Sorge vor Lockdown Galeria Karstadt Kaufhof warnt vor "existenzieller" Bedrohung

Mit satten Rabatten versucht der Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft wenigstens teilweise zu retten. Jetzt zittert die Branche vor einem totalen Lockdown um und nach den Feiertagen.
Galeria Karstadt Kaufhof: Ein verschärferter Lockdwon würde den angeschlagenen Warenhauskonzern wie die gesamte Branche hart treffen

Galeria Karstadt Kaufhof: Ein verschärferter Lockdwon würde den angeschlagenen Warenhauskonzern wie die gesamte Branche hart treffen

Foto: Jan Woitas/ dpa

Die Corona-Neuinfektionszahlen in Deutschland bleiben auf hohem Niveau, in manchen Regionen wie Sachsen steigen sie auf Rekordhoch. Das Bundesland zieht die Notbremse und geht von kommenden Montag bis zum 10. Januar in einen harten Lockdown - mit allen Konsequenzen für Handel und Wirtschaft. Trotz zahlreicher Appelle – am Dienstag vom Wissenschaftlergremium der Leopoldina und am Mittwoch auch von Bundeskanzlerin - ringt der Rest der Republik noch damit, es Sachsen gleichzutun. Die bloße Aussicht auf einen harten Lockdown, in abgespeckter Form erst in den Tagen nach Weihnachten, versetzt den Einzelhandel in Aufregung.

Für den gerade erst aus der Insolvenz gekommenen Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof käme es wohl einer Katastrophe gleich. Das Geschäft um die Feiertage sei "für alle innerstädtischen Händler von existenzieller Bedeutung". Dies gelte "gerade jetzt, wo wir einen nie gesehenen Frequenzrückgang erleben", sagt ein Konzernsprecher am Mittwoch. "Ein erneuter harter Lockdown des Handels, der nachweislich kein Pandemietreiber ist, würde ohne wirtschaftlichen Ausgleich für viele Händler fatale Folgen haben."

Dem Warenhauskonzern aus dem Reich des Investors René Benko (43) waren wie vielen anderen Einzelhändlern auch die Umsätze bereits während des bestehenden Lockdowns light weggebrochen. Das Onlinegeschäft kann das nicht ausgleichen, ist mit einem Umsatzanteil von 6 Prozent noch viel zu schwach. Intern kursierten auf der Führungsetage bereits Szenarien , wie es weitergehen könnte. Auch einen erneuten Lockdown rechnete das Management durch. Im schlimmsten Fall bräuchte Galeria Karstadt Kaufhof rund um Ostern schon wieder frisches Geld; bei der Signa-Holding weist man das zurück.

Sekundiert wird der Benko-Konzern vom Handelsvervand HDE. Dessen Präsident Josef Sanktjohanser (70) warnt eindringlich vor einem härteren Lockdown. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei neben der Woche vor Heiligabend für viele Händler die umsatzstärkste des gesamten Weihnachtsgeschäfts. Erneute Ladenschließungen würden den Handel abseits des Geschäfts mit Lebensmitteln bis zu einer Milliarde Euro Umsatz kosten – und zwar täglich. Viele Händler spielten im November und Dezember rund ein Viertel ihres Jahresumsatzes ein.

Wenn die Politik einen harten Lockdown anordne, müsse sie auch für Kompensation sorgen. Dabei gehe es nicht darum, bei den Erlösen anzusetzen. "Ein Staatshaushalt kann nicht Umsatz ersetzen." Es gehe darum, den "Ausfallschaden" gezielt zu kompensieren. Der HDE-Funktionär brachte Faktoren wie "Rohertrag und Wertschöpfung" ins Spiel. Der effektive Schaden müsste möglichst "nahe an der Wirklichkeit ermittelt werden".

rei mit dpa
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