Kursfeuerwerk Delivery Hero nähert sich der Gewinnschwelle

Die Strategieänderung hin zur Profitabilität von Niklas Östberg zahlt sich offenbar früher aus als gedacht. Bereits im vierten Quartal soll das Kerngeschäft operativ einen Gewinn einfahren. Anleger reagieren begeistert, die Aktie springt um ein Fünftel in die Höhe.
Erleichtert: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg hat sich stärker auf die Profitabilität konzentriert

Erleichtert: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg hat sich stärker auf die Profitabilität konzentriert

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Delivery Hero / dpa

Der Essenslieferdienst Delivery Hero kommt in seinem Kerngeschäft früher in die Gewinnzone als gedacht – allerdings auf Kosten eines gebremsten Wachstums. Bereits im Mai und im Juni habe das Geschäft mit Essenslieferungen aus Restaurants an der operativen Gewinnschwelle (Ebitda) gekratzt, teilte das Unternehmen am Freitag in Berlin mit. Das hatte Delivery Hero eigentlich erst für das zweite Halbjahr angekündigt.

Trotz der Verluste des in diesem Jahr übernommenen spanischen Konkurrenten Glovo erwartet Delivery Hero, dass das Restaurant-Liefergeschäft nun im vierten Quartal mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 40 und 120 (bisher 0 bis 100) Millionen Euro auf jeden Fall in der Gewinnzone landet. Aus den roten Zahlen werde das Kerngeschäft schon im Sommer herauskommen.

An der Börse haben die Nachrichten eine Kursrallye ausgelöst. Die zuletzt stark gebeutelte Aktie  schoss um mehr als 20 Prozent nach oben auf fast 50 Euro und führte damit die Gewinnerliste im MDax an. Die Papiere erreichten den höchsten Stand seit Anfang März und setzten damit die leichte Erholung der vergangenen Wochen dynamisch fort. Vor einem Jahr hatten die Anteilsscheine allerdings auch noch knapp 130 Euro gekostet.

Weniger Verlust, weniger Erlöse

Für das laufende Jahr soll nun nur noch einen Fehlbetrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten (bereinigtes Ebitda) von 0,9 bis 1,0 Prozent des Bruttowarenwerts verbucht werden, teilte das im MDax notierte Unternehmen weiter mit. Bislang war der Konzern von minus einem bis minus 1,2 Prozent ausgegangen. Der Essenslieferdienst sieht ein verbessertes Wettbewerbsumfeld in den vergangenen Monaten.

Allerdings dürften sowohl Bruttowarenvolumen (GMV) als auch Erlös niedriger ausfallen als bislang vorhergesehen. Das Management geht nur noch von einem Gesamtumsatz der Segmente von 9,0 bis 9,5 Milliarden Euro aus, nach zuvor prognostizierten 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro. Auch das Bruttowarenvolumen dürfte mit 41 bis 43 Milliarden Euro niedriger ausfallen als zunächst mit 44 bis 45 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Rein rechnerisch dürfte sich für das laufende Jahr nun ein operativer Verlust von 369 bis 430 Millionen Euro ansammeln. Das wäre deutlich weniger als bisher angenommen, allerdings auch noch ein großes Stück von dem von Anlegern und Analysten langersehnten Erreichen der Profitabilitätsschwelle entfernt.

Nicht in dieser Prognose enthalten ist der spanische Zukauf Glovo, für den Delivery Hero zudem einen niedrigeren Verlust erwartet als zunächst geplant. Hier dürfte der operative Fehlbetrag mit 300 Millionen Euro nun gut 9 Prozent niedriger ausfallen, während das Bruttowarenvolumen verglichen mit dem Vorjahr weniger stark wachsen dürfte.

Wachstum schwächt sich im zweiten Quartal ab

Anfang April hatte Konzernchef Niklas Östberg mitgeteilt, von nun an vermehrt auf Profitabilität anstelle auf "Wachstum um jeden Preis" zu setzen. Damals stellte er eine konzernweite Profitabilität für 2023 in Aussicht – inklusive Glovo.

Das geht allerdings auf Kosten des Wachstums wie im zweiten Quartal ersichtlich wurde. So stieg der Bruttowarenwert – auch wegen der Lockerung der Corona-Lockdowns – zwar um 18 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro, das waren aber 200 Millionen weniger als der von Delivery Hero ermittelte Durchschnitt der Prognosen. Die Marge verbesserte sich auf minus 1,4 (Vorjahr: minus 2,4) Prozent und war damit besser als die Analysten erwartet hatten.

mg/Reuters, dpa-afx
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