Aktie steigt Beiersdorf spürt keine Kaufzurückhaltung

Der Einzelhandel ächzt unter der Kaufzurückhaltung, Beiersdorf aber steigert Umsatz und Gewinn deutlich. Der Konzern profitiert von glänzenden Geschäften mit Sonnenschutzmitteln und von Preiserhöhungen, berichtet Finanzchefin Hermann.
Finanzchefin Astrid Hermann sieht Beiersdorf auf einen möglichen Gasmangel gut vorbereitet

Finanzchefin Astrid Hermann sieht Beiersdorf auf einen möglichen Gasmangel gut vorbereitet

Foto: Beiersdorf

Die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher und steigende Kosten hinterlassen beim Kosmetikhersteller Beiersdorf bisher kaum Spuren. Während der Einzelhandel  unter der hohen Inflation und Lieferengpässen ächzt, hat der Nivea-Hersteller Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr zweistellig gesteigert und bestätigte am Donnerstag seine Ziele.

Demnach sollen die Erlöse 2022 organisch am oberen Ende der Prognosespanne von 4 bis 6 Prozent wachsen. Die operative Rendite soll wie angekündigt auf dem Niveau des Vorjahres von 13 Prozent liegen. Für einen möglichen Gasmangel habe der Hamburger Konzern Vorbereitungen getroffen, erläuterte Finanzchefin Astrid Hermann (48) bei der Präsentation der Zahlen. Beiersdorf sehe jetzt ein geringes Risiko für seine Fabriken. Die im Dax notierte Aktie  gewann am Donnerstag in der Spitze mehr als 3 Prozent an Wert.

Zu den Maßnahmen zählte Hermann die Umverteilung des Gaseinsatzes zwischen einzelnen Standorten und einen stärkeren Einsatz alternativer Energiequellen. Auch wenn Beiersdorf selbst für eine Gasverknappung gewappnet sei, so könnten Zulieferer doch davon getroffen werden. Das könne im schlimmsten Fall zu Unterbrechungen der Lieferkette führen. Durch den Einsatz alternativer Energiequellen dürften zudem die Kosten steigen.

Der Sommer läuft hervorragend für Beiersdorf

"2022 war für uns bisher ein erfolgreiches Jahr", zog Konzernchef Vincent Warnery (53) Zwischenbilanz. Dabei profitierte der Konzern von glänzenden Geschäften mit Sonnenschutzmitteln und Preiserhöhungen. In einem zunehmend herausfordernden Umfeld sei Beiersdorf auch im zweiten Quartal über alle Regionen hinweg dynamisch gewachsen. Der Anstieg der Rohstoff- und Transportkosten sei dadurch gedämpft worden. Für das zweite Halbjahr erwartet Warnery allerdings einen stärkeren Gegenwind.

Der Umsatz wuchs seit Jahresbeginn organisch um 10,5 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Dabei legte die Consumer-Sparte mit Marken wie Nivea, Eucerin und Labello stärker zu als die kleinere, aber hochprofitable Klebstofftochter Tesa.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg insgesamt von 595 Millionen auf 710 Millionen Euro. Nach Steuern verblieben 505 Millionen Euro und damit ebenfalls wesentlich mehr als die im Vorjahr erreichten 404 Millionen.

Während der Bereich für Konsumartikel eine Rendite von 15,1 Prozent erreichte, schaffte Tesa ohne Sondereffekte eine Marge von 19,1 Prozent. Der Konzern insgesamt verbesserte seine Marge in den ersten sechs Monaten auf 15,9 (Vorjahreszeitraum 15,3) Prozent.

rei/Reuters
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