Dienstag, 12. November 2019

Zentralisierungsschmerzen bei Media Markt Mangelnder Durchblick in Ingolstadt

Die Baustellen von Ceconomy: Was die MediaSaturn-Mutter ändern muss
DPA

Er war gedacht, um Klarheit zu schaffen. Um sicherzustellen, dass auf der IFA alles glatt geht. Und dass keine Missverständnisse die Einkaufslaune und womöglich noch das für Media-Saturn so wichtige Weihnachtsgeschäft vermiesen. Letztlich dürfte der Brief, den führende deutsche Media-Saturn Manager kurz vor Beginn der Elektronikmesse am Freitag an rund 100 Industrievertreter aussandten, nicht nur im Stil, sondern auch in der Sache bei den Herstellern für einige Verwunderung gesorgt haben. Und er lässt tief blicken, tiefer als dem Unternehmen, das sich aktuell mitten im Umbau befindet, womöglich recht sein dürfte.

Der Elektronikhändler Media-Saturn versucht seit Monaten wieder auf Kurs zu kommen. Im Vorstand der börsennotierten Muttergesellschaft Ceconomy tobt ein Machtkampf. Zugleich steigt, vor allem durch Amazon, der Druck auf die mehr als 800 Media-Märkte und 170 Saturn-Märkte im Konzern. Der steigenden Konkurrenz will Media-Saturn unter anderem mit verstärkter Zentralisierung von Preisen und Sortimenten, Jobabbau, besserer Datenalanlyse und der Vermietung von Flächen an externe Hersteller begegnen. Bislang allerdings nur mit eingeschränktem Erfolg, wie der Brief zeigt, der manager- magazin.de vorliegt.

"Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, wie Sie wissen, befindet sich Media Markt und Saturn Deutschland in einem großen Veränderungsprozess", gehen die unterzeichnenden Manager gleich in medias res. Man habe in vielen Gesprächen das Feedback erhalten, "dass unsere Märkte nichts mehr einkaufen dürfen. Die Gründe hierfür wären die Zentralisierung, eine Übernahme dieser Tätigkeit durch den Einkauf und Lagervorgaben aus Ingolstadt. Diese Informationen sind schlichtweg F A L S C H", heißt es da.

Die Märkte dürften durchaus einkaufen, stellen die deutschen Media-Saturn-Manager klar. Allerdings mit "Augenmaß" - und natürlich nicht Waren von bereits zentralisierten Bereichen - die den Herstellern in der Folge sicherheitshalber nochmal genannt werden. Ach ja: Und man hätte gerne unmittelbar nach der IFA "eine Information über das Bestellvolumen der Märkte".

Besonders Letzteres lässt tief blicken. Deutet die Aufforderung doch darauf hin, "dass die noch immer kein adäquates Controlling haben, wenn sie von uns wissen wollen, was die Märkte bestellt haben", hieß es am Mittwoch bei Industrievertretern.

Bei Media-Saturn setzt man darauf, dass sich das bald ändern wird. "Die Automatisierung ist noch nicht soweit fortgeschritten, so dass wir noch auf die Unterstützung unserer Partner angewiesen sind, um die Warenverfügbarkeit für unsere Kunden zum Weihnachtsgeschäft sicherzustellen", erläuterte ein Unternehmenssprecher die Situation. "Aber wir arbeiten daran."

Ein Problem, das offenbar auch andere Händler haben. Nur, die sind nicht börsennotiert.

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