Lieferdienst Delivery Hero setzt weiter auf Wachstum

Delivery Hero setzt trotz des jüngsten empfindlichen Rückschlags weiter auf schnelles Wachstum - und nimmt dabei hohen Verluste in Kauf. Der Berliner Lieferdienst ist auch an Gorillas beteiligt – die ihren Firmensitz nach Amsterdam verlegt haben.
Foto: Jens Kalaene / DPA

Wachstum als einzige Chance: Mit der im Januar angekündigten Übernahme des spanischen Konkurrenten Glovo hat die Berliner Lieferdienst-Plattform Delivery Hero ihre Ambitionen auf dem Weltmarkt noch einmal deutlich gemacht: "Was wir tun, ist der einzige Weg, um international eine Chance zu haben gegen die US-amerikanische und asiatische Konkurrenz", sagte Konzernchef Niklas Östberg (42) am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen für das vierte Geschäftsquartal.

Doch der weltweite Führungsanspruch und das damit verbundene Wachstum hat seinen Preis: Allein im vierten Quartal 2021 machte der Konzern einen bereinigten operativen Verlust von knapp 781 Millionen Euro vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das war fast ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die weiterhin hohen Verluste und ein vorsichtiger Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr hatten Anfang Februar dafür gesorgt, dass Delivery Hero binnen weniger Tage knapp die Hälfte seines Börsenwertes verloren hat. Nun droht dem Unternehmen der Abschied aus dem Dax. Doch dem Wachstumskurs will Östberg treu bleiben: Einige Anleger nutzten die Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal zum Wiedereinstieg auf niedrigem Niveau und trieben die Aktie um rund 5 Prozent nach oben.

Die Nachfrage blieb hoch: 775 Millionen Bestellungen verzeichnete Delivery Hero im letzten Geschäftsviertel – fast ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2020. Der Umsatz ohne Berücksichtigung von Gutscheineffekten stieg im Gesamtjahr 2021 konzernweit um 89 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Delivery Hero konzentriert sich nicht mehr auf Restaurant-Lieferungen

Mit Glovo übernimmt Delivery Hero einen Konkurrenten, der ebenfalls weltweit unterwegs, in Deutschland aber kaum bekannt ist. Längst konzentrieren sich die Berliner nicht mehr nur auf Restaurant-Lieferungen, sondern bringen auf Bestellung auch Supermarkt-Produkte nach Hause. In den meisten Regionen sei der Konzern zudem inzwischen auf dem Apothekenmarkt aktiv und liefere rezeptfreie Medikamente, betonte Östberg.

Asien bleibt für den Konzern der wichtigste Markt mit einem Umsatzanteil von fast der Hälfte im vierten Quartal. Auch in Europa bleibt Delivery Hero aktiv, hier aber vor allem in osteuropäischen Ländern.

Von seinem Deutschlandgeschäft hatte sich Delivery Hero im Jahr 2019 getrennt. Für wenige Monate versuchte der Konzern im vergangenen Jahr zwar erneut, mit seiner Marke Foodpanda Fuß zu fassen. Östberg beendete das Experiment im Herbst aber wieder. "Wir haben an anderen Orten bessere Investitionsmöglichkeiten gesehen und uns schnell umentschieden", sagte er am Donnerstag.

Deutschland sei für das Unternehmen vor allem ein Versuchslabor. "Wir probieren in Berlin in kleinem Rahmen Dinge aus, die wir dann international exportieren", sagte Östberg. Hier gehe das Unternehmen Fragen nach, wie etwa die Lieferzeit von zehn auf neun Minuten gedrückt werden könne oder wie Warenlager verkleinert werden und trotzdem mehr Produkte aufnehmen können.

Gorillas verlegt Firmensitz nach Amsterdam

Delivery Hero hält noch eine Beteiligung am Lieferdienst Gorillas. Der Berliner Schnelllieferdienst Gorillas hat seinen Firmensitz nach Amsterdam verlegt. Das geht aus einem Eintrag der niederländischen Handelskammer hervor. Dort wird das 2020 gegründete Unternehmen als Holdinggesellschaft und Firmenchef Kagan Sümer als Direktor geführt. Die "Lebensmittel Zeitung" hatte zuerst über den Schritt berichtet. Gorillas war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Im Oktober war der Essenslieferdienst Delivery Hero bei dem mit rund 2,5 Milliarden Euro bewerteten Unternehmen eingestiegen und hatte für eine Beteiligung von acht Prozent 200 Millionen Euro gezahlt.

sio/dpa/reuters