Sonntag, 21. April 2019

Dynamische Preise Die Entdeckung des gläsernen Kunden

Digitale Preisfaktoren: Was bestimmt, wie viel wir zahlen
DPA

2. Teil: Suche nach dem passenden Preis: Firmen ändern bis zu 20 Mal pro Tag

Konkurrenzbeobachtung ist nichts Neues. Auch der Gemüsehändler auf dem Markt wusste schon immer, was die Tomaten bei der Konkurrenz kosten und hat dies bei seiner eigenen Preisgestaltung berücksichtigt. Und er muss ebenso wie die heutigen Internethändler je nach Zeitpunkt, verbleibender Verkaufszeit, Nachfrage und Vorrat dann entschieden, wieviel er noch für seine Ware nimmt.

Geändert hat sich mit fortschreitender Technisierung allerdings die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen in der Lage sind, die zahlreichen Faktoren in Betracht zu ziehen und mit dem Ziel der Gewinnmaximierung für sich auszuwerten.

So ändern aktuellen Untersuchungen zufolge in den USA manche Anbieter bei bis zu 20 Prozent ihres Sortiments täglich die Preise.

Und die Menge der Informationen, die sie für die Findung des perfekten Preises berücksichtigen können, wächst. Mittlerweile fließen Faktoren in die Preisfindung mit ein, von denen vor Jahren noch kaum jemand etwas geahnt hat. Neben internen Gesichtspunkten wie beispielsweise Lagerbeständen sind dies

  • unter anderem die erwartete Finanzkraft. Wie weit hier die technischen Möglichkeiten gehen, zeigt ein Beispiel der Onlinereisebüros Orbitz, das vor zwei Jahren für Aufregung sorgte. Weil statistisch gesehen Mac-Nutzer wohlhabender sind und mehr für Reisen ausgeben als PC-Nutzer, unterbreitete Orbitz den Apple-Kunden teurere Hotel-Optionen als den PC-Kunden.
  • Umweltfaktoren: Der Softdrink-Hersteller Coca-Cola experimentierte sogar mit Automaten, bei denen der Preis für Cola mit der umgebenden Temperatur stieg oder absank. Auch aktuelle Nachfragewellen wie Feiertage spielen bei der Preisgestaltung traditionell eine Rolle.

  • Zeit: Auch der Faktor Zeit spielt eine beträchtlich Rolle bei der Zahlungsbereitschaft. So experimentierten hiesige Fluglinien bereits mit abendlichen Preissenkungen, weil dann preissensiblere Kundschaft im Internet unterwegs ist. Eine britische Supermarktkette setzte hingegen abends, wenn vor allem wenig preissensible Geschäftsleute nach der Arbeit einkaufen, ihre Preise für einige Nahrungsmittel deutlich hoch.

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