Aufruf von Verdi Amazon-Mitarbeiter streiken am "Black Friday"

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon heute und morgen zu Streiks aufgerufen. Sie fordert bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Aufstand beim Versandriesen: Im Juli folgten Mitarbeiter von Amazon in Leipzig einem Streikaufruf der Gewerkschaft

Aufstand beim Versandriesen: Im Juli folgten Mitarbeiter von Amazon in Leipzig einem Streikaufruf der Gewerkschaft

Foto: Tobias Junghannß / dpa

Mitten im anlaufenden Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte des Online-Versandriesen Amazon in Niedersachsen zu einem zweitägigen Ausstand aufgerufen. Der Streik sollte demnach in Winsen an der Luhe am Donnerstag beginnen, später sollte Achim bei Bremen hinzukommen. Damit wird auch an dem für Amazon so wichtigen Rabatttag "Black Friday" gestreikt. Das Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben aber keine Auswirkungen auf die Kunden.

Auch Aktionäre beeindruckte die Ankündigung nicht. Die Amazon-Aktie  notierte am Donnerstagmorgen leicht im Plus.

Mehrfach hatte Verdi Aktionen an deutschen Standorten des US-Konzerns gestartet. Dabei geht es um die Arbeitsbedingungen und um die Frage, welcher Branchentarifvertrag gelten soll. Die Gewerkschaft verlangt eine Bezahlung nach den Tarifen des Einzel- und Versandhandels. Amazon sah sich dagegen in den vergangenen Jahren als Logistiker.

Gewerkschafter: Gehälter oft unter Tarif

Das Unternehmen verwies am Donnerstag darauf, dass Mitarbeiter in der Logistik im September eine Gehaltserhöhung bekommen hätten. Der umgerechnete Einstiegslohn einschließlich Boni liege bei mindestens 13 Euro brutto je Stunde. Aus Sicht der Gewerkschafter liegt das Gesamtgehaltsniveau aber oft unter jenem in "vergleichbaren tarifgebundenen Unternehmen".

Amazon steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter immer wieder in der Kritik. Gerade zeigte eine groß angelegte Recherche von Correctiv , wie Ausbeutung, Druck, Kontrolle und extremer Belastung offenbar zum Geschäftsmodell gehören. Unregelmäßige Schichten, zu lange Lenkzeiten und unkomfortable Schlafplätze sind demnach Alltag für Lkw-Fahrer, die für Subunternehmen von Amazon arbeiten und hunderte Millionen Pakete pro Jahr ausliefern.

Auch viele Lieferdienste wie Hellofresh, Flink und Gorillas werden mit Vorwürfen konfrontiert, auf dem Rücken von Billigarbeitskräften Kasse zu machen. Doch inzwischen formiert sich auch hier Widerstand in der Belegschaft, der die Aufsteiger unter Druck setzt. 

Rezessionssorgen treffen Amazon-Beschäftigte

Anfang November hatte Amazon ein Logistikzentrum in Helmstedt eingeweiht. In dem dritten großen niedersächsischen Standort dieser Art soll eine dreistellige Millionensumme investiert worden sein. Die örtliche Belegschaft will der Konzern vergrößern.

Der Onlinehandel boomt und erhielt in der Corona-Zeit weiteren Schub – oft zum Leidwesen vieler stationärer und kleinerer Einzelhändler. Konzernweit bekommt mittlerweile aber auch Amazon das eingetrübte Klima infolge der Inflation und der Rezessionsrisiken zu spüren.

Im Rahmen eines großen Sparprogramms entlässt der Versandriese momentan rund 10.000 Mitarbeiter, vor allem in der defizitären Geräte-Sparte rund um den Echo-Smartlautsprecher und das Sprachassistenzprogramm Alexa. Vergangene Woche hatte Amazon-Chef Andy Jassy (54) verlauten lassen, wohl auch 2023 Jobs streichen zu müssen.

dri/dpa
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