Krise bei Elektronikhändler Ceconomy trennt sich von weiterem Finanzchef

Einbrechende Konsumlaune, Inflation und weitere Probleme machen dem Elektronikhändler zu schaffen. Die Investoren fliehen, die Aktie stürzt ab. Nach dem Ceconomy-CFO geht nun auch der Finanzchef von Media Markt Saturn Deutschland.
"Kampf gegen den perfekten Sturm": Elektronikkette Media Markt Saturn

"Kampf gegen den perfekten Sturm": Elektronikkette Media Markt Saturn

Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image

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In der Abschiedsmail an seine Kollegen beteuerte Florian Wieser (40) vor einigen Tagen, er wolle sich beruflich neu orientieren. Anderen Gerüchten, über die "hier und da spekuliert wird", solle man keinen Glauben schenken, so der scheidende Finanzchef des Elektronikhändlers Ceconomy. Die Entscheidung, den Mutterkonzern von Media-Markt und Saturn zu verlassen sei ihm extrem schwergefallen, elf Jahre sei das Unternehmen "mein berufliches Zuhause" gewesen, schrieb er.

Ende Juli war Wieser noch durch ein anderes Schreiben aufgefallen: eine Gewinnwarnung, die es derart in sich hatte, dass sein Abgang unvermeidlich erschien . Nun wird er seinen Posten zum Jahresende räumen – und er ist nicht der einzige, der den Konzern verlässt.

Nach Recherchen des manager magazins wird auch der Finanzchef von Media Markt Saturn Deutschland, Daniel Bossert, das Unternehmen verlassen. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage. "Daniel Bossert hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, Media Markt Saturn zu verlassen und sich beruflich neu zu orientieren", erklärte ein Sprecher. Nachfolger soll Christophe Michel werden, der seit 2019 Finanzchef von Media Markt Iberia – "einer der erfolgreichsten Landesgesellschaften" – ist und davor für die Metro AG unter anderem in Deutschland tätig war. Mit der internen Besetzung solle ein nahtloser Übergang an der Spitze der Finanzorganisation von Media Markt Saturn Deutschland ermöglicht werden.

Wieser hingegen bekommt einen externen Nachfolger. Kai-Ulrich Deissner (53), derzeit noch als CFO für den Vorstandsbereich Technologie und Innovation bei der Deutschen Telekom AG, wird voraussichtlich im Februar 2023 bei Ceconomy anfangen.

Über wenig Arbeit dürften sich die neuen Finanzer nicht beklagen. Ceconomy muss das verlorene Vertrauen der Investoren am Kapitalmarkt wieder gewinnen. Die Aktie befindet sich im Sinkflug. Seit Beginn des Jahres hat das Papier mehr als zwei Drittel seines Werts verloren, der Konzern wird nur noch mit gut 540 Millionen Euro bewertet. Das Analysehaus Warburg Research hatte das Kursziel für Ceconomy am Mittwoch von 4,00 auf 1,60 Euro gesenkt, am Donnerstag ging die Aktie mit 1,12 Euro aus dem Handel.

Nicht besser sieht es bei den Anleihen des Unternehmens aus. Der Kurs der noch bis Juni 2026 laufenden Papiere steht bei nicht mal mehr 58 Prozent, Mitte April lag der Wert noch über 90 Prozent, vergangene Woche noch über 72 Prozent. Ein massiver Vertrauensverlust.

Der Elektronikhändler unter der Führung von Karsten Wildberger (53) ist bereits durch die Lockdowns und die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den mehr als 1000 Media-Markt- und Saturn-Filialen in Europa angeschlagen. Offiziell erwartet das Unternehmen im gerade noch laufenden Geschäftsjahr rund 30 bis 90 Millionen Euro weniger operativen Gewinn (Ebit) bei etwa konstantem Vorjahresumsatz (21,4 Milliarden Euro).

Analysten rechnen mit weiteren Einbrüchen. Grund für kritische Einschätzung ist die derzeit stark einbrechende Konsumlaune der Deutschen und die steigenden Preise, schreibt Warburg-Analyst Thilo Kleibauer in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Vor allem im wichtigen ersten Geschäftsquartal bei Ceconomy, das Weihnachten umfasst, werde das zum Problem.

Angesichts der steigenden Energiepreise und der hohen Inflation schränken sich bereits 60 Prozent der Verbraucher beim Einkaufen ein, wie eine neue Studie des Branchenverbandes HDE zeigt. Für die kommenden Monate richten sich demnach sogar 76 Prozent der Befragten darauf ein, sparsamer einzukaufen. Ceconomy dürfte das mit seinen Elektronikartikeln voll treffen.

Ceconomy will gesenkte Ziele erreichen

Schwächere Nachfrage, die Inflationsentwicklung und stark steigende Energiekosten würden das Geschäft vor allem in den Regionen Deutschland, Österreich und die Schweiz beeinträchtigen, hatte das Unternehmen bereits im dritten Quartal erklärt. Das Management werde daher den Fokus darauf richten, die Kosten zu senken.

An den korrigierten Zielen aus dem Sommer hält man noch immer fest. "Wir erleben derzeit eine beispiellose Wirtschaftskrise, und der Handel ist davon besonders betroffen", erklärt das Unternehmen. Das aktuelle Kursniveau entspreche "in keiner Weise der Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens". Als europäischer Marktführer setze man derzeit alles daran, diese unsicheren Zeiten zu meistern und die gesetzten Ziele dennoch zu erreichen.

Um die Ziele zu erreichen, optimiere das Unternehmen aktuell seine Kostenstrukturen. "Dabei kommen wir gut voran", heißt es.

Die Analysten der Baader Bank hatten die Bemühungen schon im Sommer als "Kampf gegen einen perfekten Sturm" bezeichnet. Die Ingredienzien, die sie damals auflisteten: Inflation, Lieferkettenprobleme, steigende Kosten, steigender Dollarkurs, die Folgen des Ukraine-Kriegs, Energieknappheit und ein mögliches Comeback der Pandemie im Herbst. Etliche dieser Risiken sind seit dem Sommer nicht gerade kleiner geworden. Die neuen Finanzchefs werden viel zu tun haben.

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