Dienstag, 21. Mai 2019

Warenhauskonzern Berggruen will Karstadt verkaufen

Karstadt-Eigentümer Berggruen: Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben
picture alliance / dpa
Karstadt-Eigentümer Berggruen: Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben

Karstadt-Eigentümer Berggruen will nach einem Medienbericht die defizitäre Kaufhauskette losschlagen - und verhandelt bereits mit alten Bekannten. Die Beteiligten schweigen.

Frankfurt am Main - Nach dem überraschenden Abgang von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt bleibt der künftige Kurs der angeschlagenen Warenhauskette weiter völlig unklar. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen bereits über einen Verkauf an die österreichische Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko verhandeln.

Ein Signa-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage am Freitag nicht kommentieren. "Zu Spekulationen und Gerüchten nimmt die Signa grundsätzlich keine Stellung", sagte er. Karstadt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dem Bericht zufolge könnte Benko für einen Euro gut 70 Prozent an Karstadt übernehmen. Bisher besitzt Benko bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen. Der plötzliche Abgang von Sjöstedt stehe in Zusammenhang mit den Verhandlungen, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf "informierte Kreise".

Sjöstedt hatte am Montag knapp fünf Monate nach ihrem Amtsantritt das Handtuch geworfen. Die Schwedin sollte den defizitären Konzern mit seinen 83 Warenhäusern auf Kurs bringen und setzte dabei auf die Unterstützung des als Karstadt-Retter gefeierten Berggruen. Sie habe aber feststellen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben seien, begründete Sjöstedt ihren Rücktritt.

Karstadt schreibt seit Jahren rote Zahlen und stand 2009 vor der Insolvenz. Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 dann selbst für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen ihm vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendige Finanzspritze bislang versagt zu haben.

Umsatz schrumpft weiter

Noch vor Sjöstedts Amtsantritt trennte sich Berggruen von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns. Benko übernahm die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sport und an den drei Luxuswarenhäusern - das Berliner KaDeWe, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft, und das braucht spätestens für den Weihnachtseinkauf im Herbst Geld.

Unterdessen schrumpft der Umsatz weiter. Im Mai soll das Ergebnis laut "Bild" um 1,7 Prozent unter Plan gelegen haben, nach einem Umsatzminus von rund 10 Prozent im Vorjahr. Dass 2014 neuerliche Verluste zu verkraften sein werden, gilt als ausgemacht. 2012/2013 lag das Minus allein bei 127 Millionen Euro. Die Barmittel schmolzen bereits im September auf unter 100 Millionen zusammen - 200 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor - was bedeutet, dass Karstadt in jedem Monat des abgelaufenen Geschäftsjahres durchschnittlich etwa 17 Millionen Euro verbrannt hat.

Metro-Chef Koch: Allianz mit Kaufhof "kein Thema"

Metro Börsen-Chart zeigen-Chef Olaf Koch hatte am Donnerstag bereits abgewunken: Eine Kaufhaus-Allianz mit dem zu Metro gehörenden Kaufhof werde es nicht geben. "Karstadt ist für uns überhaupt kein Thema", so Koch.

Dabei galt eine Fusion von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG noch vor einigen Jahren unter vielen Handelsexperten als naheliegende Antwort auf die Probleme der Vertriebsschiene, der Konkurrenten wie H&M und Zara, aber auch der boomende Online-Handel zu schaffen machen.

Doch haben sich die Ketten in den vergangenen Jahren deutlich auseinanderentwickelt. Kaufhof behauptete sich erfolgreich auf dem hartumkämpften Markt. "Kaufhof ist auf einem enorm guten Weg", sagte Koch. Dies gelte für die Warenhäuser, aber auch für den Online-Shop des Unternehmens.

ts/rtr/dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung