Vertriebschef der Drogeriekette wirft hin Miese Stimmung in Müllers Management

Erwin Müller, Patriarch der Drogeriekette, und sein Firmenchef Günther Helm funken seit dem Antritt Helms vor wenigen Jahren nicht auf einer Wellenlänge. Jetzt verlässt Vertriebschef Lukas Lobensommer das Unternehmen – der Disput scheint sich zuzuspitzen.
Reparaturbedarf: Bei der Drogeriekette Müller gibt es Ärger im Management

Reparaturbedarf: Bei der Drogeriekette Müller gibt es Ärger im Management

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

In der Führungsetage der Drogeriekette Müller rumpelt es offenbar gehörig. Wie manager magazin von zwei Quellen innerhalb des Unternehmens erfahren hat, hat Vertriebsgeschäftsführer Lukas Lobensommer seinen Job gekündigt. Von der Müller Holding war dazu keine Stellungnahme zu bekommen. Auch Lobensommer antwortete auf eine Bitte um Stellungnahme nicht.

Der Abgang Lobensommers erscheint bemerkenswert, weil damit ein Mann das Unternehmen verlässt, der von Firmenchef Günther Helm (43) kurz nach dessen Amtsantritt 2019 eigens geholt worden war. Firmengründer Erwin Müller hatte wiederum Helm ebenfalls 2019 zu der Drogeriekette gelotst, angeblich, weil sich der Patriarch allmählich aus dem Geschäft zurückziehen wollte. Das hat Müller aber bis heute nicht getan. "Man kann mich einen Lügner schimpfen oder einen alten Esel, wenn ich mit 65 Jahren noch in der Firma sitze", hatte Müller vor 400 Gästen auf der Feier seines 60. Geburtstags verkündet. Heute, 29 Jahre später, ist der 89 Patriarch immer noch häufig in seinem Büro anzutreffen.

Inzwischen scheint es zwischen Müller und Helm mehr und mehr zu knatschen. Von den neuen Führungskräften, die Helm nach seinem Start ins Haus holte, sei Lobensommer der Erste, der die Drogeriekette wieder verlasse, heißt es in dem Unternehmen. Dabei habe der Vertriebschef das Handtuch geworfen, während sein Chef im Urlaub weilte.

Helm, ein Jurist aus Österreich, der bei der Aldi-Tochter Hofer im Rekordtempo Karriere machte, gilt als eloquent, charismatisch und überaus selbstbewusst. Er will die Drogeriekette modernisieren sowie digitalisieren und hat bereits erfolgreich einen Onlineshop aufgebaut. Auch die weitere Expansion des Unternehmens in neue Länder hat sich der Chef auf die Fahne geschrieben.

Konzerngründer Müller dagegen ist vom alten Schlag, steht etwa moderner Technik und Digitalisierung eher skeptisch gegenüber. Schon bei seinem Start 2019 soll Helm den Führungsstil des Patriarchen als wenig zeitgerecht kritisiert haben.

Inzwischen ist die Stimmung zwischen beiden offenbar auf einem Tiefpunkt angekommen. Im Sommer steht für Günther Helm die Verlängerung seines Vertrages bei Müller an – angesichts der jüngsten Entwicklung bleibt abzuwarten, ob es dazu kommt.

cr
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