Musikindustrie wächst Musikfans kaufen digital – und wieder vermehrt Vinyl

Der deutsche Musikmarkt ist im ersten Halbjahr gewachsen - vor allem digital. Doch physische Tonträger finden nach wie vor ihre Käufer. Die Vinyl-Platte feiert Branchenvertretern zufolge sogar ein "Comeback".
Wachsendes Geschäft: US-Star Beyoncé brachte vor wenigen Wochen ein neues Album auf den Markt

Wachsendes Geschäft: US-Star Beyoncé brachte vor wenigen Wochen ein neues Album auf den Markt

Foto: ANGELA WEISS / AFP

Die Musikindustrie in Deutschland hat im ersten Halbjahr 967 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, teilt der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Donnerstag mit . BVMI-Chef Florian Drücke spricht von einem "stabilen Wachstum". In dem außergewöhnlich gut verlaufenen Jahr 2021 hatte die Branche auf Jahressicht die Erlöse um 10 Prozent steigern können.

Dabei kaufen Musikfans in Deutschland immer stärker digital ein: Das Geschäft mit Audio-Streaming erreichte den Angaben zufolge nach Zuwächsen von 9,1 Prozent einen Anteil von 73,3 Prozent am Gesamtumsatz des ersten Halbjahres. Das heißt: 80,2 Prozent der Erlöse aus Musikverkäufen erwirtschaftet die Branche mittlerweile digital, wobei Downloads nach einem erneuten Umsatzrückgang lediglich noch 2,4 Prozent zum Gesamtmarkt beitragen.

Ganz vergessen haben die Musikfans die CD und die Vinylplatte indes nicht – im Gegenteil spricht der Verband gar von einem "Comeback der Schallplatte" im Markt für physische Tonträger. Der Umsatz mit der Vinyl-Platte kletterte um 12,3 Prozent. Mit einem Marktanteil von 6,2 Prozent bleibt sie drittstärkstes Marktsegment.

"Das physische Geschäft ist längst nicht tot"

Frank Briegmann, Europa- und Deutschland-Chef des Musikkonzerns Universal Music

Anfang Juni prophezeite Frank Briegmann, Europa- und Deutschland-Chef des Musikkonzerns Universal Music, der klassischen Schallplatte ein veritables Comeback. Vier von zehn Euro, die das Unternehmen in Deutschland zuletzt mit physischen Tonträgern umgesetzt habe, stammen aus Verkäufen von Vinyl-Platten. "Das physische Geschäft ist längst nicht tot", sagte der Manager im Interview mit dem "Focus" .

Die Menschen wollten "noch immer etwas zum Anfassen". Allein die Pop-Gruppe Abba hat seinen Angaben zufolge von der letzten Platte 2,3 Millionen physische Tonträger verkauft. Zuletzt hätte Universal Music sogar wieder Kassetten produziert, "weil die Fans das so wollten."

Laut BVMI ging der Umsatz mit der CD um weitere 6,5 Prozent zurück, ihr Marktanteil lag bei 12,8 Prozent. Insgesamt erzielten physische Tonträger im ersten Halbjahr noch rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes, führt der Verband weiter aus. Der BVMI Verband vertritt die Interessen von rund 200 Tonträgerherstellern und Unternehmen, die mehr als 80 Prozent des deutschen Musikmarkts repräsentieren.

rei
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