Konsumboom trotz Inflation Rekordumsätze an Black Friday und Cyber Monday

An den Aktionstagen Black Friday und Cyber Monday klingelten nach monatelanger Konsumflaute die Kassen der Händler. Doch eine Expertin warnt: Umso düsterer wird wohl die Zeit nach Weihnachten.
Aktionstage: Black Friday und Cyber Monday sind eine amerikanische Tradition, die sich seit 2013 auch in Deutschland verbreitet hat

Aktionstage: Black Friday und Cyber Monday sind eine amerikanische Tradition, die sich seit 2013 auch in Deutschland verbreitet hat

Foto: ADAM VAUGHAN / EPA

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Überfüllte Gänge, rote Preisschilder, vergriffene Ware. Die vorweihnachtlichen Aktionstage an Black Friday und Cyber Monday haben die Konsumlaune massiv nach oben getrieben. In diesem Jahr sogar auf Rekordniveau: Ein Umsatzzuwachs von rund einer Milliarde Euro auf 5,7 Milliarden Euro prognostiziert der Handelsverband (HDE) Deutschland. Das ist ein Plus in Höhe von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei sind bereits 2022 die Ausgaben an den beiden Tagen um 21 Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro gestiegen. Somit haben sich die Aktionsausgaben seit 2019 fast verdoppelt. Und das trotz der Konsumflaute in den vergangenen Monaten.

Laut einer HDE-Umfrage im Vorfeld haben mehr als die Hälfte aller Teilnehmer angegeben, den Black Friday zu nutzen und knapp ein Drittel den Cyber Monday. Zum Vergleich: 2016 waren es beim Black Friday noch 16 Prozent und beim Cyber Monday 13 Prozent. Knapp die Hälfte der Ausgaben sollte in diesem Jahr für Weihnachtseinkäufe genutzt werden. Das ist ein Zuwachs von mehr als 40 Prozent gegenüber 2021. Die Aktion ist eine amerikanische Tradition, die sich seit 2013 auch in Deutschland verbreitet hat.

Volle Lager

Für die Händler kam die Konsumkehrtwende gerade recht: "Die Lager sind in einigen Branchen voll", sagt Andrea Gröppel-Klein, Professorin vom Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes. In Zeiten der Inflation liegt fern von Black Friday die Konsumlaune im Keller. Deshalb seien die Angebote umso attraktiver, da die Händler einen großen Anreiz hatten, ihre vollen Lager zu entleeren. Dies ist ein Grund für den Konsumrausch gewesen.

Vor allem in der Textilbranche: Im ersten Corona-Jahr 2020 gab es laut statistischem Bundesamt ein Minus von 23 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor Corona, "da im Homeoffice niemand neue Textilien brauchte", so Gröppel-Klein. Für 2022 wird ein ähnlicher Umsatz wie 2020 geschätzt.

Der GfK-Konsumklima-Index lag im Oktober noch bei einem Wert von minus 42,8 Punkten. Der Index misst die aktuelle Konsumneigung der Privathaushalte in Deutschland. Dieser wird in diesem Monat nun deutlich steigen.

Für das Konsumklima im November errechnete die GfK bereits einen Indexwert von minus 41,9 Punkten, das ist ein Anstieg um 0,9 Zähler im Vergleich zum Vormonat. Für Dezember prognostiziert das Institut einen weiteren Anstieg um 1,7 Punkte auf minus 40,2 Punkte.

Auch wenn die Aktionstage den Unternehmen ein deutliches Umsatzplus für die Vorweihnachtszeit beschafft haben, wird die Konsumflaute laut Gröppel-Klein im neuen Jahr zurückkehren. Vor Weihnachten steigen die Umsatzzahlen bekanntermaßen immer an und auch Anfang Januar, um die Gutscheinkarten vom Weihnachtsfest einzulösen, aber ab Ende Januar brechen die Zahlen ein.

"Zu 99 Prozent gehe ich davon aus, dass der Umsatzeinbruch in diesem Jahr besonders stark sein wird", sagt sie. Denn je mehr die Verbraucher in der Vorweihnachtszeit ausgeben, desto weniger konsumieren sie im neuen Jahr. Die Menschen achten nach Angaben der Expertin mehr auf ihre Ausgaben und können sich viele Produkte zu den "echten Preisen" nach den Aktionstagen nicht mehr leisten.

Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ, an der mehr als 10.000 Menschen teilgenommen haben, kaufen schon jetzt 52 Prozent der Verbraucher wegen der Rekordinflation nur noch Produkte, die wirklich benötigt würden.

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