Der Middelhoff-Ticker Middelhoff bleibt mindestens bis nächste Woche in U-Haft

Fazit des Tages: Thomas Middelhoff soll für drei Jahre ins Gefängnis, ohne Bewährung. Jetzt muss der Ex-Topmanager auf eine Haftprüfung kommende Woche hoffen und auf eine mögliche Revision vor dem BGH. Resümieren Sie den Tag der Urteilsverkündung im mm-Middelhoff-Ticker.
Kein Grund zur Freude: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff am Freitag vor dem Landgericht Essen

Kein Grund zur Freude: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff am Freitag vor dem Landgericht Essen

Foto: DPA

16.21 Uhr - Wir beenden unseren Ticker vom Tag der Urteilsverkündung im Middelhoff-Prozess mit einem Tweet von Jörg Marksteiner vom WDR :

15.30 Uhr - Das Warten ist vorbei: Mindestens eine Woche lang bleibt Thomas Middelhoff in Untersuchungshaft, melden verschiedene Reporter aus Essen. Der nächste Haftprüfungstermin stehe in der kommenden Woche an. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest.

14.47 Uhr - Spiegel-Online-Chefreporter Jörg Diehl versucht in seiner Reportage aus Essen, Middelhoffs Abrechnungsverhalten zu ergründen: "Für die einen mag Thomas Middelhoff ein Mann sein, der jegliches Maß verloren hat, ein Abgehobener, der für sich in Anspruch nahm, außerhalb des Gesetzes zu stehen. Doch deutlich wird vor Gericht auch, wie schwierig es im Leben eines Workaholics ist, zwischen Dienst und Freizeit zu unterscheiden. Wenn man so will, fiel Middelhoff seinem Fleiß zum Opfer - oder seiner Gier."

14.34 Uhr - Welche Chancen hat Middelhoff, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen? Wir haben mal bei einem prominenten und vor allem kundigen Verteidiger nachgefragt, der auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert ist, hier aber anonym bleiben möchte. Um aus seiner Haftzelle zu kommen, in der Middelhoff gerade sitzt, müssen seine Anwälte den Richter überzeugen, dass keine erhöhte Fluchtgefahr bestehe.

Middelhoffs Haus in Frankreich (St. Tropez) sei kein Argument für erhöhte Fluchtgefahr, weil Frankreich eben Mitglied der EU sei. Dazu gibt es eine entsprechende Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs. Die überraschend hohe Strafe dagegen erhöhe eindeutig die Fluchtgefahr. Wenn Middelhoff den Haftbefehl außer Vollzug setzen will, kann er eine hohe Kaution, Meldeauflagen und im Extremfall sogar den Verzicht auf Rechtsmittel, also die Revision, anbieten.

13.43 Uhr - Via "Westfalen Blatt" meldet sich Middelhoffs einstiger Mentor bei Bertelsmann, der heute 76-jährige Mark Wössner, zu Worte. Wir erinnern uns: Middelhoff hatte ihm einst für 180.000 Euro eine Geburtstags-Festschrift schreiben lassen und diese dann über Arcandor abgerechnet.

Wössner nennt die Strafe nun "viel zu hoch", gemessen an anderen Wirtschaftsverfahren seien die Essener Richter über das Ziel hinausgeschossen. Zur 180.000-Euro-Festschrift sagte der heutige Aufsichtsrat von Daimler und Loewe: "Das ist ein großartiges Buch, aber ich hatte damit nichts zu tun. Ich habe es geschenkt bekommen, das ist alles." Heute stehe er nur noch lose mit seinem einstigen Schützling in Kontakt: "Ich habe ihm nach der Verurteilung auch keine SMS geschrieben."

13.30 Uhr - WDR-Reporter Jörg Marksteiner berichtet, laut Gerichtssprecher entscheide sich um 15 Uhr, ob der Haftbefehl gegen Middelhoff bestehen bleibe. Derzeit sitze er in U-Haft. Seine Zwischenrufe aus Essen verteilt er via @J_Marksteiner .

