Kurssprung um 17 Prozent Ceconomy und Familie Kellerhals beenden Media-Saturn-Streit

Seit Jahren streitet sich die Familie des verstorbenen Media-Markt-Mitgründers Erich Kellerhals mit dem Elektronikhändler Ceconomy über die Richtung bei Media-Saturn. Nun haben sich die Parteien geeinigt. Die Aktie legt einen zweistelligen Kurssprung hin - auch wegen guter Jahreszahlen.
Trotz Corona gefragt: Ceconomy startete in das neue Geschäftsjahr mit Zuwächsen

Trotz Corona gefragt: Ceconomy startete in das neue Geschäftsjahr mit Zuwächsen

Foto: Marius Becker/ dpa

Nach jahrelangem Zwist hat sich der Elektronikhändler Ceconomy mit der Familie Kellerhals über deren Anteil an der Media-Saturn-Holding geeinigt. Ceconomy werde die von der Familienholding Convergenta gehaltene Beteiligung von 21,62 Prozent übernehmen, teilte Ceconomy am Montagabend in Düsseldorf mit. Im Gegenzug erhält Convergenta bis zu 29,99 Prozent an dem Elektronikhändler und wird dessen größter Aktionär. Die beiden wichtigsten Geschäfte von Ceconomy sind die beiden Elektronikketten Media Markt und Saturn.

Die Aktien schnellten um fast 17 Prozent nach oben und steuerten damit auf ihren größten Tagesgewinn seit Juni zu. In den Augen von Analyst Volker Bosse von der Baader Bank ist es eine hervorragende Nachricht, dass sich Ceconomy mit der Familie Kellerhals geeinigt hat. Dies bedeute eine deutliche Vereinfachung der Konzernstruktur, bringe operative Vorteile und Einsparungen bei den Verwaltungskosten. Seinen Berechnungen nach wird sich dies schon im ersten Geschäftsjahr nach dem Abschluss direkt positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken.

Das Verhältnis zwischen Ceconomy und dem inzwischen verstorbenen Media-Markt-Mitgründer Erich Kellerhals war immer wieder durch Streitigkeiten um die Vorherrschaft und die Richtung bei Media-Saturn geprägt. Diese reichen in die Zeit weit vor der Abspaltung von Ceconomy durch den Handelskonzern Metro im Jahr 2017 zurück und wurden teilweise vor Gericht ausgetragen. "Mit dieser Einigung haben wir die Zeit vergangener Konflikte hinter uns gelassen und eine gute Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden", kommentierte Ceconomy-Chef Bernd Düttmann (61).

Mit der Neuorganisation der Gesellschafterstruktur will Ceconomy die komplizierte Struktur des Konzerns vereinfachen. Media Markt-Saturn werde eine 100-prozentige Tochter von Ceconomy. Ceconomy erhofft sich dadurch eine geringere Komplexität und eine Verbesserung der Prozesse. Die Transaktion werde insbesondere steuerliche Verlustvorträge von Ceconomy, die sich auf jeweils rund 1,2 Milliarden Euro Körperschaft- und Gewerbesteuer belaufen, nutzbar machen, teilte das Unternehmen mit.

Finanzierung durch Ausgabe neuer Aktien

Ceconomy will die Transaktion über eine Mischung aus neu zu begebenden Stammaktien und Wandelanleihen sowie einem begrenzten Betrag an Barmitteln finanzieren. So sollen 125,8 Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Diese werden im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung des Grundkapitals um rund 321,6 Millionen Euro unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre geschaffen.

Zudem gibt Ceconomy neue Wandelschuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von 151 Millionen Euro aus. Diese haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind anfänglich wandelbar in bis zu rund 27,9 Millionen Stammaktien. Die Barkomponente beträgt 130 Millionen Euro und sei zahlbar in zwei Tranchen. Das Volumen der Transaktion liegt auf Basis des Durchschnittskurses der Ceconomy-Aktie der vergangenen drei Monate bei insgesamt etwa 815 Millionen Euro.

