Donnerstag, 18. Juli 2019

Der Hidden Champion aus dem Supermarktregal Dieser Hamburger Mittelständler liefert Brot für die Welt

Torsten Wywiol: "Ohne Zusatzstoffe keine industriellen Lebensmittel"
Kathrin Spirk für manager magazin
Torsten Wywiol: "Ohne Zusatzstoffe keine industriellen Lebensmittel"

2. Teil: Die Krönung der Karriere

Der Sprung über die Milliardengrenze wäre die Krönung seiner Karriere. Denn es war alles andere als ausgemacht, dass er, bloß weil er der Sohn ist, an die Spitze des elterlichen Unternehmens rücken würde. Die Übergabe vom Vater auf den Sohn war ein jahrelanger Prozess, den der auf Familienunternehmen spezialisierte Berater Peter May moderierte. May leitet bis heute den fünfköpfigen Firmenbeirat.

Nachdem Vater Volkmar krank geworden war und die Banken nervös wurden, musste sich die Familie 2002 notgedrungen mit der Nachfolgefrage beschäftigen. Theoretisch kamen sowohl Torsten als auch seine beiden Schwestern infrage. Alle drei hatten ein BWL-Studium absolviert. Doch die Töchter nahmen sich selbst früh aus dem Rennen, Familie und Kinder waren ihnen wichtiger.

Blieb Torsten, der als Product Manager für den Hamburger Zigarettenkonzern Reemtsma gearbeitet hatte, bevor er bei einem kleinen Schokoladenhersteller namens Herza einstieg. Wenn du dich da gut schlägst, dann wird das was mit meiner Nachfolge, sagte der Vater zu ihm. Herza entwickelte sich bestens, so dass der Senior sowohl die Schokoladenfabrik kaufte als auch seinen Nachwuchs zurückholte. Zunächst bildeten Vater und Sohn eine Doppelspitze, seit 2010 leitet Torsten das Unternehmen allein.

Bis heute indes kommt Vater Volkmar jeden Tag ins Büro. Er leitet das überschaubare Marketing des Unternehmens. An den Geschäftsführersitzungen nimmt der Vater aber nicht mehr teil. "Er berichtet an mich", sagt Torsten Wywiol lächelnd.

Hauptsächlich kümmert sich der Senior um die Kunst- und Kulturaktivitäten der Gruppe. Als vor einigen Jahren der Empfang des Hauses umgebaut werden konnte, entschieden sich Vater ("Ich wollte früher mal Künstler werden") und Sohn ("Ich liebe Kunst") für eine Galerie. "Anfangs erschien uns das etwas verrückt" erinnert sich Volkmar Wywiol - und so mancher in der Firma hielt die beiden tatsächlich für verrückt.

Doch die Wywiols waren ja immer schon ein wenig speziell. Sie ließen sich nicht beirren, stellten eine Galeristin ein und konzentrieren sich auf Skulpturen. "Die sind auch eine Nische, wie unsere Produkte", argumentiert Torsten Wywiol. Und so entstand An der Alster 81 einer der ungewöhnlichsten Empfangsräume eines deutschen Unternehmens - und zugleich eine feine Adresse für Kunstliebhaber.

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