Crash des Dax-Konzerns Delivery-Hero-Aktie weiter im freien Fall

Die Aktie von Delivery Hero setzt ihren Kurssturz fort. Der Lieferdienst wird an der Börse nun tiefer bewertet als vor Beginn der Corona-Pandemie. Dem Unternehmen droht nun auch der Abschied aus dem Dax.
Ausgebremst: Die Aktie von Delivery Hero setzt am Freitag ihren Kurssturz fort

Ausgebremst: Die Aktie von Delivery Hero setzt am Freitag ihren Kurssturz fort

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Nach dem Ausverkauf am Vortag hat die Aktie von Delivery Hero am Freitag ihren Kursrutsch fortgesetzt. Mehr und mehr Anleger verlieren offenbar das Vertrauen in die Perspektiven des Essenslieferdienstes. Mit einem Minus von zeitweise mehr als 13 Prozent ging es in Richtung der Marke von 40 Euro nach unten. In zwei Handelstagen haben die Titel damit rund 40 Prozent an Wert eingebüßt und die seit Mitte November anhaltende Talfahrt beschleunigt.

Mit einem Börsenwert von nur noch knapp über zehn Milliarden Euro ist Delivery Hero nun an der Börse weniger wert als Ende 2019. Zu den besten Zeiten lag die Marktkapitalisierung bei mehr als 36 Milliarden Euro. Das manager magazin hatte bereits im Juli in einem Report den extrem riskanten Kurs von Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg beschrieben: Über den größten Risikofall im Dax können Sie hier  noch einmal unseren Inside-Report nachlesen.

Schwacher Ausblick sorgt für Ausverkauf

Ein schwacher Ausblick des Unternehmens hatte am Vortag die Anleger ernüchtert. Das Minus von gut 30 Prozent war in der Geschichte des Dax einer der größten prozentualen Tagesverluste einer Aktie. Das aktuelle Börsenumfeld gebe keinen Spielraum für Fehler, schrieb Analyst Manuel Mühl von der DZ Bank. Der Konzern müsse nun unbedingt einen klaren Pfad zur Profitabilität aufzeigen und das Vertrauen am Markt zurückgewinnen.

Ob dies gelingt, ist zweifelhaft. Analyst Adrien de Saint Hilaire von der Bank of America gab sich bereits pessimistisch. Er habe das Vertrauen in die operative Gewinnentwicklung von Delivery Hero verloren, schrieb er. Er verwies zudem auf das sogenannte Quick-Commerce-Geschäft mit in die Höhe schießenden Verlusten.

Etliche Analysten senkten am Freitag ihre Kursziele für die Titel des Dax-Konzerns, liegen damit aber teils immer noch erheblich über dem aktuellen Kurs. Goldman Sachs etwa errechnete ein Kursziel von 130 Euro. Bei Kursen von aktuell gut 40 Euro sind diese Ziele eigentlich klare Kaufempfehlungen, doch dieser Einschätzung mochten sich die Anleger vor dem Wochenende nicht anschließen. Denn die Expansionspläne des Essenslieferdienstes und die damit verbundenen Ausgaben zwingen die Marktbeobachter dazu, ihre Schätzungen kräftig nach unten anzupassen, wie Mühl erläutert. Er sieht den fairen Wert der Papiere nun bei 50 Euro.

Delivery Hero droht im März der Abstieg aus dem Dax

Blickt man nur auf die tatsächlich frei handelbaren Aktien, ergibt sich ein Wert des für die Dax-Mitgliedschaft relevanten Streubesitzes von weniger als sieben Milliarden Euro. Damit droht dem Unternehmen im März auch der Abstieg in den MDax. So könnte Daimler Truck dann via Fast Entry in den deutschen Leitindex aufsteigen.

Der rasante Kurssturz sowie der damit verbundene mögliche Abschied aus dem Dax lockt zudem Shortseller an, die auf weitere Kursverluste wetten und davon profitieren wollen. Dies könnte die Aktie kurzfristig weiter unter Druck setzen.

Daimler Truck könnte Delivery Hero im Dax ersetzen

Bereits beim Aufstieg von Delivery Hero in die erste deutsche Börsenliga im Sommer 2020, als das Unternehmen den Zahlungsabwickler Wirecard ersetzt hatte, kritisierten viele Experten den Schritt. Der Grund: Der Lieferkonzern hatte noch nie seit der Gründung 2022 im laufenden Geschäft einen Gewinn erzielt. Auf Basis der aktuellen Regeln der Deutschen Börse würde Delivery Hero gar nicht mehr in den Dax aufsteigen können. Denn dafür muss ein Kandidat zwei Jahre infolge einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielt haben.

la/dpa-afx