13.17 Uhr - Laut FAZ-Korrespondent Joachim Jahn wird die Haftprüfung für eineinhalb Stunden unterbrochen. Middelhoff bleibe damit weiterhin vorläufig Untersuchungshäftling - er sitze derzeit laut Gerichtssprecher in der Haftzelle. Wer dem Jura-Blogger der FAZ bei Twitter folgen möchte - er berichtet ja live aus Essen - findet ihn unter @JoachimJahn .

So kommentiert Jörg Kachelmann den Prozess

12.49 Uhr - Für Richter Schmitt stand und steht Thomas Middelhoff wegen des Verfahrens unter starkem medialem Druck - eine Situation, die Jörg Kachelmann aus eigener Erfahrung kennt. Via Twitter meldet er sich nun zum Prozessausgang zu Wort.

Jörg Kachelmanns Tweet - erste Reaktionen darauf enthüllt ein Klick auf´s Bild

Jörg Kachelmanns Tweet - erste Reaktionen darauf enthüllt ein Klick auf´s Bild

Foto: Twitter / Jörg Kachelmann

12:43 Uhr - Smalltalk-Vorschlag für das Feierabend-Bier in ein paar Stunden: Was war der schlechteste Middelhoff-Witz, den Sie heute gehört haben? Der mit dem Hubschrauber in den Knast? Der mit der Fluchtgefahr aus dem Fenster? Oder der mit dem Offenbacher Rapper namens Haftbefehl?

12.25 Uhr - Was halten Sie vom Urteil? Ist es angemessen? Oder "ohne Maß", wie mm-Autor Christoph Neßhöver schreibt? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite  des manager magazins.

12.16 Uhr - Interessante Beobachtung von Handelsblatt-Reporter Massimo Bognanni: Middelhoffs Fahrer "tigert ungeduldig" vor dem Gerichtssaal - "wird er seinen Chef heute mit der Limo nach Hause fahren?"

12.07 Uhr - In ihrer aktuellen Zusammenfassung weist die dpa zurecht darauf hin: Middelhoff und seinen Verteidigern bleibt zur Revision des Urteils immer noch der Gang vor den Bundesgerichtshof.

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Thomas Middelhoff - seine Sicht der Dinge: Aufstieg und Fall von "Big T"

Foto: Guido Kirchner/ picture alliance / dpa

12.05 Uhr - Falls Sie sich fragen, wie es denn nun um den Haftbefehl steht: Nach wie vor wird hinter verschlossenen Türen verhandelt.

11.57 Uhr - Dazu am Rande: Das Beispiel Middelhoff-Prozess zeigt eindrücklich, wie stark Twitter dann und wann die Arbeit deutscher Journalisten beeinflusst. Viele Kollegen - Massimo Bognanni vom Handelsblatt, Jörg Diehl von Spiegel Online, Joachim Jahn von der FAZ oder Welt-Redakteur Carsten Dierig - berichten live aus dem Gerichtssaal. Größere Analysen folgen später - natürlich auch bei uns.

11.51 Uhr - Jetzt ist #Middelhoff häufigster Twitter-Hashtag in Deutschland.

11.45 Uhr - Ein Nachtrag zum Haftbefehl: Richter Schmitt sieht aus drei Gründen eine erhöhte Fluchtgefahr - wegen der Höhe der verhängten Freiheitsstrafe, der unklaren beruflichen Situation Middelhoffs und weil der Ex-Arcandor-Chef im Ausland (in Saint Tropez) wohne.

11.35 Uhr - Das Urteil polarisiert. Hämische Tweets werden genauso veröffentlicht wie nachdenklich-kritische Kommentare zum Urteil - und Witze. Prägendes Element: Middelhoffs Fensterflucht vor Journalisten.

Stern-Redakteur Jörg Hermes auf Twitter

Stern-Redakteur Jörg Hermes auf Twitter

11.30 Uhr - Einigen Beobachtern ist das Urteil zu hart - auch mm-Autor Christoph Neßhöver findet 3 Jahre Haft unverhältnismäßig.

