Mittwoch, 20. November 2019

Wenn der Paketbote nicht mehr klingelt Amazon und das Rätsel um verloren gegangene Päckchen

Logistik: Wie die Paketdienste versuchen, der Päckchenflut Herr zu werden
DPA

4. Teil: "Systemrelevante Kunden" wie Amazon zahlen nur noch sehr wenig Geld pro Sendung

So zahlen einige sogenannte systemrelevante Kunden nach Angeben von Logistik-Insidern teilweise nur noch 1,80 Euro pro Sendung. "Das ist wirtschaftlich nicht mehr darstellbar", so der Berater Manner-Romberg. Und doch ließen sich Logistikbetriebe darauf ein, weiß der Logistikexperte. "Zum einen, weil sie auf Skaleneffekte hoffen. Und zum anderen, weil sie wissen: wenn ich es nicht mache, dann macht es der nächste."

Wenig erstaunlich, dass in der Branche Wehklagen mittlerweile zum Tagesgeschäft gehört. "Unser gesamtes Geschäftsmodell steht unter Druck", klagte kürzlich Hermes-Deutschlandchef Frank Rausch "Wir brauchen mindestens 50 Cent mehr pro Paket."

Ein Szenario, für das sich auch dpd-Chef Boris Winkelmann erwärmen könnte. Seine Idee: Der Paketdienst liefert standardmäßig an den Paketshop. Für die Lieferung an die Haustür werden 50 Cent extra fällig.

Wehklagen wegen Gratis-Versand-Mentalität

Selbst Post-Chef Frank Appel, der seit kurzem kommissarisch auch für die Paket-Sparte zuständig ist, stimmt in den Klagechor mit ein. In der Begeisterung über die Vorteile des E-Commerce sei "untergegangen "dass auch die Transporteure auskömmliche Margen brauchen", sagte er kürzlich in einemInterview mit der "FAS". Natürlich profitiere die DHL vom Mengenwachstum, "aber die reinen Skalenvorteile gleichen die steigenden Kosten auf Dauer nicht mehr aus."

Die Rettung suchen die Logistiker nun in Imagefilmchen, in denen sie den Endkunden ihre Leistung verdeutlichen wollen. Und in Preiserhöhungen - zunächst für Geschäftskunden. Sowohl Hermes als auch DHL haben ihre Preise bereits erhöht.

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