Cyber Monday und Black Friday Wie Amazon und Co. Milliardenumsätze mit erfundenen Feiertagen generieren

Umsatzbringer: Der Black Friday wird auch in Deutschland immer relevanter für Handel und Verbraucher

Umsatzbringer: Der Black Friday wird auch in Deutschland immer relevanter für Handel und Verbraucher

Foto: Aaron Chown/ dpa

Weihnachten mag für viele Händler immer noch die umsatzstärkste Zeit des Jahres sein. Aber vor allem der Online-Handel ist immer erfinderischer geworden, wenn es um die Einführung neuer Shopping-Feiertage geht. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen bei streng reglementierten Winter- und Sommerschlussverkäufen an Wühltischen in Warenhäuser erbittert um Schnäppchen gekämpft wurde.

Heutige Umsatztreiber sind Tage wie der Cyber Monday, der Black Friday, aber auch der aus China kommende Single's Day - und wenn der Schlussverkauf noch zu weit weg, aber das Lager voll ist, wird auch zum "Midseason Sale" oder zu "Abräumtagen" gerufen. Wenn ein solcher künstlicher Feiertag performt, wird aus einem Tag gerne wenigstens ein 30-Stunden-Event - oder gleich eine ganze Woche.

Und das Geld sitzt locker: Im Schnitt 472 Euro, knapp sieben Euro mehr als im Vorjahr, will jeder deutsche Kunde laut Handelsverband HDE in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Onlinehändler nehmen im November und Dezember ein Viertel ihres Jahresumsatzes ein, der Handel insgesamt ein Fünftel. Am Weihnachtsgeschäft in Deutschland haben die Aktionstage nach amerikanischem und chinesischem Vorbild natürlich erheblichen Anteil, weil sie so günstig ein paar Wochen vor dem Fest liegen.

Woher die Shopping-Feiertage kommen, was sie Verbrauchern und Unternehmen bringen und worauf man achten sollte, sehen Sie in unserer Übersicht.

Cyber Monday und Black Friday: Die US-Importe

Wer hat's erfunden?

Der Black Friday, der schwarze Freitag, liegt immer einen Tag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving, in diesem Jahr also am 23. November. In den USA ist der vierte Freitag im November ein Brückentag, den viele Verbraucher gern für Weihnachtseinkäufe nutzen. Seit den 1930er Jahren ist das so. Warum der Black Friday so heißt, ist allerdings nicht eindeutig; belegt ist der Begriff erst seit den 1960er Jahren. Es gibt mehrere Theorien: Entweder, weil die Einkaufsstraßen schwarz vor Menschen seien - oder auch, weil die Händler an diesem Tag sicher schwarze Zahlen schreiben können.

Zum Cyber Montag (dieses Jahr am 26. November) hin, den der Online-Handel vor 15 Jahren ins Leben rief, gibt es einen Countdown: Kunden können bei Amazon schon in dieser Woche bis zum Freitag, 18. November, täglich mehrere Tagesangebote shoppen. Ab dem 19. November bietet Amazon täglich spezielle Angebote im Fünf-Minuten-Takt, von sechs bis 20.15 Uhr.

Wo shoppen?

Viele Läden in den USA öffnen am Black Friday bereits in den frühen Morgenstunden und locken mit Rabattaktionen und Sonderangeboten. In Deutschland fokussiert sich das Black-Friday-Geschäft vor allem auf den Online-Handel, auch wenn sich einige stationäre Ketten vor allem im Technik-Bereich anschließen. Amazon heizt den Hype kräftig an und setzt Kunden auch zeitlich unter Druck: "Vom 19. bis 26. November 2018 findet hier die Cyber-Monday-Woche statt. Sichern Sie sich bereits heute großartige Angebote in unserem Countdown - täglich ab 6 Uhr neue Angebote im 5-Minuten-Takt. Greifen Sie schnell zu, denn Angebote gelten höchstens solange wie angegeben bzw. solange der Vorrat reicht - und der kann blitzschnell vergriffen sein." Neue Angebote werden ein paar Stunden vorher angekündigt.

Verbraucherschützer kritisieren, dass die Rabatte künstlich aufgebläht werden - weil oft mit den unverbindlichen Verkaufspreisen der Hersteller verglichen wird, die ohnehin kaum ein Händler verlangt. Bevor man auf ein scheinbar fantastisches Angebot klickt, sollte man, so die Empfehlung, mindestens zwei verschiedene Preisvergleichsportale bemühen. Besonders aufpassen sollten Verbraucher bei allzu verlockenden Preisen, denn auch Betrüger machen sich die Kaufrausch-Stimmung Ende November gern zunutze - auf keinen Fall sollte man über Vorkasse bezahlen, sondern über die sichere Amazon-Kasse auschecken. Bei unbekannten Shops im Internet sollte man auf Gütesiegel wie "Trusted Shop" oder TÜV-Siegel achten. Aber das sollte man natürlich immer - nur sind im Umfeld der großen Shopping-Feiertage vermehrt Betrüger mit Angeboten unterwegs, die zu gut klingen, um wahr sein zu können.

