Hoffnungsträger flüchtet Drogeriekette Müller verliert Finanz- und Stiftungsvorstand Christian Remy

Wenige Wochen nach Vertriebschef Lukas Lobensomer wirft auch Finanz- und Stiftungsvorstand Christian Remy bei der Drogeriekette Müller hin. Dabei galt Remy als Hoffnungsträger für die Zeit nach Patriarch Erwin Müller.
Erneuter Verlust im Topmanagement: Drogeriekette Müller

Erneuter Verlust im Topmanagement: Drogeriekette Müller

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Finanzvorstand Christian Remy verlässt nach Informationen von manager magazin die Ulmer Drogeriekette Müller. Nach Vertriebschef Lukas Lobensommer, der im April gekündigt hat, kehrt damit bereits der zweite Top-Manager binnen weniger Wochen Deutschlands drittgrößtem Anbieter den Rücken.

Die Lücke, die Remy hinterlässt, ist allerdings ungleich größer. Der frühere Aldi Manager galt als zentrale Figur für die Zeit nach dem Patriarchen. Remy wurde erst Ende vergangenen Jahres in den Vorstand der Erwin Müller Privatstiftung mit Sitz in Österreich berufen, die 35,4 Prozent der Konzernanteile hält. Laut Insidern soll der Rest der Anteile nach dem Tod von Inhaber Müller in eine im Aufbau befindliche Stiftung in Deutschland fließen, über die Remy Insidern zufolge ebenfalls hätte wachen sollen.

Das Vertrauen der Müllers hat sich der junge Finanzexperte, der wie Lobensommer 2019 als Wunschkandidat und Vertrauter von Müller-CEO Günther Helm nach Ulm gewechselt ist, durch ein straffes Kostenmanagement während der Pandemie erworben. Zuletzt soll es jedoch sowohl zwischen Helm und Müller wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Die angespannte Stimmung im Unternahmen hat offenbar auch das Verhältnis zwischen Helm und Remy belastet.

Nun laufen im Unternehmen Wetten, wie lange CEO Helm noch durchhält. Helms Vertrag soll im Sommer auslaufen und wurde offenbar bisher nicht verlängert. Dabei ist der frühere Aldi-Manager 2019 als Müllers Kronprinz angetreten und hatte sogleich öffentlich herumposaunt, auch eine Beteiligung am Unternehmen in Aussicht zu haben: "Ich werde unternehmerisch tätig und nicht bloß ein angestellter Manager sein."

Allerdings ist es bisher weder dazu, noch zum angekündigten Rückzugs Müllers aus dem Tagesgeschäft gekommen. Stattdessen sitzt der 89-Jährige Inhaber noch immer fast jeden Tag in seinem Büro im dritten Stock. Im Vorzimmer residiert Gattin Anita. Der zweiten Ehefrau dürften die neuerlichen Abgänge zupass kommen. Die selbstbewusste Dame, die einst als Sekretärin fungierte, gilt als äußerst machtbewusst und kann ihrem Gatten nun erneut vor Augen führen, dass Manager kommen und gehen, während sie dem ewigen Erwin die Treue hält.