Donnerstag, 23. Mai 2019

Neuer Lebensmittelriese Wie zwei alte Männer mit "Kraft Heinz" Nestlé angreifen

Warren Buffett: Der US-Millardär und der brasilianische Bier-Krösus Jorge Paulo Lemann schmieden mit der Fusion von Heinz und Kraft den fünftgrößten Nahrungsmittelkonzern der Welt

Paukenschlag in der Lebensmittelindustrie: Der Ketchup-Hersteller Heinz und Kraft Foods wollen sich zum drittgrößten Nahrungsmittel- und Getränkekonzern Nordamerikas zusammenschließen. Das neue Unternehmen soll "The Kraft Heinz Company" heißen und mit einem Umsatz von rund 28 Milliarden US-Dollar der drittgrößte Nahrungsmittel- und Getränkekonzern in Nordamerika und die Nummer fünf weltweit werden. Der neue Konzern wird den Angaben zufolge acht Marken haben, die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz erzielen.

Das Sagen im fusionierten Unternehmen Kraft Heinz Co. werden die Heinz-Aktionäre haben: Sie erhalten 51 Prozent der Anteile. Die Kraft-Aktionäre werden mit 49 Prozent beteiligt. An der Spitze des Konzerns soll Heinz-Chef Bernardo Hees stehen.

Hinter der Fusion stehen zwei der gewieftesten und erfahrensten Investoren der Lebenmittelindustrie: Der 84-jährige Starinvestor Warren Buffet und der 75-jährige brasilianische Bierpate und heimliche AB InBev-Lenker Jorge Paulo Lemann.

Beide - Lemann über den Finanzinvestor 3G und Buffet über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway - hatten Heinz 2013 für 23,2 Milliarden Dollar gekauft und auf Spur gebracht.

Kraft, von dem sich 2012 die Snack/Süßigkeitensparte (Mondelez) abgespalten hat, verdient sein Geld vor allem mit Fertigprodukten, Fleisch und Käse. Zum Portfolio gehören Marken wie Velveeta-Käse oder Oscar-Mayer-Fleischprodukte. Allerdings tat sich der zuletzt mit rund 36 Milliarden Dollar bewertete Lebensmittelkonzern zuletzt schwer damit, den Umsatz anzukurbeln.

Internationale Expansion als Ziel - Angriff auf Nestlé

Das Ziel der Fusion ist klar: "Die Transaktion ebnet den Weg für eine internationale Expansion", sagte Buffett dem Fernsehsender CNBC. Zudem rechnen 3G und Berkshire mit Kosteneinsparungen von rund 1,5 Milliarden Dollar.

Die neue Kraft-Heinz-Company ist allerdings nur ein Teil des Lebensmittelimperiums der beiden Männer. Erst im Oktober 2010 hatte 3G für rund 4 Milliarden Dollar die Fastfood-Kette Burger King geschluckt und auf Linie gebracht. Später verkündete der Burgerbrater ein Zusammengehen mit der der kanadischen Donut-Kette Tim Hortons und kündigte an, seinen Hauptsitz aus Steuerersparnisgründen nach Kanada verlegen zu wollen.

Zudem steht Lemann, den die Zeitschrift Forbes auf 25,1 Milliarden Dollar taxiert, hinter dem stetig wachsenden Getränkeriesen AB Inbev, zu dem in Deutschland Marken wie Löwenbräu, Gilde oder Franziskaner-Weißbier oder Beck's gehören. Wenn es darum geht, Unternehmen auf Rendite zu trimmen, macht Lemann und Co. kaum jemand etwas vor.

Der an Burger King beteiligte Aktivisten-Investor Bill Ackman jedenfalls lässt nichts auf das neue Management kommen. Kraft-Konkurrenten wie Nestlé oder Danone werden sich auf neue, harte Konkurrenz einstellen müssen.

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