Eineinhalb Jahre vor Abwicklung Supermarktkette Real holt erfahrenen Restrukturierer

Für die Ex-Metro-Tochter Real läuft es trotz des coronabedingten Nachfrageschubs im Lebensmittelhandel mäßig. Nun heuert die Supermarktkette einen erfahrenen Restrukturierer an - anderthalb Jahre vor der Abwicklung.
Ganz Real in Schwierigkeiten: Die Supermarktkette kämpft trotz Corona-Sonderkonjunktur mit Problemen, nun soll ein erfahrener Restrukturierer ran

Ganz Real in Schwierigkeiten: Die Supermarktkette kämpft trotz Corona-Sonderkonjunktur mit Problemen, nun soll ein erfahrener Restrukturierer ran

Foto: Oliver Berg / DPA

Die Supermarktkette Real sichert sich die Dienste eines erfahrenen Restrukturierers. Nach Informationen des manager magazins heuert Mike Weccardt bei der früheren Metro-Tochter an. Weccardt ist Partner der Boutique Executive Interim Partners und war zuletzt unter anderem beim Modehändler AWG als CEO im Einsatz.

Bei Real übernimmt Weccardt ab Januar die Arbeit des langjährigen Finanzdirektors Marcel Uphues, der das Unternehmen verlässt und soll damit Geschäftsführer Michael Dorn entlasten. Der Managing Partner des Restrukturierungsspezialisten AlixPartners fungiert bei Real derzeit in Personalunion als Finanz- und Restrukturierungschef.

Real wurde im Februar vom Finanzinvestor SCP übernommen. Im März wurde das Management neu aufgestellt. Neben Dorn wurde der frühere Lidl-Vorstand Bojan Luncer (53) als CEO und der ehemalige Rewe-Manager Oliver Mans (Ware und Supply Chain) verpflichtet, um das Geschäft zu stabilisieren und den Weiterverkauf einzuleiten.

SCP muss unter dem Namen Real bis mindestens Juni 2022 den Verkauf von Lebensmitteln fortführen. Auf diese Vereinbarung hatte der scheidende Metro-Chef Olaf Koch (50) beim Verkauf  gepocht. Die Bestandsgarantie sieht allerdings nur den Betrieb von 50 der rund 270 Filialen vor, den Rest darf SCP bereits vorher abgeben. Das jedoch gestaltet sich bisher schwierig.

Real-Geschäft bleibt im Corona-Nachfrageschub schwierig

Bereits im Februar war sich der Investor mit Kaufland und Edeka hinsichtlich der Übernahme von 141 Märkten einig, der Deal, der spätestens zum Jahreswechsel vollzogen werden sollte, wird jedoch noch immer vom Bundeskartellamt geprüft. Die Wettbewerbshüter winkten bis heute lediglich Verkäufe an kleinere Konkurrenten wie Globus durch. Für SCP wird die Hängepartie damit immer teurer.

CEO Luncer hat zwar eine Reihe von Filialen geschlossen, für die er keine Interessenten finden konnte, in den übrigen Märkten die Warenbestände reduziert und das Sortiment überarbeitet, um profitabler arbeiten zu können. Doch trotz des coronabedingten Nachfrageschubs bleibt das Geschäft schwierig. Das wird ganz besonders für die kommenden eineinhalb Jahre gelten, in denen SCP die bundesweit verstreuten Reste der Kette weiterbetreiben und gleichzeitig nach Nachnutzern fahnden muss.

Eine Paketlösung scheint unwahrscheinlich, zumal SCP nach dem Verkauf des Online-Marktplatzgeschäfts an Kaufland das verbliebene Online-Geschäft mit Lebensmittel eingestellt hat. Um die drohenden Verluste zu minimieren, kommt auf Weccardt somit eine Menge Arbeit zu.

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