Dienstag, 12. November 2019

Wenn der Paketbote nicht mehr klingelt Amazon und das Rätsel um verloren gegangene Päckchen

Logistik: Wie die Paketdienste versuchen, der Päckchenflut Herr zu werden
DPA

3. Teil: Das Endkundengeschäft wird zum Belastungsfaktor

Doch ausreichend qualifiziertes Personal lässt sich zu diesem Preis nicht unbedingt immer bekommen. Vor allem die Belieferung von Privatkunden, das sogenannte B2C-Geschäft, in dem in Deutschland DHL und Hermes führend sind, gestaltet sich in Ballungszentren oft mühsam. Schließlich müssen hier die Kunden - nicht selten in verstauten Straßen mit wenig Parkraum - einzeln angefahren werden. Wenn die Kunden dann nicht angetroffen werden, müssen die Paketboten unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Der Trend zu genaueren Lieferterminen und Zeitfenstern lässt hier zwar die Auslieferungsquote steigen. Allerdings lassen sich so die Wagen weniger gut auslasten - was die Logistiker Geld kostet. Denn es führt zu einer höheren Tourenzahl und damit wieder zu wachsender Verkehrsdichte führt, wie Experten des Fraunhofer-Instituts warnen.

Das von vielen Kunden mittlerweile erwartete Pakete-Tracking kostet im Aufbau und Unterhalt eine Menge Geld, weiß Logistikexperte Horst Manner-Romberg. "Tracking ist extrem teuer. Jetzt zahlen die deutschen Logistikdienstleister für den Fehler, dass sie sich diese Dienstleistung von Anfang an nicht haben bezahlen lassen."

Die Folge: Zwei Fünftel der gesamten Logistikkosten entfallen mittlerweile auf diese sogenannte "Letzte Meile", hat das Beratungsunternehmen Frost & Sullivan in einer kürzlich veröffentlichten Studie errechnet. Und die Kosten dürften weiter steigen.

Kosten, die nach den Worten des Logistik-Experten Manner-Romberg häufig nicht mehr von Einnahmen abgedeckt sind. Denn vor allem große Händler wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Zalando können aufgrund ihrer Marktmacht immer bessere Konditionen für sich aushandeln. Allein Amazon zeichnet laut einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH) mittlerweile für 46 Prozent der gesamten Onlineumsätze verantwortlich.

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