Mittwoch, 29. Januar 2020

Haub verliert die Geduld im Edeka-Tengelmann-Poker Jetzt geht das Schwarze-Peter-Spiel los 

Ranking: Die größten Lebensmittelhändler
imago

Karl-Erivan Haub hat die Nase gestrichen voll. Monat für Monat verbrennen die ihm noch verbliebenen Tengelmann-Supermärkte Millionen. Und noch immer ist unklar, wie es mit den rund 450 Märkten und den rund 16.000 Mitarbeitern weitergeht. Die bereits vor fast zwei Jahren angekündigte Übernahme der Tengelmann-Märkte durch Edeka ist zu einer einzigen Hängepartie geworden.

"Ende Juli ist eine Deadline, an der ich wissen will, ob es vorangeht", hatte der Konzernlenker Anfang Juli bereits bei der Bilanzpräsentation verkündet. Auch die ist mittlerweile verstrichen. Und die finanzielle Lage scheint sich seitdem noch einmal verschlechtert zu haben.

Auf zehn Millionen Euro monatlich sollen sich Gerüchten zufolge die Verluste der Supermarktkette mittlerweile summieren. Eine Zahl, die von verschiedenen Branchenkennern aktuell für durchaus realistisch gehalten wird. Und die laut dem Berliner Betriebsratsvorsitzenden von Tengelmann, Volker Bohne, auch nicht neu ist.

Und wenig erstaunlich. "Hier wird seit Monaten nicht mehr investiert, weniger Werbung geschaltet, und die Wettbewerber versuchen stetig, uns zu unterbieten", beschreibt Bohne die Situation.

Nach Informationen von manager-magazin.de will Haub deshalb nun offenbar die Reißleine ziehen und mit der Schließung besonders schlecht laufender Filialen beginnen - was das Aus für mehrere tausend Jobs bedeuten könnte. Von 5000 bis 8000 ist die Rede. Auf einer außerordentlich einberufenen Aufsichtsratssitzung am 23. September soll der entsprechende Plan verkündet werden, erfuhr manager-magazin.de. Tengelmann selbst bestätigte den Termin.

Tatsächlich ist die jetzt kolportierte Dimension von 5000 bis 8000 gefährdeten Arbeitsplätzen nicht neu. "Das sind die Zahlen, mit denen Haub seit langem versucht, die Fusion durchzusetzen", sagt Katharina Dröge, wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte sie Mitte Juli, als er ankündigte, notfalls bis zum Bundesgerichtshof gegen das Düsseldorfer Urteil vorzugehen

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