Containerriese steckt fest So wichtig ist der Suezkanal für die Weltwirtschaft

Eines der größten Containerschiffe der Welt steckt im Suezkanal fest - ausgerechnet dort: 10 Prozent des Welthandels passieren diese Wasserstraße - einen unglücklicheren Ort für einen solchen Unfall gibt es kaum.
Welthandel blockiert: Die "Ever Given" steckt im Suezkanal fest

Welthandel blockiert: Die "Ever Given" steckt im Suezkanal fest

Foto: - / AFP

Einen ungünstigeren Ort für eine solche Panne hätte sich der Containerriese "Ever Given" der asiatischen Evergreen-Reederei kaum aussuchen können: Seit Dienstagmorgen steckt das 400 Meter lange und 59 Meter breite Riesenfrachtschiff - eines der größten der Welt - im Suezkanal fest, etwa sechs Kilometer nördlich der Stadt Suez, wo es in nördlicher Richtung aus China kommend nach Rotterdam unterwegs war.

Die genaue Ursache des Unfalls ist bislang nicht bekannt. Zu lesen ist von einem möglichen Stromausfall an Bord sowie von plötzlich aufgekommenem Wind, der die "Ever Given" vom schmalen Weg abgebracht haben könnte.

Reuters

Fest steht dagegen, an welch einem neuralgischen Punkt das Schiff nun festsitzt und ein Durchkommen anderer Schiffe damit gegenwärtig unmöglich macht. Der knapp 200 Kilometer lange Suezkanal ist im globalen Schiffsverkehr die wichtigste Abkürzung. Es kostet zwar umgerechnet etwa 250.000 Euro, mit dem Schiff durch die Wasserstraße zu fahren. Für viele Reedereien ist das jedoch eine lohnenswerte Ausgabe, denn sie ersparen sich auf dem Weg von oder nach Asien den weiten Weg um das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika. Nach Angaben der Suez Canal Authority verkürzt sich die Fahrt je nach Start- und Zielpunkt dank Suezkanal für die Frachtschifffahrt um 23 bis 88 Prozent, was entsprechende Einsparungen an Zeit- und Betriebskosten für die Schiffe mit sich bringt.

Das nutzen die Reedereien aus aller Welt ausgiebig aus: Etwa 10 Prozent des Welthandels gehen heute durch den Suezkanal, der 2015 noch einmal ausgebaut wurde. Das erklärt auch die langen Schiffsstaus in beide Richtungen, die aufgrund des "Ever Given"-Unfalls zur Stunde bereits im Suezkanal, im Mittelmeer sowie im Roten Meer entstanden sind. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete von mehr als 100 Schiffen, die bereits darauf warten, den Kanal passieren zu können.

Täglich 49 Schiffe im Kanal unterwegs

Nach Angaben der Suez Canal Authority fuhren im vergangenen Jahr fast 19.000 Schiffe mit insgesamt mehr als einer Milliarde Tonnen Fracht durch den Kanal. Den bislang verkehrsreichsten Tag in ihrer 150-jährigen Geschichte erlebte die Wasserstraße Anfang Februar 2019, als sie binnen 24 Stunden von insgesamt 75 großen Schiffen mit einer Gesamttonnage von 5,8 Millionen Tonnen passiert wurde. 40 Frachter mit zusammen 2,7 Millionen Tonnen fuhren seinerzeit in Richtung Norden, 35 Frachter mit 3,1 Millionen Tonnen waren gen Süden unterwegs.

Im Durchschnitt fuhren 2015, als der neue Suezkanal gebaut wurde, laut Suez Canal Authority täglich 49 Schiffe durch den Kanal. Diese Zahl wollen die Betreiber bis 2023 - auch Mithilfe des erfolgten Ausbaus - auf bis zu 97 steigern. Die Chancen darauf dürften gut stehen: Experten rechnen mit einer raschen Erholung der Weltwirtschaft nach der Corona-Krise, in vielen Ländern zeichnet sich dieses Comeback bereits ab. Entsprechend dürfte der Welthandel künftig zulegen.

Dass auch der Suezkanal davon profitiert, erscheint unumgänglich: Angaben der Kanalbehörde zufolge können 62 Prozent aller weltweit fahrenden Tanker, 92 Prozent aller Massengutfrachter und 100 Prozent aller Containerschiffe den Kanal befahren. Zudem ist eine Passage für so ziemlich alle weiteren Schiffstypen, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, möglich.

Nicht zuletzt ist der Kanal auch eine wichtige Einnahmequelle für den ägyptischen Staat: 2015 flossen jährlich rund 5,4 Milliarden Dollar aus dem Kanalbetrieb an den Fiskus. Bis 2023 will Ägypten diese Summe auf mehr als 13 Milliarden Dollar steigern. Etwa eine Million Jobs hängen am Suezkanal, so die Suez Canal Authority.

Kein Wunder also, dass vor Ort unter Hochdruck daran gearbeitet wird, die "Ever Given" wieder freizubekommen. Schlepper und Baggerfahrzeuge bemühen sich, den Frachter aus seiner festgefahrenen Lage zu befreien. Mit dem Schiffstracker von "Vesselfinder" kann man die Bergungsversuche live im Internet verfolgen . Zuletzt zeigte sich dort: Das Schiff steht nach wie vor quer. Letzten Meldungen zufolge könnte es jedoch bald wieder frei sein und seine Fahrt fortsetzen.

cr
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