Dienstag, 12. November 2019

Bücherkrieg Deutschsprachige Autoren prangern Amazons Methoden an

Bücherkrieg: Deutschsprachige Autoren protestieren gegen Amazon
AP

Der Protest der Buchwelt gegen Amazon ist in Deutschland angekommen: Über 100 deutschsprachige Schriftsteller kritisieren in einem Brief das Geschäftsgebaren des Online-Versandhändlers. Darunter ist auch eine Nobelpreisträgerin.

Berlin - Auch deutschsprachige Autoren üben scharfe Kritik an den Geschäftsmethoden des Onlinehändlers Amazon Börsen-Chart zeigen. In einem Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos, der in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll, werfen die Schriftsteller Amazon vor, Autoren und ihre Bücher als Druckmittel für mehr Rabatte zu nutzen.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, gehören zu den über 100 Unterzeichnern des Briefes Autoren wie Ingrid Noll, Nele Neuhaus und "Tatort"-Drehbuchautor Fred Breinersdorfer. Auch die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff haben laut der Zeitung unterzeichnet.

"Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören", sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland, der Zeitung.

Prominente Vorreiter

Zuvor hatten in den USA mehr als 900 Autoren, darunter Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Es geht dabei um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette. Die Autoren kritisierten, dass Amazon die Auslieferung gedruckter Hachette-Bücher verlangsamt sowie keine Vorbestellungen angenommen habe. Der Internet-Händler will niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen. Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe, konterte Amazon.

Am Wochenende hatte der Onlinehändler zudem den Unterhaltungsriesen Disney unter Druck gesetzt: Disney-Blockbuster wie "Maleficent" oder der zweite "Captain-America"-Film waren nicht als DVD- oder Blu-ray-Version vorbestellbar. Mit der Methode, die Amazon zuvor bereits gegen Videofilme von Time Warner und eben die Hachette-Bücher angewandt hatte, will sich der Händler eine bessere Position für neue Vertriebsdeals verschaffen.

luk/dpa-afx

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