktion. Die Lage für die deutsche Industrie sei auch ohne die Sperrung bereits angespannt gewesen.

"Schon die Corona-Krise hat für Verwerfungen im maritimen Handel gesorgt und die Preise für den Container-Transport explodieren lassen", sagte Vincent Stamer, Experte für maritimen Handel beim Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Schiffshavarie im Suezkanal und ihre Nachwirkungen seien als zusätzliche Belastung hinzugekommen.

Das Schiff eines japanischen Eigentümers war vergangene Woche mit zwei Lotsen an Bord auf Grund gelaufen und hatte die wichtige Handelsroute in beide Richtungen blockiert. Der 193 Kilometer lange Kanal ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa.

Die Crew war an Bord geblieben und ist wohlauf

Mehrere Großreedereien wie Maersk und die deutsche Hapag-Lloyd planten zuvor bereits, auf die deutlich längere Route über das Kap der Guten Hoffnung auszuweichen. Die französische Reederei CMA CGM sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP, sie habe beschlossen, zwei ihrer Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung umzuleiten. Andere Möglichkeiten, die Fracht per Flugzeugen oder Bahnverbindung "über die Seidenstraße" zu transportieren, würden geprüft.

Die 25 Crewmitglieder, die alle aus Indien stammen, waren während der Bergungsversuche an Bord geblieben und sind wohlauf. Über mögliche Schäden an der Ladung oder eine Verschmutzung des Wassers gibt es bisher keine Informationen.

Durch die tagelange Blockade verlor Ägypten wichtige Einnahmen. Die Kanalbehörde erwirtschaftete 2020 bei Durchfahrten von 18.800 Schiffen rund 5,6 Milliarden Dollar. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge fahren 98 Prozent der Containerschiffe durch den Suezkanal, wenn sie zwischen Deutschland und China unterwegs sind. Etwa 8 bis 9 Prozent der gesamten deutschen Warenimporte und -exporte gehen durch den Suezkanal.

rei, cr/Reuters/dpa-afx