Sonntag, 22. September 2019

Schlecker-Familie vor Gericht Das Schweigen des Drogeriekönigs

Anton Schlecker vor Gericht: Insolvenz "schlicht unvorstellbar"
Getty Images

Am Montag hat der Prozess gegen Anton Schlecker und seine Familie begonnen. Vier Jahre hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt - nun wird vor Gericht verhandelt. Muss der Drogeriemarkt-Gründer hinter Gitter?

Aschfahl sitzt Anton Schlecker auf der Anklagebank im Saal 18 des Stuttgarter Landgerichts. Sein Gesicht zeigt kaum eine Regung, gelegentlich spielt er an seinem goldenen Ehering. Schlecker bleibt stumm - wie üblich. Blitzlichtgewitter und das Klackern der Kameras bringen den 72-Jährigen nicht aus der Ruhe. Im Gegensatz zu anderen prominenten Angeklagten, die bei großen Prozessen die Aufmerksamkeit der Medien suchen, hüllt sich Schlecker in Schweigen. Den großen Auftritt hat er wieder einmal vermieden: Mit einem Taxi kommt die Familie zum Gericht, durch den Hintereingang betritt sie den Gerichtssaal. Bloß keine Aufmerksamkeit.

Dabei geht es in dem Prozess um eine der aufsehenerregendsten Firmenpleiten der vergangenen Jahre. Anfang 2012 musste die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz anmelden, mehr als 25.000 Mitarbeiter in Deutschland verloren ihren Job. Damals schob Schlecker seine Tochter Meike vor. "Es ist nichts mehr da", sagte sie.

An diesem Montag beginnt nun der lange erwartete Prozess gegen Anton Schlecker und seine Familie vor dem Landgericht Stuttgart. Allein schon die Anwesenheit des Firmenpatriarchen ist eine kleine Sensation. Denn Schlecker mied die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Bankrott vor. In insgesamt 36 Fällen soll er Vermögenswerte in Millionenhöhe zur Seite geschafft zu haben, die eigentlich in die Insolvenzmasse gehörten, aus der Gläubiger bedient werden sollen. In ihrer Anklageschrift kommt die Staatsanwaltschaft auf eine Summe von mehr als 20 Millionen Euro. Außerdem soll Schlecker falsche Angaben in den Bilanzen des Drogerie-Imperiums gemacht haben.

Verteidiger Norbert Scharf weist die Vorwürfe zurück: "Das Geld blieb in der Firma", sagt er und bezeichnet Schlecker als schwäbischen Kaufmann. Die Insolvenz sei für den Drogeriemarktgründer unvorstellbar gewesen: "Diese Firma war sein Lebenswerk."

Wegen möglicher Beihilfe zum Bankrott sitzen Schleckers Frau Christa und die beiden Kinder Meike und Lars mit auf der Anklagebank. Sohn und Tochter müssen sich zudem zu Vorwürfen der Insolvenzverschleppung und Untreue einlassen. Sie sollen das Logistikunternehmen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben. Auch zwei Wirtschaftsprüfer stehen vor Gericht. Keiner der Angeklagten meldet sich zu Prozessbeginn selbst zu Wort.

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