Trotz starken Wachstums Delivery Hero rutscht tiefer in die roten Zahlen

Delivery Heros Umsätze wachsen rasant - doch noch schneller wachsen die Verluste. Der Konzern peilt für dieses Jahr bis zu 6,7 Milliarden Euro Umsatz an. Der Verlust im ersten Halbjahr hat sich auf 918 Millionen Euro etwa verdoppelt.
Wachstum um jeden Preis: Delivery Hero expandiert kräftig - das kostet Geld

Wachstum um jeden Preis: Delivery Hero expandiert kräftig - das kostet Geld

Foto: Max Threlfall / Delivery Hero

Der Essenslieferdienst Delivery Hero muss für sein starkes Wachstum und die Expansion tief in die Taschen greifen. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich der Fehlbetrag nahezu auf 918 Millionen Euro, wie der in Berlin ansässige Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Das größere Minus ist vor allem auf höhere Investitionen in den sechs Monaten zurückführen - in den Aufbau von Mini-Lagern, um neben Restaurantessen auch Lebensmittel auszuliefern, die Einstellung neuer Fahrer und mehr Marketing, um Neukunden zu gewinnen, aber auch Restaurants an Bord zu holen. Im gesamten vergangenen Jahr machte Delivery Hero einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro.

Hohe Investitionen in Infrastruktur, die Eroberung neuer Märkte und die Beteiligung an Wettbewerbern kosten viel Geld und sorgen dafür, dass Delivery Hero weiterhin hohe Verluste schreibt, sogar höhere als erwartet. Der Konzern will nach Informationen von manager magazin nun auch beim Konkurrenten Gorillas einsteigen . Delivery Hero bleibt mit seinem aggressiven Wachstumskurs der größte Risikofall unter Deutschlands Großkonzernen. 

Die Aktie gab am Donnerstag in einem negativen Marktumfeld nach. Das weltweit tätige Unternehmen konzentriert sich wie viele Firmen beim Ausblick auf das Betriebsergebnis (Ebitda). Hier weitete sich der bereinigte Verlust von Januar bis Juni um knapp zehn Prozent auf fast 351 Millionen Euro aus. Die am Bruttowarenwert (GMV) gemessene Betriebsergebnis-Marge (Ebitda-Marge) lag bei minus 2,6 Prozent, sie soll sich im Gesamtjahr aber auf minus zwei Prozent verbessern. Offen lässt Delivery Hero, wann gemessen am bereinigten Betriebsgewinn schwarze Zahlen geschrieben werden sollen. Von Januar bis Juni kletterte der Umsatz um 138 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro.

Lange hat sich Delivery Hero vor allem auf Asien und den Nahen Osten konzentriert, wo auch ein Großteil der in der Corona-Krise gestiegenen Erlöse erwirtschaftet wird. Allerdings wollte Firmenchef Niklas Östberg das Feld in Deutschland dauerhaft doch nicht dem Lieferando-Eigner und Branchenprimus Just Eat Takeaway.com sowie den expansionshungrigen und gut finanzierten Startups wie Gorillas, Flink und Getir überlassen, die teils mit Lieferungen in weniger als zehn Minuten um zahlungskräftige Kunden buhlen. Seit wenigen Wochen ist Delivery Hero mit seiner Marke Foodpanda nun wieder in Berlin unterwegs, will weitere Städte im Herbst erobern und liefert neben Restaurantessen auch Lebensmittel aus.

Angesichts des jüngsten Wachstums traut sich Delivery Hero mehr zu. Mitte August hob das Unternehmen seinen Ausblick bei der Vorstellung des Quartalsberichts, bei dem noch keine Gewinnzahlen veröffentlicht wurden, an und stellt nun für dieses Jahr Erlöse von 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro (bisher 6,1 bis 6,6 Mrd Euro) in Aussicht - nach 2,8 Milliarden Euro 2020.

mg/Reuters