Dienstag, 16. Juli 2019

Verheerende JAB-Holding-Bilanz, dunkle Nazi-Vergangenheit von Albert Reimann Schreckensjahr für den Reimann-Clan - und wie es weitergehen soll 

Peter Harf: Der Kopf hinter der Milliardärsholding des deutschen Reimann-Clans hat aktuell eine Menge Baustellen

Es läuft nicht gut für den lange erfolgsverwöhnten Reimann-Clan. Nachdem am Wochenende die dunkle Nazi-Vergangenheit des Firmenpatriarchen Albert Reimann senior und seines Sohnes Albert Reimann junior bekannt wurde, folgten am Montag niederschmetternde Zahlen der Familien-Holding JAB.

Laut der von KPMG testierten Bilanz belaufen sich die Nettoverluste allein im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 883 Millionen Euro. 2017 hingegen hatte JAB noch einen Nettogewinn von 833 Millionen Euro erzielt.

Grund dafür, so die Wirtschaftsprüfer, war in erster Linie der Wertrückgang des Investment-Portfolios von JAB - allen voran der des US-Kosmetikkonzerns Coty. Im Jahresverlauf verlor die Beteiligung mehr als 3,1 Milliarden Euro an Wert. Für die Beteiligung am Konsumgüterhersteller Benckiser, einst das Hauptinvestment des Milliardärsclans, lag das Minus immerhin bei 322 Millionen Euro.

Solide Liquidität trotz massiver Verluste

Auch wenn JAB den Prüfern zufolge trotz der massiven Verluste über eine solide Liquidität verfügt: Für die Holding und die beiden Köpfe dahinter, Peter Harf und Olivier Goudet, könnte das Coty-Debakel zum Problem werden. Und nicht nur, weil ihr eigenes Vermögen in der Holding steckt. Sollte das Kreditrisiko massiv steigen, könnte das Einschränkungen für ihre Gestaltungsfreiheit bedeuten.

Aktuell kämpft das Führungsduo entschlossen dagegen an, dass dieser Fall eintritt: So kündigte Harf - offenbar auch um Investoren gnädig zu stimmen - Anfang 2018 Börsengänge mehrerer firmeneigener Assets an. So will JAB innerhalb weniger Jahre den gesamten Kaffeebereich an die Börse bringen. Auch für Pret Panera, in dem die Restaurantfilialen von JAB gebündelt sind, ist nun offenbar ein IPO geplant. Die jüngsten Berichte, dass es während der NS-Zeit in den Werken und der Privatvilla der Firmen-Patriarchen Albert Reimann sen. und Albert Reimann jun. in Ludwigshafen zu Gewalt und Missbrauch an Zwangsarbeitern gekommen sein soll, dürften jedoch viele Investoren im Vorfeld des geplanten Börsengangs verschrecken.


Lesen Sie auch: Das sind Deutschlands Kaffee-Könige


Beim Parfum- und Kosmetikhersteller Coty, der sich 2016 mit dem Zukauf diverser Pflegeprodukte von Procter & Gamble übernommen hatte und zuletzt in die Verlustzone rutschte, ist Harf indes offenbar entschlossen, das Ruder herumzureißen. Er ist sogar bereit, dafür noch tiefer ins Risiko zu gehen. Mitte Februar kündigte Harf an, JAB wolle den Anteil an Coty von 40 auf bis zu 60 Prozent erhöhen - für etwa 1,75 Milliarden Dollar.

Deutlich kleiner fiel hingegen das letzte Investment des Clans bei der US-amerikanischen Tierklinikkette Compassion First aus. Für die Übernahme, an der sich auch der von familienfremden Investoren gespeiste JAB Consumer Funds beteiligt, will die Familienholding laut der aktuellen Bilanz höchstens 300 Millionen Euro investieren.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung