Dienstag, 23. Juli 2019

Freenet-Chef Vilanek zieht in Aufsichtsrat ein Europas größter Elektronikhändler jetzt offiziell Sanierungsfall

Saturn: Mehr Schatten als Licht gerade.

Europas größter Elektronikhändler Ceconomy (Media-Markt, Saturn) startet seine Sanierung. Dazu werden Teilverkäufe geprüft. Ziel des Sparprogramms sei es, die Prozesse, Strukturen und Geschäftsaktivitäten der Gruppe zu straffen und Kosten zu senken, teilte Deutschlands größter Elektronikhändler am Montagabend in Düsseldorf mit. Der Entscheidung waren wochenlange, zum Teil hitzige Diskussionen im Top-Management vorausgegangen, über die manager magazin exklusiv berichtet hatte.

Dem Vernehmen nach soll eine "mittlere dreistellige Zahl" Stellen in dem Unternehmen wegfallen. Auch das Management wird nicht verschont und soll schlanker werden: Die Ceconomy-Spitze werde verkleinert und ab 1. Juni statt aus drei nur noch aus zwei Vorständen bestehen.

Die Optimierung und Umstrukturierung konzentriere sich insbesondere auf Zentral- und Verwaltungseinheiten in Deutschland, hieß es in einer Börsenmitteilung weiter. Das Programm umfasse auch die Überprüfung der Geschäftsaktivitäten von kleineren Unternehmen im Portfolio, hieß es weiter.

Mit dem "Kosten- und Effizienzprogramm" sollen die "Grundlagen für profitables Wachstum" geschaffen werden. Ceconomy beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben gut 27.000 Mitarbeiter einschließlich der Märkte. Weltweit belaufe sich die Beschäftigtenzahl auf gut 60.000.


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Die erwarteten Einsparungen des Programms bezifferte Ceconomy auf 110 Millionen bis 130 Millionen Euro jährlich. Diese sollen den Angaben zufolge bereits mehrheitlich ab dem Geschäftsjahr 2019/20 wirksam werden. Doch zunächst fallen Kosten an. Im Geschäftsjahr 2018/19 dürften Aufwendungen von insgesamt rund 150 bis 170 Millionen Euro zu stemmen sein. Darüber hinaus ergeben sich Wertminderungen von Vermögenswerten von rund 20 Millionen Euro. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2018/19 bleibe von den Maßnahmen unberührt, hieß es.

Auch der Ceconomy-Vorstand wird nochmals umgebaut, wie aus einer weiteren Mitteilung hervorgeht. Dieter Haag Molkenteller, bislang im Vorstand für Recht, Compliance und Risikomanagement verantwortlich, verlasse das Gremium zum 31. Mai. Der Vorstand bestehe damit ab dem 1. Juni aus Jörn Werner (CEO) und Karin Sonnenmoser (Finanzen).

Aus dem Aufsichtsrat scheide Peter Küpfer auf eigenen Wunsch zum 30. April aus. Nominierungsausschuss und Aufsichtsrat hätten sich für Christoph Vilanek, Chef der Freenet AG, als Nachfolger ausgesprochen. Vor wenigen Wochen hatte Vilanek im Interview mit dem manager magazin Klartext gesprochen, deutliche Kritik an Media-Saturn-Chef Ferran Reverter geübt und wesentlich mehr operative Mitsprache durch den Ceconomy-CEO gefordert.

2018 gab es bereits einen abrupten Managementwechsel auf der ersten und zweiten Führungsebene - unter anderem mit den Abgängen von Konzernchef Pieter Haas und Finanzvorstand Mark Frese, die nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr das Unternehmen verlassen mussten. Dies kostete Ceconomy bereits mehrere Millionen Euro.

dpa-afx, soc

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