Celesio-Übernahme Haniels Notverkauf

Mit dem Celesio-Deal hat der Mehrheitseigentümer Haniel gut Kasse gemacht. Doch die Familie um Franz Markus Haniel hatte kaum eine andere Wahl. Zu groß sind die Probleme.
Franz Markus Haniel, Familienoberhaupt des Haniel-Clans: Verkauf in höchster Not

Franz Markus Haniel, Familienoberhaupt des Haniel-Clans: Verkauf in höchster Not

Foto: Haniel

Hamburg - Es ist erst ein paar Jahre her, da hatte der damalige Haniel-Chef Jürgen Kluge eine Idee: Warum nicht die Beteiligung am Pharmahändler Celesio verkaufen? Mit dem Geld könnte man einen Teil der Schulden der Familienholding tilgen und gleichzeitig vielleicht das eine oder andere neue Geschäft erwerben.

Damals lehnte die Duisburger Sippe Kluges Gedankenspiele ab. Die Familie wollte weiter über einen 30 Milliarden Euro Umsatz schweren Konzern gebieten und nicht zu einem Family Office herabsinken. Die Traditionsadresse auf eine Restgröße mit konsolidiert vier Milliarden Euro Umsatz zu schrumpfen, dafür war man damals schlicht zu stolz.

Heute hat der Clan den Ernst der Lage erkannt. Mit dem Verkauf von Celesio an den US-Pharmahändler McKesson - übrigens nahezu zum selben Preis, den Kluge damals erzielt hätte - gewinnt Haniel dringend notwendigen Spielraum zurück. Der heutige Chef Stephan Gemkow kann mit den zwei Milliarden Euro Erlösen aus dem Deal einen Teil der Schulden tilgen, die seit der Aufstockung des Anteils am Händler Metro auf Haniel lasten. Und gleichzeitig hat er die Möglichkeit, sofern ihn die Familie denn lässt, zumindest einige 100 Millionen Euro in den Kauf neuer Unternehmen stecken.

Hilflose Sanierungsversuche

Gemkow und Celesio-Chefin Marion Helmes ist es gelungen, einen guten Preis zu erzielen. Doch der Verkauf von Celesio ist der Not geschuldet. Der Pharmahändler wurde in den letzten Jahren heruntergewirtschaftet, die Sanierungsversuche wirkten hilflos, Preiskämpfe auf dem deutschen Markt kamen dazu. So blieb nur noch der Ausstieg.

Damit hat Haniel ein Problem gelöst, ist aber immer noch weit von einem tragfähigen Zukunftskonzept entfernt. Die Hauptbeteiligung Metro (Cash&Carry-Märkte, Kaufhof, Real, Media/Saturn) verdient viel zu wenig Geld, um damit die Haniel-Schulden zu bedienen. Die restlichen Beteiligungen wie der Spezialversender Takkt sind zu klein, um das Manko auszugleichen. Weitere Verkäufe werden also folgen; der Kaufhof wäre schon veräußert, wenn sich denn ein potenter Bieter gefunden hätte.

Gleichzeitig hat Haniel-Chef Gemkow bisher offen gelassen, wohin er die Familie unternehmerisch führen will. Eine Strategie ist nicht erkennbar, die Frage, ob Haniel wieder eine starke Rolle in der deutschen Wirtschaft spielen kann, unbeantwortet. Einen Hinweis darauf wird die Familie demnächst selbst geben, wenn es um ihre Dividende geht. Besteht sie nach dem Celesio-Verkauf auf einer ordentlichen Ausschüttung anstatt zu investieren, wird der Deal später als der Anfang vom Ende eines einstmals großen Firmenreichs gewertet werden.

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