Dienstag, 2. Juni 2020

Shopify im Höhenrausch - E-Commerce auf Corona-Speed Shopify-Gründer Tobi Lütke gibt Kunden Überlebenshilfe

Shopify-Gründer Tobias Lütke: Die Corona-Krise lässt die Aktie der E-Commerce-Plattformin die Höhe springen

"We're with you" - in übergroßen Buchstaben prangt die Nachricht wie ein Mantra auf der Internetseite der E-Commerce-Plattform Shopify. Ein Versuch, den Tausenden kleinen und größeren Händlern, die angesichts der Corona-Krise derzeit um ihr Geschäft bangen, Zuversicht zu vermitteln.

"We're with you" könnte aktuell aber auch als Motto der Anleger durchgehen: Schließlich hat die Aktie des Amazon-Konkurrenten allein seit Anfang April um mehr als 82 Prozent zugelegt - und damit deutlich mehr als Amazon (25 Prozent), Ebay (29 Prozent) oder der gesamte S&P (12 Prozent) im selben Zeitraum. Zuvor waren im Zuge der Corona-Krise die Kurse zunächst weltweit abgetaucht.

Shopify, 2004 von dem gebürtigen Koblenzer Tobias Lütke gegründet, ist seit Jahren eines der am meisten gehypten Unternehmen im E-Commerce-Sektor. Dabei verkauft das Unternehmen mit mittlerweile 5000 Beschäftigten selbst gar keine Ware, sondern hilft Händlern, dies möglichst erfolgreich zu tun. Und zwar, indem es ihnen die nötige Shopsoftware samt Bezahlsystem, Design, Buchführung, Hardware, Produktversand sowie Marketingtools zur Verfügung stellt. Seit neuestem sind sogar auch Kreditangebote hinzugekommen.

Shopify bereits mehr wert als BMW, Daimler und Lufthansa zusammen

Und das mit durchschlagendem Erfolg: Mehr als eine Million Händler nutzen das Angebot des Unternehmens aus Ottawa bereits. Von Unternehmen wie Lindt über Red Bull bis hin zu Budweiser und Tesla Börsen-Chart zeigen . Das Gros der Kunden sind aber noch immer Mittelständler, kleine Unternehmen, teils auch stationäre Händler, Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe, die ihre Produkte von Schuhen über Taschen bis hin zu Musikinstrumenten über das Netz verkaufen.

"Jeder, der im Netz ist, hat Shopify schon mal benutzt", verkündete Lütke schon vor einigen Jahren stolz. "Er weiß es nur nicht."

Eine Erfolgsgeschichte, die bei den Anlegern großen Anklang findet. Der Marktwert des 2006 gegründeten Unternehmens, das seit 2015 an der Börse gehandelt wird, liegt aktuell bei bald 74 Milliarden Dollar (umgerechnet etwas mehr als 68 Milliarden Euro) und damit höher als der von BMW, Daimler und der Lufthansa zusammengenommen.

Ein Börsenwert, der CEO Tobi Lütke - oder Tobi Lutke, wie ihn die US-Amerikaner und Kanadier schreiben - mit zuletzt 5,4 Milliarden Dollar Platz 680 auf der Forbes-Reichstenliste bescherte. Der 39-Jährige hält über seine Holding 7910240 Canada Inc. etwa 7 Prozent an Shopify.

Dabei hat Shopify, über dessen Plattform im abgelaufenen Jahr Waren im Wert von mehr als 61 Milliarden Dollar gehandelt wurden, noch nie wirklich Geld verdient hat. Alleine im vergangenen Jahr belief sich das Minus auf knapp 125 Millionen Dollar. Die Einnahmen lagen bei 1,578 Milliarden Dollar - rund einem 46stel der Marktkapitalisierung. Das sei eine geradezu "lächerlich hohe Bewertung", so der Shortseller Andrew Left von Citron Research. Auch wenn Shopify eine großartige Handelsplattform unterhalte.

Die sieht sich mit Corona nun allerdings einer enormen Herausforderung - und womöglich auch Chance - gegenüber. Denn zum einen ziehen angesichts geschlossener Läden scharenweise immer neue Händler und auch Kunden ins Internet - auch solche, die lange mit der Einrichtung eines Onlineshops oder dem Einkaufen im Netz lange gefremdelt haben.

Überlebenstipps für kleinere Betriebe

"Die echte Welt ist heruntergefahren. Jetzt müssen alle Unternehmen digital sein", fasst es Lütke auf Twitter zusammen. Was die Zugriffszahlen zuletzt auf neue Höhen trieb. Shopify sehe sich aktuell täglich mit Traffic konfrontiert, wie man ihn sonst nur am Shopping-Tag Black Friday sehe, verkündete kürzlich der CTO von Shopify, Jean-Michel Lemieux.

Doch so massiv es ist - es ist ein auch fragiles Wachstum. Denn auch wenn Shopify zuletzt die Zahl seiner Großkunden deutlich gesteigert hat - die Masse machen immer noch Kleinbetriebe, von denen die Krise aktuell viele bedroht.

Damit möglichst viele überleben und so auch langfristig Abos und Umsatz generieren können, hat Shopify ein ganzes Bündel an Hilfsmaßnahmen gestartet, die sich am Ende für das Unternehmen rechnen sollen.

So können Kunden die Shop-Software der Kanadier aktuell 90 Tage kostenlos testen, haben bis Oktober kostenfreien Zugriff auf dessen neues E-Mail-Marktingstool und können sich sogar über die Plattform für einen Kredit bewerben.

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