11.25 Uhr - Vor dem Gerichtssaal erläutert ein Sprecher das Urteil. Hinter verschlossenen Türen berät das Gericht derweil, den Haftbefehl eventuell noch aufzuheben.

11.18 Uhr - Damit ist die Sitzung geschlossen. "Middelhoff ist blass" - erneut Jörg Diehl, Spiegel Online.

11.15 Uhr - Der Richter sieht erhöhte Fluchtgefahr - und erlässt einen Haftbefehl. Middelhoff würde sofort in U-Haft kommen.

11.05 Uhr - Jörg Diehl, Spiegel-Online-Chefreporter, per Twitter aus dem Gerichtssaal: "Massive mediale Begleitung habe Middelhoff zugesetzt, sagt der Richter. Wirkt sich daher strafmildernd aus."

"Lügen, abenteuerliche Erkärungsversuche, Widersprüche"

10.50 Uhr - Immerhin: Einen Freispruch gibt es. Vorstandswochenenden in St. Tropez würden zwar einen dekadenten Eindruck machen - Untreue könne Middelhoff dafür aber nicht vorgeworfen worden, sagt Richter Schmitt. Dabei sei immerhin über Unternehmensdinge gesprochen worden - die Entlassung von 4000 Karstadt-Mitarbeitern etwa.

10.35 Uhr - Richter Schmitt hat kein Verständnis für Hubschrauberflüge von Middelhoffs Wohnsitz in Bielefeld zur Arcandor-Konzernzentrale in Essen - zumindest auf Firmenkosten: "Dann müssen Sie eben früher aufstehen." Zuvor hatte er immerhin eingeräumt, Middelhoff habe unzweifelhaft "unglaubliche Arbeitstage" gehabt und nicht auf der faulen Haut gelegen.

10.15 Uhr - Auf vielen Fotos aus den unterschiedlichen Gerichtssälen, die Thomas Middelhoff dieser Tage in Deutschland besucht, grinst der Ex-Manager - oder lächelt zumindest. Während der Urteilsverkündung ist seine Miene hingegen versteinert.

10.01 Uhr - Wie groß das Interesse an dem Urteil in Deutschland ist, zeigen die Twitter-Charts - #middelhoff steht derzeit auf Platz 4 - und steigt wenig später auf Platz 2.

10.00 Uhr - Urteilsbegründung - Richter Jörg Schmitt attestiert dem Verurteilten "Lügen, abenteuerliche Erklärungsversuche, noch nie erlebte Einlassungsbrüche und Widersprüche" - so berichtet FAZ-Korrespondent Joachim Jahn live aus dem Gerichtssaal.

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Thomas Middelhoff - seine Sicht der Dinge: Aufstieg und Fall von "Big T"

Foto: Guido Kirchner/ picture alliance / dpa

9.55 Uhr - Ist das Urteil gerecht? Volker Votsmeier, Ressortleiter Recht beim Juve-Verlag, regt via Twitter zum Nachdenken an: Uli Hoeneß sei für eine Steuerhinterziehung von 30 Millionen Euro für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis geschickt worden - Middelhoff werde für Untreue und Steuerhinterziehung in Höhe von 800.000 Euro nun zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

9.50 Uhr - Die Urteilsbegründung läuft. Richter Jörg Schmitt gibt an, ohne die Arcandor-Insolvenz sei das Verfahren wohl nicht angestrengt worden - erst die "Erbsenzählerei des Insolvenzverwalters" habe den Prozess ins Rollen gebracht.

9.35 Uhr - Die schnellsten Reaktionen kommen aus dem Netz: Twitter-Nutzer schütten viel Häme aus. "Denkpause für eine der größten Managerpfeifen" heißt es etwa, andere spekulieren, ob er seine Haft wohl auch per Helikopter antreten dürfe.

9.28 Uhr - Die dpa bringt die Eil-Meldung des Tages: Das Landgericht Essen hat den früheren Top-Manager Thomas Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

luk/dpa/reuters/twitter
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