Montag, 18. November 2019

Volkswirte warnen vor 2017 Arbeitslosigkeit sinkt weiter - aber wie lange noch?

Dunkle Wolke: Wie steht der deutsche Arbeitsmarkt 2017 da?

Wenige Arbeitslose, viele offene Stellen - gerade gut qualifizierte Jobsucher können aus einem so großen Stellen-Pool auswählen wie schon lange nicht mehr. Für 2017 aber rechnen Volkswirte mit steigenden Arbeitslosenzahlen - und nennen einen wichtigen Grund.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist erneut kräftig gesunken. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im Oktober 2,54 Millionen Erwerbslose, wie die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Das waren 68.000 Jobsucher weniger als im September und 109.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 5,8 Prozent zurück.

"Der Arbeitsmarkt hat sich im Oktober gut entwickelt", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Durch die Herbstbelebung sei die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken. Die Zahl der Beschäftigten sei gleichzeitig weiter gestiegen, und auch die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern habe nochmals zugelegt.

Der Rückgang der Erwerbslosenzahlen im Herbst hat vor allem saisonale Gründe: Ausbildungsabsolventen finden oft erst nach den Sommerferien eine feste Stelle. Schulabgänger beginnen ein Studium und viele Firmen stellen erst nach den Werksferien neue Mitarbeiter ein.

Doch im Oktober sank auch die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl. Im Vergleich zum September ging sie um 13.000 auf 2,662 Millionen Erwerbslose zurück. Im Westen waren es knapp 6000 Jobsucher weniger, im Osten knapp 8000.

Auch die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist nach wie vor hoch. Im Oktober waren 691.000 offene Stellen bei der BA gemeldet. Das waren 79 000 mehr als vor einem Jahr. Ein Rekordniveau, wie die BA berichtete. Sie verwies dabei auf ihren monatlich ermittelten Stellenindex BA-X. Dieser stieg auf den Wert von 223 Punkten. Das sind 2 Punkte mehr als im September und 21 mehr als vor einem Jahr. Vor allem der Handel, aber auch Speditionen und Kurierdienste suchen demnach verstärkt Aushilfskräfte für das Weihnachtsgeschäft.

Optimistisch fällt auch der Ausblick der Chefs der 156 deutschen regionalen Arbeitsagenturen in der monatlichen Umfrage des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus. Sie rechnen in den kommenden drei Monaten nicht mit steigender Arbeitslosigkeit, aber auch nicht mehr mit einem so starken Beschäftigungswachstum wie bisher, wie das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt.

Zahl arbeitsloser Flüchtlinge wird wachsen und Statistik belasten

Zuletzt hatte sich nicht nur die Zahl der Jobs weiter erhöht. Anscheinend verbesserte sich auch die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten jüngsten Arbeitsmarktindex der "Frankfurter Rundschau" und des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR hervor. Der Index für die Arbeitsbedingungen habe im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Deutlich gestiegen sei vor allem die emotionale Verbundenheit von Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber.

Für den Oktober rechnen Volkswirte derweil mit einem erneuten saisonbedingten Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 50.000 bis 55.000 auf rund 2,56 Millionen. Dies wären rund 96.000 weniger Erwerbslose als vor einem Jahr. Der Oktober profitiert nach Experteneinschätzung noch vom Herbstaufschwung, bevor Frost und Kälte auf dem Bau, in Gärtnereien und in der Gastronomie zu Entlassungen führen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur am Mittwoch (2. November) veröffentlichen.

Im kommenden Jahr droht dem deutschen Arbeitsmarkt nach Einschätzung von Ökonomen allerdings eine kräftige Delle. Zwar sei nicht gerade mit einer schweren Jobkrise zu rechnen. Nach zunächst geringen Veränderungen müsse man sich in der zweiten Jahreshälfte 2017 aber auf spürbar steigende Arbeitslosenzahlen einstellen.

Neben dem etwas schwächeren Wirtschaftswachstum werde dazu die wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge beitragen. Laut der Prognose der Ökonomen wird die Zahl der Jobsuchenden 2017 im Schnitt um 70.000 bis 90.000 steigen.

got/dpa

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung