Samstag, 20. April 2019

BGH-Urteil bewegt Aktie von CTS Eventim Servicegebühr bei Online-Tickets rechtswidrig

Gebühren für Online-Tickets zum Selbstausdrucken sind unzulässig, urteilte das BGH am Donnerstag.

Der Konzertverantstalter CTS Eventim darf keine Gebühren für elektronische Tickets zum Selbstausdrucken verlangen. Die Servicegebühr von 2,50 Euro, die der größte deutsche Eintrittskarten-Verkäufer bislang für elektronisch zugesendete Tickets verlangt hat, ist unzulässig, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag.

Wie viele andere Ticket-Vermarkter verlangt Eventim Börsen-Chart zeigen eine Gebühr, auch wenn der Kunde sein Konzert- oder Fußball-Ticket sich nicht zusenden lässt, sondern am heimischen Computer ausdruckt. Die Verbraucherzentrale NRW hatte dagegen geklagt und sich bereits vor dem Landgericht Bremen und dem Hanseatischen Oberlandesgericht durchgesetzt. Eine Revision gegen das Urteil von CTS Eventim wies der BGH zurück.

Kunden können die Gebühr jedoch wegen der Verjährung wohl nur dann zurückfordern, wenn sie das Ticket vor nicht mehr als drei Jahren gekauft haben. Wolfgang Schuldzinski, der Vorstand der Verbraucherzentralen forderte CTS Eventim auf, von sich aus die zu Unrecht erhobenen Gebühren zurückzuerstatten. Ein Sprecher von CTS Eventim sagte, man werde die Gebühr zunächst nicht mehr verlangen. Sobald die Begründung des BGH vorliege, werde Eventim die nötigen Anpassungen vornehmen. "Wir prüfen auch, ob die Gebühr künftig in verringerter Höhe beibehalten werden kann." Nach Angaben von Eventim drucken weniger als zehn Prozent der Kunden in Deutschland ihr Ticket am eigenen Computer aus.

Aktie erholte sich am Freitagmorgen wieder

Eventim erwirtschaftet in Deutschland etwa die Hälfte seiner Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Nach dem Urteil ging die Eventim-Aktie zunächst um bis zu 10 Prozent herunter und erreichte mit 34,36 Euro den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren. Am Freitagmorgen erholte sich die Aktie allerdings wieder und machte ihren Rückschlag vom Donnerstag mit plus 9,5 Prozent wieder wett.

Die rückwirkende Belastung in Höhe von fast 3,8 Millionen Euro dürfte von CTS als Sonderbelastung verbucht werden. Sie liege bei etwa 3 Prozent des Nettoergebnisses, rechnet Analyst Volker Bosse von der Baader Bank in einem aktuellen Kommentar vor. Mit einer künftig niedrigeren Ticket-Gebühr könne CTS die Belastung wohl auch teilweise kompensieren.

Der Tickethändler hatte am Donnerstag auch seine Halbjahreszahlen bekanntgegeben. Dank eines boomenden Geschäfts mit großen Konzerten und Tourneen sowie Übernahmen war das Unternehmen stärker gewachsen als erwartet. Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten des Jahres um fast ein Viertel auf 606,6 Millionen Euro. Das Wachstum fiel damit deutlich höher aus, als Experten erwartet hatten. Der Anstieg beim operativen Ergebnis enttäuschte dagegen etwas. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 12,5 Prozent auf 94,1 Millionen Euro zu. Hier hatten Analysten auf etwas mehr gehofft.

reuters/dpa

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