Deutsche Bierbrauer fordern Staatshilfe Hilferuf aus dem Braukeller

Keine Feste mehr, Restaurants und Kneipen seit Monaten dicht - Deutschlands Bierbrauern brechen die Einnahmen weg. Im Gegensatz zur Gastronomie erhalten sie kaum staatliche Hilfe. Vielen Brauereien droht die Insolvenz, warnen ihre Verbände.
Aus Fässern fließt es kaum noch: Bierbrauer in Deutschland fürchten wegen des Lockdowns für Hotels und Gastronomie um ihre Existenz

Aus Fässern fließt es kaum noch: Bierbrauer in Deutschland fürchten wegen des Lockdowns für Hotels und Gastronomie um ihre Existenz

Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa

Viel länger als sechs Monate sollte Bier auch gekühlt nicht lagern, danach verliert es an Geschmack oder wird ungenießbar, sagen Experten. Für Deutschlands Bierbrauer ist der monatelange Lockdown mit geschlossenen Restaurants und Kneipen sowie dem Wegfall von Großveranstaltungen daher besonders problematisch. "Ware im Wert von vielen Millionen Euro, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden“, heißt es in dem offenen Brief der Branche, die mehr Unterstützung vom Staat fordert.

Je stärker ein Betrieb mit dem Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft verbunden sei, desto gravierender sei sein Umsatzeinbruch. Im Mittel lag das Absatzminus bei 23 Prozent im vergangenen Jahr. Der margenschwache Flaschenbierabsatz im Handel könne die massiven Umsatzverluste im Gastgewerbe und die Einbußen beim Export nicht annähernd auffangen, warnen die beiden Spitzenverbände der deutschen Brauwirtschaft, der Deutsche Brauer-Bund sowie der Verband Private Brauereien Deutschland, in der gemeinsamen Erklärung, die manager magazin vorliegt. 300 Betriebe haben den Brief unterzeichnet, sie stehen für rund 95 Prozent des in Deutschland gebrauten Bieres, heißt es.

Brauer verlangen Kompensation für verderbliche Ware

Zwar hatte der Staat den Brauern während des ersten Lockdowns die Biersteuer gestundet, um die Betriebe finanziell zu entlasten. Doch war dies eben nur eine Stundung und wohl kaum mehr als der berüchtigte Tropfen auf den heißen Stein. Während der Staat der Gastronomie in der Pandemie mit Hilfsprogrammen unter die Arme greift, gingen die 1500 Bauer in Deutschland nach eigenen Angaben bisher weitgehend leer aus. Viele von ihnen seien Familienbetriebe. "Wenn Bund und Länder hier nicht gezielt, entschieden und schnell mit finanzieller Unterstützung gegensteuern, droht vielen unserer Betriebe die Insolvenz", warnen die Verbände.

Die Verbände schlagen unter anderem vor, dass der Bund den Brauereien eine "Kompensation" für verderbliche Ware zahlt - ähnlich wie dies im Einzelhandel für sogenannte Saisonware geplant ist. Wertverluste verderblicher Waren wie Fassbier müssten bis zu 100 Prozent als erstattungsfähige Fixkosten berücksichtigt werden. Zudem müssten Brauereigasthöfe als Gastronomiebetriebe anerkannt werden und so Anspruch auf November- und Dezemberhilfe erhalten. Bislang gelten viele Brauereigasthöfe als Mischbetriebe und würden daher die Förderkriterien oft verfehlen. Auch Steuererleichterungen und Erleichterungen bei KfW-Krediten sowie eine Öffnungsstrategie für die Gastronomie stehen auf dem Forderungskatalog der Branche.

rei
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