Montag, 19. August 2019

Ex-Drogeriekönig sowie Ernst & Young im Visier Auch Schleckers Wirtschaftsprüfer sollen auf die Anklagebank

Anton Schlecker, hier eine Aufnahme aus dem Februar 2009.

Anton Schlecker soll vor der Pleite seines Drogerieimperiums in 36 Fällen Geld beiseite geschafft haben. Das wirft ihm die Stuttgarter Staatsanwaltschaft vor, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Darüber hinaus soll er 2009 und 2010 den Zustand des Konzerns im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben.

Auf der Anklagebank wollen die Staatsanwälte auch Schleckers Ehefrau Christa, seine zwei Kinder sowie zwei Wirtschaftsprüfer der Stuttgarter Prüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) sehen. Sie sollen Bilanzen für 2009 und 2010 testiert haben, obwohl sie erkannt hätten, dass Schlecker diese manipuliert habe. Anton Schlecker selbst habe im Zusammenhang damit auch vor dem Insolvenzgericht gelogen.

Ernst & Young wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern. Auf vorsätzlichen Bankrott steht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft; bei besonderes schweren Fällen bis zu zehn Jahren Haft. Ob das Verfahren eröffnet wird, muss nun die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart entscheiden. Das dürfte mehrere Wochen dauern.

Schleckers Kindern wird Insolvenzverschleppung und Untreue vorgeworfen

Lars und Meike Schlecker, hier eine Aufnahme aus dem Mai 2011.

Schleckers Kinder Meike und Lars müssen sich zudem wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten. Sie sollen das Logistikunternehmen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben: Obwohl sie von den Schulden und Verlusten des Unternehmens wussten, sollen sie sich Millionen Euro als angeblichen Gewinnen aus dem Geschäftsjahr 2011 ausschütten haben lassen.

Außerdem sollen sie ihrer Mutter mehr als 50.000 Euro auf das Privatkonto für nie geleistete Beratertätigkeiten überwiesen haben. Ein weiteres Mal sollen 19.000 Euro illegal auf das Privatkonto der Mutter geflossen sein. Meike und Lars Schlecker hätten zudem bewusst versäumt, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen.

Die beiden Wirtschaftsprüfer sollen die falsche Bilanzierung Schleckers zwar erkannt, aber dennoch erklärt haben, dass die Jahresabschlüsse den gesetzlichen Vorgaben entsprächen.

Anton Schlecker führte seinen Konzern als "eingetragener Kaufmann" (e.K.). Dank dieser Rechtsform konnte der Firmenpatriarch viel Geheimniskrämerei um sein Drogerieimperium betreiben. Doch der Preis dafür war am Ende hoch: Schlecker haftete mit seinem kompletten Privatvermögen für alle Schulden.

Der "eingetragene Kaufmann" haftet für alle Schulden

Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Etwa 25.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu seinen Bestzeiten rund 9000 Märkte im In- und Ausland. Die Familie Schlecker war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Entscheidung über Hauptverhandlung steht noch aus

Die Anklageschrift ging nun beim Stuttgarter Landgericht ein und ist nach Angaben des Gerichts auch überwiegend an die Beschuldigten zugestellt. Die Kammer prüft nun die Akten und wird dann entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung kommt. "Ich vermute nicht, dass das Gericht in absehbarer Zeit eine Entscheidung trifft", sagte eine Sprecherin. Es sei durchaus möglich, dass die Kammer erst im nächsten Jahr zu einer Entscheidung kommt.

Kostspielige Geschenke an Enkel und Kinder

Laut Medienberichten geht es bei den Vorwürfen konkret um Geldgeschenke Schleckers an seine Enkelkinder in Höhe von rund 800.000 Euro. Das Geld floss im Frühjahr 2011, zu einem Zeitpunkt, als die Firma bereits Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verzeichnete.

Zudem soll Schlecker den Berichten zufolge seiner Tochter Meike eine Reise nach Antigua im Wert von 60.000 Euro spendiert haben. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Kosten für Grundstücke seiner Kinder in Höhe von 300.000 Euro übernommen zu haben.

Noch schwerer ins Gewicht fallen könnten Millionensummen, die Schlecker mittels überhöhter Preise auf die LDG, eine Firma seiner Kinder Meike und Lars Schlecker, übertragen haben soll.

Nach einem Streit um übertragenes Vermögen aus dem Unternehmen zahlte die Familie Schlecker dem Insolvenzverwalter gut ein Jahr nach der Pleite 10,1 Millionen Euro. Der Versuch eines österreichischen Investors, einen Teil der Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederzubeleben, scheiterte 2013.

Fall Schlecker: Wie der Drogeriekönig Vermögenswerte verschob

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Bild: AP/dpa

la/soc/rei/AFP/dpa/Reuters

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