Samstag, 20. April 2019

Dynamische Preise Die Entdeckung des gläsernen Kunden

Digitale Preisfaktoren: Was bestimmt, wie viel wir zahlen
DPA

Mehrmals pro Tag dreht der Onlinehändler Amazon an der Preisschraube: Mal fallen die Preise, mal ziehen sie an, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dieser Trend findet Nachahmer - auch in Deutschland.

Hamburg - Ob Bücher, ein neuer Tablet-Rechner oder eine neue Küchenmaschine. Wer im Netz einkauft, startet seine Suche am häufigsten beim Online-Händler Amazon Börsen-Chart zeigen. Schließlich hat der Platzhirsch den Ruf von Aldi im deutschen Lebensmittelhandel, viele Kunden halten ihn - irrtümlich - für den stets günstigsten Anbieter.

Mit den Verlagen führt Amazon einen zähen Kampf um Preis und Marge. Und wer beispielsweise im Elektronikhandel stationär noch etwas zu melden haben will, dem bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich nach den Preisen des Handelsriesen zu richten.

Billiger als Amazon geht nicht, lautet vielerorts das Credo. Dabei dreht der Händler jeden Tag mehrfach an der Preisschraube. Bis zu acht Mal pro Tag passt er, je nach Konkurrenzsituation, Abverkauf und Tageszeit, seinen Preis an die aktuelle Lage an, wie der Preisvergleichsexperte 360pi kürzlich ermittelte.

Kunden können schnell einen zweistelligen Betrag sparen, wenn sie diese Preisveränderung im Blick behalten. Und Amazon ist nicht allein: Auch die US-Fahrdienstbetreiber Uber oder Lyft gehen, was das Pricing angeht. für hiesige Verhältnisse neue Wege. Bei beiden richtet sich der Fahrpreis nach Nachfrage und Angebot. Möglich macht das Ganze ein Algorithmus.

Transparenz und billige Software

"In den USA ist dynamische Preisgestaltung im Onlinebereich mittlerweile gang und gäbe", sagt Per Sjostedt, der mit seinem kalifornischen Unternehmen Atenga Unternehmen bei der Preisgestaltung berät. Grund dafür sei zum einen die Transparenz. "Wenn man heutzutage ein Onlineunternehmen gründet, kann man sich fast immer Zugang zu den Preisen der Konkurrenz erkaufen", sagt er.

Und auch bei der praktischen Anwendung hätten die US-Unternehmen einen großen Schritt nach vorne gemacht. "Preismanagementsoftware setzt sich immer mehr durch", erklärt Sjostedt das Phänomen. "Früher war Preismanagement sehr teuer. Aber jetzt kann sich die Software fast jeder leisten."

Völlig neu ist das Konzept sich stetig wandelnder Preise nicht: In der Hotellerie ist schon lange üblich, dass beispielsweise zu Messezeiten die Hotelzimmer teurer werden. Auch das sogenannte Yieldmanagement im Flugbereich, mit Hilfe dessen die Fluglinien die Auslastung ihrer Flieger steuern, ist allgemein akzeptiert. Auch günstige Mittagstisch-Angebote oder die Happy Hour an der Bar werden von Kunden gerne mitgenommen.

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