Dienstag, 23. Juli 2019

Anton Schlecker bricht sein Schweigen "Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme"

Anton Schlecker vor Gericht: Insolvenz "schlicht unvorstellbar"
Getty Images

Der ehemalige Drogeriekönig Anton Schlecker hat bislang zu den Vorwürfen vor Gericht geschwiegen. Jetzt bricht er sein Schweigen.

Im Bankrottprozess gegen Anton Schlecker hat der ehemalige Drogeriemarktunternehmer erstmals persönlich die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. "Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme, die ich für nicht überwindbar gehalten hätte", las Schlecker am Montag eine schriftlich verfasste Stellungnahme vor.

Er habe keine Entscheidung oder Verfügung getroffen, um Gläubiger zu benachteiligen. Er übernehme die unternehmerische Verantwortung. Allerdings betonte Schlecker: "Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern. Ich war sehr erfolgsverwöhnt." Er sei bis zuletzt davon überzeugt gewesen, das Unternehmen fortführen zu können.

Fragen der Staatsanwaltschaft wollte Schlecker am Montag noch nicht beantworten. Die Anklage wirft Schlecker vor, vorsätzlich Bestandteile seines Vermögens, das den Gläubigern zugestanden hätte, vor der Insolvenz im Jahr 2012 beiseite geschafft zu haben. Außerdem soll der 72-Jährige den Zustand des Unternehmens im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben. Mit auf der Anklagebank sitzen seine Frau Christa und seine beiden Kinder.

Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz.

Der 72-Jährige ist wegen vorsätzlichen Bankrotts, Insolvenzverschleppung und falscher eidesstattlicher Versicherungen angeklagt. Auf betrügerischen Bankrott in einem schweren Fall, wie er Schlecker vorgeworfen wird, steht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Der einstige Marktführer soll demnach schon Ende 2010 mit fast einer Milliarde Euro Verbindlichkeiten überschuldet gewesen sein.

Anton Schlecker soll jahrelang Millionen über die Logistikfirma LDG seinen Kindern Lars und Meike zugeschustert haben, denen die LDG gehörte. Den beiden wird ebenso wie Schleckers Frau Christa Beihilfe zu Bankrott und Untreue vorgeworfen. Auch zwei Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst & Young) sitzen mit auf der Anklagebank, weil sie falsche Bilanzen abgesegnet haben sollen.

Rei/dpa/Reuters

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