Freitag, 19. Juli 2019

Landgericht urteilt DocMorris muss Automaten schließen

Apotheken-Automat muss schließen: In dem kleinen Ort Hüffenhardt (Baden-Württemberg) betreibt der Arzneimittel-Versandhändler DocMorris eine Automatenapotheke mit Videoberatung

Das Mosbacher Langericht hat dem Arzneimittel-Versandhändler DocMorris den Weiterbetrieb eines Apotheken-Automaten in Hüffenhardt vorläufig untersagt. Das Gerät sei aus Sicht des Gerichts kein Versandhandel, sagte eine Justizsprecherin am Mittwoch.

Das Gericht folgte damit einem Antrag des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Der Verband sieht in dem Automaten einen Wettbewerbsverstoß. DocMorris argumentiert hingegen, es handle sich um Versandhandel.

DocMorris hatte den bundesweit ersten Automaten dieser Art erst kürzlich eingerichtet. Arzneimittel werden dort in einem Lagerautomaten deponiert, wie er auch in Apotheken zu finden ist. Das Unternehmen verkauft in Hüffenhardt nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dazu geben Mitarbeiter in den Niederlanden das Medikament per Knopfdruck frei. Beraten wird per Videochat.

DocMorris-Vertreter verwiesen nach der Urteilbegründung darauf, dass bereits beim Verwaltungsgericht Karlsruhe ein Verfahren behandelt wird, das eine grundsätzliche Klärung bringen soll.

DocMorris darf als Unternehmen wegen des Fremdbesitzverbots keine Apotheken in Deutschland betreiben, aber Medikamente durchaus versenden. DocMorris mit Sitz in den Niederlande ist hiesigen Apothekern schon lange ein Dorn im Auge. Erst recht, seit dem der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Oktober vergangenen Jahres der Firma erlaubt hat, Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneien zu gewähren (was deutschen Apothekern verboten ist), und so eine kräftige Prise Wettbewerb ins Medikamentenbusiness gemischt hat.

Achten Sie auf: Olaf Heinrich, Doc Morris

rei mit dpa

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