Vor Ausübung des Wandlungsrechts werde Convergenta mit rund 25,9 Prozent an Ceconomy beteiligt. Die Holding strebe dabei einen Anteil von bis zu 29,99 Prozent an. Convergenta hat sich dabei den Angaben zufolge verpflichtet, bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Vollzug der Sachkapitalerhöhung, längstens aber bis zum 31. Dezember 2021, keine weiteren Aktien zu erwerben "oder sonstige Maßnahmen vorzunehmen", die zu einer Erlangung der Kontrolle und damit einem Pflichtangebot führen würden.

Familie Kellerhals will in den Aufsichtsrat

Der Vollzug der Transaktion soll frühestens Ende März 2021 erfolgen. Die Hauptversammlung muss dem Deal noch zustimmen. Sie ist für den 17. Februar angesetzt. Die derzeitigen Hauptanteilseigner hätten einzeln gegenüber dem Vorstand bereits ihre Zustimmung zu der Transaktion signalisiert. Zu den Großaktionären gehörten zuletzt die Familie Haniel mit fast 23 Prozent, die Meridian-Stiftung der Metro-Mitgründer Schmidt-Ruthenbeck (14,2 Prozent), die Beisheim Holding mit 6,6 Prozent sowie der Telekommunikationskonzern Freenet (9,1 Prozent).

Jürgen Kellerhals sprach von "konstruktiven Gesprächen". Convergenta freue sich, Ankeraktionär des Unternehmens zu werden. "Wir streben an, mittelfristig über eine Beteiligung im Aufsichtsrat die Transformation des Unternehmens zu fördern und seine nachhaltige Entwicklung zu begleiten", erklärte er.

Gewinn um knapp 50 Prozent eingebrochen

Kurz nach der Mitteilung über die Einigung mit der Familie Kellerhals legte Ceconomy auch seine Bilanz und einen Ausblick vor. So verbuchte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende September) wegen der umfangreichen Ladenschließungen im Zuge der Pandemie währungs- und portfoliobereinigt einen leichten Umsatzrückgang von 1,8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) brach indes auf 236 (403) Millionen Euro ein. Unter dem Strich und nach Minderheiten schrieb die Holding einen Verlust von 237 Millionen Euro.

In das neue Geschäftsjahr startete Ceconomy mit Zuwächsen: Die Umsatzdynamik sei im Oktober und November - trotz vereinzelter Lockdown-Maßnahmen in verschiedenen Ländern - "ungebrochen gut" gewesen und habe sich gegenüber dem vierten Quartal 2019/20 sogar beschleunigt. Für das Gesamtjahr erwartet Ceconomy nun ein bereinigtes Ebit zwischen 320 und 370 Millionen Euro, der währungs- und portfoliobereinigte Umsatz soll leicht zulegen. Allerdings hängt das Erreichen der Ziele vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab, schränkte Ceconomy ein.

Kfw-Kredit bisher nicht in Anspruch genommen

Mittelfristig will Ceconomy bis 2022/23 die Erlöse auf über 22 Milliarden Euro steigern. Das Onlinegeschäft soll dabei weiter ausgebaut werden und einen Umsatzanteil in Richtung 30 Prozent erreichen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der E-Commerce-Anteil gut 20 Prozent betragen. Dabei hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, "die größte Omnichannel-Plattform Europas zu bauen".

Den Kfw-Kredit will Ceconomy als Versicherung zunächst behalten. Für die Dauer sei keine Dividendenzahlung zulässig, erläuterte das Unternehmen. Bislang hat Ceconomy die Kreditlinie nicht in Anspruch genommen.

Interims-Chef Düttmann und MediaMarktSaturn-Chef Ferran Reverter hatten in der Krise den Umbau der Ketten in Angriff genommen. Sie hatten Online- und Filialgeschäft besser verzahnt, die zuvor komplexe Logistik der Ketten auf neue Beine gestellt, die Organisationsstruktur vereinheitlicht und Stellen abgebaut. In der Corona-Krise brummte das Onlinegeschäft der Ketten, auch die Nachfrage nach Technik für das Arbeiten im heimischen Büro in der Krise half. 

mg/dpa-afx, Reuters