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Globus-Chef Thomas Bruch Der russlandtreue Handelsmilliardär aus dem Saarland

Er wirkt pazifistisch und ist unter Deutschlands Familienunternehmern eine Ausnahmeerscheinung. Warum Thomas Bruch, der Seniorchef des Handelsgiganten Globus, nicht anders kann und mit seinen Märkten in Russland bleibt.
aus manager magazin 5/2022
Gutbürger in der Kriegsfalle: Thomas Bruch möchte Gutes bewirken, auch in bösen Zeiten.

Gutbürger in der Kriegsfalle: Thomas Bruch möchte Gutes bewirken, auch in bösen Zeiten.

Foto: imago images/Becker&Bredel

Thomas Bruch (72), robust in Grautönen ausgestattet, Jeans, Kapuzenparka, graue Schläfen, ist hin- und hergerissen. Wofür soll er sich entscheiden: Bodenhaftung oder Knöchelschutz, Gefahr laufen auszurutschen oder nasse Füße zu bekommen? Die zwei Paar Schuhe im Gepäck lassen nur zu: entweder ... oder. Das ist gar nicht nach seinem Geschmack, Bruch ist ein Mann der Vorsicht.

Gute zwei Wochen nach unserem Treffen steht er vor einer viel größeren Frage, so grundsätzlich wie existenziell: gehen oder bleiben. Thomas Bruch ist in die Schlagzeilen geraten und muss sich zur Verantwortung ziehen lassen – moralisch, nicht juristisch. Seit Wladimir Putin als oberster Kriegsherr die Ukraine in Schutt und Asche legen lässt, kommt er nicht mehr zur Ruhe. Wiewohl der Sitz seiner Handelsgruppe Globus im saarländischen St. Wendel an die 2500 Kilometer von Moskau entfernt liegt

Der deutsche Vorzeigemittelständler, acht Milliarden Euro Umsatz, 47.000 Mitarbeiter, macht nicht nur gute Geschäfte in Russland. Er ist obendrein Vorsitzender des Kuratoriums des Deutsch-Russischen Forums. Gegründet als Parallelnetzwerk zur amerikaaffinen Atlantik-Brücke, Egon Bahr war da auch mal Mitglied, zwecks Förderung des gegenseitigen Verständnisses.

Wir sind verabredet zum Spaziergang um Wildbad Kreuth, in Jean-Jacques-Rousseau'scher Wanderlaune. Der deklamierte, "ich kann nur beim Gehen denken". Management by walking around eben. Als wir unsere Runde drehen, stehen die 100.000 Soldaten noch vor der Grenze, noch halten die meisten das für eine monströse Drohgebärde. Das gegenseitige Einfühlungsvermögen allerdings ist bereits aufgebraucht. Auch Thomas Bruch ist vor den Kopf gestoßen. Weiß sich aber mit Klaus von Dohnanyi (93; SPD) eins, der Ursprung des "russischen Dramas" liege in den deutschen Vernichtungsfeldzügen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, sowie der Nato-Osterweiterung seit der Wiedervereinigung 1990. Das russische Sicherheitsbedürfnis sei schlichtweg übergangen worden. Bruch liest gern die Kurzgeschichten von Leo Tolstoi und derzeit das Opus des Politikwissenschaftlers Thomas Jäger, "Das Ende des amerikanischen Zeitalters"; er kann dem nur zustimmen.

"Wenn ich mich länger nicht bewegt habe, werde ich kribbelig", sagt Thomas Bruch und fragt versonnen in die knackige Bergluft hinein, "die guten Gedanken, wann kommen sie eigentlich?".

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