Donnerstag, 2. April 2020

Vom Apothekenschreck zum Plattformpartner Warum Doc Morris plötzlich Freund der Apotheker wird

Apotheke in Brandenburg: Die Onlineapotheke Doc Morris geht auf Partnersuche

Bislang verliefen die Fronten ziemlich klar: Für die Apotheken in Deutschland war Doc Morris Konkurrenz - geradezu verhasste Konkurrenz. Schließlich versuchten die Niederländer, den deutschen Apothekern mit saftigen Rabatten auch auf verschreibungspflichtige Arzneimittel die Kunden abspenstig zu machen.

Nun hat sich der Wind gedreht. Um sich als Dienstleister in der neuen digitalen Welt langfristig erfolgreich am Markt positionieren zu können und auch gegenüber einem möglichen Markteintritt von Amazon zu bestehen, setzt Doc Morris auf eine Charmeoffensive, mit der die Niederländer die Apotheker nun als Partner für ihre Plattform gewinnen wollen. Und sie wollen dafür sogar auf Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente verzichten, wie am Montag das "Handelsblatt" berichtete.

Aus gutem Grund. Denn wenn im kommenden Jahr das sogenannte e-Rezept - und für einige Erkrankungen dann auch noch die Videosprechstunde kommt, dürfte sich die Art, wie wir Arzneimittel bestellen, grundlegend ändern. Statt wie bisher persönlich beim Arzt zu erscheinen, können Patienten sich dann telemedizinisch untersuchen lassen. Und sich vom Arzt nach dem persönlichen oder virtuellen Besuch statt eines Papier- auch ein elektronisches Rezept ausstellen lassen. Diese können sie dann über das Smartphone in ihre Wunschapotheke lenken. Bietet diese einen Lieferdienst an, können sich Patienten ihre Medikamente nach Hause bekommen, ohne ihre Wohnung oder ihr Haus überhaupt zu verlassen.


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Ein Szenario, das auch Doc Morris zum Umdenken veranlasst hat. Hängt die Onlineapotheke doch bislang von Logistikdienstleistern ab, die die Medikamente für sie ausliefern. Vor Ort niedergelassene Apotheken können mit Kurierdiensten hier deutlich schneller sein.

Und auch gegenüber Amazon, über deren Markteintritt auf dem deutschen Apothekenmarkt bereits seit Längerem diskutiert wird, dürften sie sich ohne Partner vor Ort im Nachteil befinden. Der US-Versender, der in den USA mit der Online-Apotheke Pillpack bereits aktiv ist, hat sich auch hierzulande bereits ein leistungsfähiges Logistiknetz aufgebaut, das sich für die Amerikaner im Konkurrenzkampf mit Wettbewerbern als wertvolles Asset erweisen könnte.

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