Was bringt es?

Mit einem weltweiten Umsatz von 6,59 Milliarden US-Dollar (rund 5,73 Milliarden Euro) galt der Cyber Monday übrigens 2017 als Rekordtag des vergangenen Jahres im Online-Handel. Nach einer Studie, die Ebay und das Kölner Handelsforschungsinstitut ECC gemeinsam betrieben, ändern die aus den USA importierten Shopping-Feiertage auch das deutsche Einkaufsverhalten: Viele Umsätze verlagern sich von der ersten Dezemberhälfte auf Ende November. In Deutschland setzte sich der Black Friday ab etwa 2007 durch, der Cyber Monday zwei Jahre später.

Singles' Day: Der Umsatzstärkste

Das größte Online-Shopping-Event der Welt: Der Singles' Day

Das größte Online-Shopping-Event der Welt: Der Singles' Day

Foto: AP

Wer hat's erfunden?

Der Singles' Day ist ursprünglich eine Erfindung verschiedener chinesischer Hochschulen in Nanjing Anfang der 1990er Jahre. Er war ursprünglich den vielen Junggesellen gewidmet, die es als Folge von Chinas damaliger rigider Ein-Kind-Politik schwer hatten, eine Partnerin zu finden - denn weibliche Föten wurden oft abgetrieben, wenn eine Familie nur ein Kind bekommen durfte.

Das Datum 11. November steht dabei für alleinstehende Menschen, weil das Datum aus vier Einsen besteht. Mittlerweile ist der Tag aber bei beiden Geschlechtern beliebt, auch für Single-Parties; seine Bedeutung hat sich allerdings vor allem ins Kommerzielle verschoben, seit Jack Ma, Gründer der gigantischen Handelsplattform Alibaba, den Tag auserkor, seinen Kunden hohe Rabatte zu gewähren.

Wo shoppen?

Hauptumsatzträger ist natürlich der chinesische Onlinehandel, allen voran die Handelsplattform Alibaba, die kurzerhand auch die auf den 11. November folgenden Tage zur "Super Week" deklariert und mit satten Rabatten wirbt. Aber auch deutschsprachige Portale machen mittlerweile mit - ganz vorn dabei Media Markt (diesjähriges Singles'-Day-Motto: "Wir lassen euch nicht allein") und Konzernschwester Saturn, Otto, Lidl und Douglas, Ebay, aber auch Spezialisten wie der deutsche Lampen- und Leuchtenhändler Lampenwelt.de. In Deutschland kann man auf chinesische Angebote über die Seite Aliexpress zugreifen, sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, dass man hier europäische Verbraucherschutzstandards erwarten kann.

Was bringt es?

In diesem Jahr setzte allein der chinesische Internet-Handelsgigant Alibaba bereits in den ersten beiden Minuten des 11. November Waren im Wert von mehr als 1,27 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Black Friday und Cyber Monday erzielten zusammen in Deutschland 2017 1,7 Milliarden Euro (und zwar an beiden Tagen zusammen, nicht in zwei Minuten). Im Laufe von zehn Jahren ist die Zahl der beteiligten Händler bei Alibaba von 27 auf 180.000 angewachsen; neun Zehntel der Kunden bestellen über das Smartphone.

Ebay konstatiert, dass zwar 72 Prozent seiner Onlinemarktplatzhändler den Singles' Day noch gar nicht kennen, allerdings 58 Prozent derjenigen, die ihn kennen, schon einmal Rabatte und Aktionen angeboten haben oder das planen. Viele sind aber auch skeptisch: 40 Prozent glauben einer Erhebung von Ebay zufolge sogar, dass die zunehmende Anzahl an Aktionstagen und Rabatten das sonstige Geschäft nachteilig beeinflusse und sich der Gesamtumsatz dadurch nicht erhöhen ließe. Mehr als die Hälfte der Befragten ordere daher auch keine spezielle Sales-Ware für den Singles' Day.

Amazon Prime Day: Der Jeff-Bezos-Gedenktag

Amazon schreibt sich seine Shopping-Feiertage selbst in den Kalender - und die Verbraucher machen gerne mit.

Amazon schreibt sich seine Shopping-Feiertage selbst in den Kalender - und die Verbraucher machen gerne mit.

Foto: Patrick Semansky/ AP

Wer hat's erfunden?

Na wer wohl - wenn es nicht genug Konsum-Anlässe gibt, erfindet man eben selbst welche. Amazon macht es vor: 2015 erfand der Handelsriese anlässlich seines 20. Jubiläums am 11. Juli den "Amazon Prime Day" mit speziellen Angeboten für seine mittlerweile weltweit mehr als 100 Millionen Kunden des Premiumservices Amazon Prime, der für eine jährliche oder monatliche Gebühr schnellen Versand und Streamingdienste bietet. 2017 war der Prime Day sogar 36 Stunden lang, beginnend am Mittag des 16. Juli; zuvor war der Prime Day immer auf den zweiten Dienstag im Juli gefallen, für 2019 ist das Datum noch nicht bekannt gegeben, durch eine geleakte Anzeige soll laut Business Insider  aber der 16. Juli (ein Dienstag) unabsichtlich bekannt geworden sein. Andere Quellen rechnen mit dem 11. oder 18. Juli.

Wo shoppen?

Nun ja, der Name des Shopping-Feiertags legt schon eine gewisse Vermutung nahe, wem er besonders am Herzen liegt und wo es Angebote geben könnte. Bei Verbraucherschützern ist der Amazon Prime Day nicht sonderlich beliebt, weil er die Kunden so unter Druck setzt - die Angebote wechseln häufig, ohne Prime-Mitgliedschaft läuft ohnehin nichts.

Irreführend sei, so etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass die Rabattangaben auch der Prime-Day-Angebote sich an den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller orientieren, die viel höher sind als die Durchschnittspreise im Handel. Mehr als 40 Prozent der rabattierten Angebote sollen allerdings Amazon zufolge von externen Unternehmen stammen, die Amazon als Handelsplattform nutzen. Allerdings gab es auch hier immer wieder Kritik - denn manche kleineren Händler fühlten sich vom Amazon-eigenen Sortiment erdrückt und hatten zum Teil sogar Umsatzrückgänge zu verkraften.

Was bringt es?

2017 meldete Amazon gegenüber dem Prime Day des Vorjahres einen Umsatzzuwachs von mehr als 50 Prozent. Laut Amazon übertraf der Prime Day 2018 noch einmal den Vorjahreswert und war sogar umsatzstärker als Black Friday und Cyber Monday. Mehr als 100 Millionen Artikel wurden verkauft. Besonders beliebt: Das Lockangebot "Amazon Music Unlimited" mit 50 Millionen Liedern für 99 Cent für vier Monate.

Der Anti-Shopping-Tag: Buy Nothing Day (Kauf-nix-Tag)

Wurde auch schon in Südkorea gefeiert: Der Buy Nothing Day

Wurde auch schon in Südkorea gefeiert: Der Buy Nothing Day

Foto: © Yun Suk Bong / Reuters

Wer hat's erfunden?

Der kanadische Künstler Ted Dave, und zwar schon 1992 - übrigens in Vancouver, der Stadt, in der auch Greenpeace gegründet wurde. Die Idee, ausgerechnet am Black Friday, dem Höhepunkt des Konsumrausches (dieses Jahr am 23. November), einfach mal bewusst gar nichts zu kaufen, entfaltete einen gewissen Charme und sorgte für mediale Verbreitung - unter anderem dank der Adbusters Media Foundation, die mit ihrem Magazin Adbusters als intellektuelle Vorhut der Konsumkritik gilt. "Spend a day without spending" ist das Motto der Aktion, die sich als Beitrag zum Ausweg aus der "Shopocalypse" sieht. In Europa wird er am Samstag begangen, also in diesem Jahr am 24. November.

Wo shoppen?

Nirgendwo. Und lassen Sie, wenn Sie es ernst meinen, an diesem Tag auch den Rechner aus, um nicht online von Werbebannern in Versuchung geführt zu werden. Wenn Sie es gar nicht aushalten, können Sie natürlich in diversen Online-Shops fündig werden, die den Tag für die Geschäftsidee nutzen, T-Shirts mit dem Aufdruck "Buy nothing today" an den Mann und die Frau zu bringen. Muss ja nicht jeder Wegweiser in die Richtung rennen, die er anzeigt.

Was bringt es?

Ein Innehalten im Konsumrausch - denn die meisten Läden und Onlineshops verkaufen in ohnehin volle Schränke. In Deutschland ist der Tag als "Kauf-nix-Tag" weithin unbekannt, aber wird dennoch jedes Jahr ebenso optimistisch wie beharrlich von Portalen wie Utopia.de  ausgerufen. Am Kauf-nix-Tag nichts zu kaufen, um sich dann am nächsten Tag wieder ins Konsumgetümmel zu stürzen, ist natürlich relativ sinnlos; aber es kann eine interessante Erfahrung sein, sich einmal bewusst zu machen, wie selbstverständlich man jeden Tag irgendetwas kauft. Organsationen wie Greenpeace nutzen den Tag regelmäßig zu konsumkritischen Aktionen, zeigen auf, wie viel unnütz gekauft wird und was Alternativen sein können: Kleidung tauschen, Dinge reparieren.