Montag, 19. August 2019

Douglas-Chefin Tina Müller zu Gast in der manager lounge "Das katapultiert uns in die Moderne"

manager lounge Veranstaltung in der Hanse Lounge: Tina Müller beim Vortrag "The Future of Beauty Retailing"
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manager lounge Veranstaltung in der Hanse Lounge: Tina Müller beim Vortrag "The Future of Beauty Retailing"

Der Handel ist tot - solche Überschriften nerven Tina Müller. Als Chefin der größten Parfümeriekette Europas will die seit November amtierende CEO von Douglas das Gegenteil beweisen. Was letztlich auf die Neuerfindung des Konzerns hinausläuft, wie Mitglieder der manager lounge, dem Business Club des manager magazins, bei einem Auftritt Müllers in Hamburg merkten.

Die Aufgabe, die sie vorfand, könnte kaum größer sein: Der Konzern mit seinen 2400 Filialen und 3 Milliarden Euro Umsatz wirkte angestaubt, das Sortiment galt als austauschbar und die selbst mitinitiierte Preisschlacht schmälerte die Gewinne.

Müller, früher bei Henkel und Opel, hat die Probleme schnell erkannt und peitscht in hohem Tempo ihr Strategieprogramm ForwardBeauty durch. Derzeit erhalten die Filialen ein neues Logo, Starfotograf Peter Lindbergh hat Top-Models wie Cara Delevingne für die neue Kampagne unter dem Slogan "Do it for you" in Szene gesetzt.

Nahm sich Zeit für viele Fragen: Douglas-Chefin Tina Müller in der manager lounge.
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Nahm sich Zeit für viele Fragen: Douglas-Chefin Tina Müller in der manager lounge.

"Wir müssen uns vom Drogeriemarkt differenzieren und die Nummer eins Premium-Destination für Beauty werden", sagte Müller vor mehr als 100 Gästen in der Hamburger hanse lounge, die einen spektakulären Ausblick auf den Rathausmarkt bietet. Ihre Mission laute: "Wir wollen unsere Kunden ermutigen und inspirieren, das Selbstbewusstsein zu haben, ihre eigene Art von Schönheit zu leben."

Gelingen soll das mit neuen Konzepten und viel Service. Für Millenials lanciert Müller gemeinsam mit Influencerinnen Eigenmarken und sorgt so für Gesprächsstoff. Als Supermodel Gigi Hadid zur Autogrammstunde in einer Frankfurter Douglas-Filiale ankam, tobte die Masse. Ein weiterer Hebel ist das Sortiment: "Während der letzten sechs Jahre hat sich der Beautymarkt radikal verändert", sagte Müller. "Früher gab es fünf große Top-Marken, heute wird der Markt von Indie Brands überschwemmt, die in kurzer Zeit über Social Media unglaublich viele Fans bekommen." Diese Newcomer will Douglas für sich gewinnen - und damit die junge Kundschaft.

Online wurde das Sortiment bereits um 140 Marken erweitert, bis Jahresende soll auch das Angebot in den Filialen deutlich umgebaut werden. Zum Markenauftritt gehört das neue Ladenlayout, das Douglas nun ausrollt. Es "katapultiert uns in die Moderne", versprach Müller. Wie die Zukunft aussieht, präsentiert der Konzern am 9. Oktober in Frankfurt. Im neuen Flagship-Store können sich Kunden nicht nur beraten und schminken lassen, auch ein Haarschnitt und Schönheitsbehandlungen sind möglich. Im Obergeschoss befindet sich ein Spa.

Um den richtigen Mix für die jeweilige Zielgruppe zu bieten, will Douglas das Angebot in den Filialen auf die lokalen Gegebenheiten ausrichten - und wagt Experimente.

"Wir haben pro Quartal über 1 Million Suchanfragen zu Apothekenkosmetik", sagte Müller. "Das können und wollen wir nicht ignorieren." Ab Ende September testet der Konzern daher unter dem Label Douglas Pro in Hamburg ein neues Filialkonzept mit einem breiten Angebot an meist nur in Apotheken erhältlichen Pflegeprodukten und dermatologischen Nahrungsergänzungsmitteln.

Deutschlands wohl populärste Konzernlenkerin verbreitete viel Optimismus, machte aber auch aus den Herausforderungen keinen Hehl: "Wir wollen kein Geschäft über Rabatte machen. Das ist verdammt schwer, das kann ich Ihnen nach 11 Monaten bei Douglas sagen", räumt sie ein. "Der Hahn wurde in der Vergangenheit etwas zu weit aufgedreht. Nun können wir ihn nicht einfach komplett zudrehen."

Dafür sei das Wettbewerbsumfeld angeführt von der preisaggressiven Online-Konkurrenz zu stark. Das laufende Jahr ist für Müller eine Zeit des Umbruchs, erste Erfolge verspricht sie für die kommenden zwölf Monate. Die nötige Geduld bringe auch ihr Haupteigner, der Finanzinvestor CVC mit, der inzwischen sogar mehr als die ursprünglich vorgesehenen 100 Millionen Euro für die Neuausrichtung zur Verfügung gestellt habe.

Immerhin hat Müller bereits einen Hoffnungsschimmer parat: In den vergangenen drei Monaten habe sich das Geschäft im mit Abstand wichtigsten Markt - dem deutschen - stabilisiert. Das sei, so Müller, auch ein Frage der Ehre und ein wichtiges Signal: "In der Debatte über den Untergang des Handels ist das letzte Wort noch längst nicht gesprochen."

Tina Müller macht Tempo, aber manchmal nimmt sie sich auch Zeit. Für die Mitglieder der manager lounge und deren Fragen war sie drei Stunden da.

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