Fotostrecke

Tolino, Kindle & Co.: Die aktuellen E-Reader im Vergleich

Foto: Weltbild

Tolino gegen Kindle Showdown unterm Weihnachtsbaum

Der Verteilungskampf auf dem Buchmarkt spitzt sich zur Weihnachtszeit zu: Amazons Kindle gegen Tolino. In Deutschland wird die Kindle-Alternative mit hohem Aufwand beworben. Ist es dafür schon zu spät?

Hamburg - Es sollte eine klassische Erfolgsmeldung sein. Eine, wie sie Händler zur Weihnachtszeit so gerne verschicken. Der zweite Advent sei der "umsatzstärkste Tag aller Zeiten gewesen", vermeldete der Internetbuchändler buch.de stolz. Der Tolino war meistverkaufter Artikel. Auch beim Tolino-Mitstreiter Weltbild ist vorweihnachtlicher Frohsinn angesagt. "Es geht steil nach oben", heißt es dort.

Eine Erfolgsmeldung allerdings, die sich die Tolino-Verantwortlichen eine Menge haben kosten lassen. Um im Kampf gegen den Onlinehändler Amazon  nicht weiter Boden zu verlieren, hatten sich Buchhändler wie Thalia und Weltbild im Frühjahr zusammengetan und mit dem Tolino einen eigenen eReader auf den Markt gebracht.

Der allerdings ist wie auch bei Amazons Kindle ein Zuschussgeschäft. Und auch was die Werbung angeht, haben die Tolino-Mitstreiter Thalia, Weltbild, Bertelsmann und Telekom  tief in die Taschen gegriffen.

In mehr als 1000 Fersehspots bewerben die Tolino-Macher derzeit bundesweit ihre deutsche Kindle-Alternative - ergänzt durch eine flächendeckende Printkampagne und aufwändige Außenwerbung. Aktionen, die einen "erheblichen Etat" nötig machten, wie Weltbild-Sprecherin Eva Grosskinsky einräumt.

Amazon mit mehr als 40 Prozent Marktanteil

Entsprechend stand beispieweise bei der Thalia-Tochter buch.de, die der Buchhändler demnächst komplett übernehmen will , trotz gestiegenem Umsatz im letzten Quartal auch operativ ein negatives Ergebnis zu Buche.

Es geht um viel. Die Umsätze der Verlage befinden sich im Sinkflug. Beim deutschen Branchenprimus, der Douglas-Tochter Thalia schrumpfte der Umsatz im vergangenen Jahr um 3 Prozent und ging auch zum Jahresstart weiter zurück, bei der DBH-Holding, zu der Hugendubel und Weltbild zählen, stand 2012 sogar ein Minus von 3,5 Prozent zu Buche.

Bei der Mayerschen und dem Schweizer Händler Orell-Füssli war der Rückgang nur unwesentlich kleiner. Wettbewerber Amazon ist mit einem Marktanteil von mehr als 40 Prozent enteilt.

Kampf um die Köpfe

Seit dem Frühjahr läuft nun die Aufholjagd. Zwar ist bislang nur ein Bruchteil der in Deutschland verkauften Bücher digitaler Art. Doch der Anteil steigt. Dümpelte er lange Jahre unter der Ein-Prozent-Grenze dahin, kletterte er 2012 auf 2,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2013 machten eBooks dann schon laut GfK 5 Prozent des Marktes aus. Im Gesamtjahr könnte er nach Einschätzung von Branchenexperten möglicherweise schon die 10 Prozent-Marke knacken.

Doch der digitale Wandel drückt auf die Marge. Das bekommen auch die Macher von Tolino zu spüren: Seit das neue Gerät im März auf den Markt kam, wurde eine "hohe sechsstellige" Zahl der Lesegeräte verkauft, wie die Tolino-Macher stolz verkündeten. Das Weihnachtsgeschäft nicht eingeschlossen.

Einen Teilerfolg konnte das Bündnis bereits verbuchen. Laut GfK-Zahlen hat der Tolino Branchenprimus Amazon im Markt bereits etwas zurückgedrängt. Von 48 Prozent im zweiten Quartal auf 43 Prozent im Dritten.

Wie das entscheidende Weihnachtsquartal ausgeht bleibt abzuwarten. Denn auch Amazon gibt kräftig Gas und versucht über Rabatte und Sonderaktionen den Absatz anzukurbeln.

Schwindende Margen und neue Konkurrenz

Doch die Sache mit den eBook hat einen Haken für die Onlinehändler. Zwar kaufen Besitzer von Lesegeräten im Durchnitt "doppelt so viele Bücher wie der Durchschnittleser", wie Weltbild-Sprecherin Grosskinsky betont. Doch das Geschäft ist für die Händler deutlich weniger lukrativ.

Schon jetzt liegt der Preis eines eBooks in der Regel rund 20 Prozent niedriger als die günstigste gedruckte Version. Geht es nach den Kunden ist das allerdings noch immer zu teuer. Sie sehen den gerechten Preis 40 Prozent unter dem Print-Preis, wie eine GfK-Erhebung ergab. Und auch in den USA, dem Vorreiterland in Sachen eBook haben die Preise für die Digitalausgaben kräftig nachgegeben.

Zudem sind eine ganze Reihe Kunden bereits dazu übergangen, ihre Bücher nicht im Geschäft, sondern direkt online bei den Verlagen zu bestellen. Und auch neue eBook-Flatrates , über die gerüchteweise auch Amazon nachdenkt oder pay-per-use-Modelle dürften die taditionellen Akteure vor neue Herausforderungen stellen.

Stationäre Stärken

Entsprechend versuchen die Händler, die Kunden auch weiter in den stationären Laden zu bekommen, um ihnen auch margenträchtigeres Gedrucktes sowie buchfremde Artikel zu verkaufen.

Und selbst auf den Internetseiten vertreiben Weltbild und buch.de neben den obligatorischen Büchern eifrig Uhren, Parfum, Kinderspielzeug und alles, was das Kundenherz gerade an Weihnachten so erfreut.

Welche Rolle das stationäre Geschäft auch in Zeiten des eBooks noch spielen kann, wird an der Geschichte Barnes & Nobles deutlich. Der Buchhändler, der mit seinem Lesegerät Nook eine technisch ehrgeizige Alternative zu Amazons Kindle entwickelt hatte, hat im eBook-Wettlauf mit Amazon mittlerweile die Segel gestrichen.

Und ist doch in die Gewinnzone zurückgekehrt und machte alleine mit seinen Läden zuletzt wieder einen dreistelligen Millionengewinn.

Hierzulande ist die Schlacht mit Amazon indes in vollem Gange. Deutschland sei "das einzige Land, in dem der örtliche Buchhandel dem amerikanischen Buchvermarkter Amazon erfolgreich die Stirn bietet", erklärte kürzlich Thalia-Chef Michael Busch. Das Weihnachtsgeschäft dürfte eine der ersten Entscheidungsschlachten sein.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.