Mittwoch, 19. Februar 2020

Größter Braukonzern der Welt entsteht Anheuser Busch kauft SAB Miller - Ermittlungen in USA

Megafusion im hart umkämpften Biermarkt

Das Gefeilsche über die geplante Megafuison im Bier-Markt dauert schon länger an: Jetzt sind sich der weltgrößte Bierkonzern AB Inbev (Beck's, Budweiser) und der Rivale SABMiller (Pilsner Urquell, Foster's) offenbar einig.

Beide Konzerne hätten eine Grundsatzeinigung über das Kaufangebot erzielt, teilten die Unternehmen am Dienstag mit. Der "Beck's"-Produzent mit Sitz in Belgien zahle 44 Pfund pro Aktie des britischen Herstellers von Bieren wie "Peroni", "Grolsch" und "Pilsner Urquell", insgesamt 68 Milliarden Pfund (rund 92 Milliarden Euro).

AB Inbev hatte in den vergangenen Wochen wiederholt den Geldhahn weiter aufgedreht, zuletzt am Montag. Mit der Übernahme entsteht ein Brauriese neuer Dimension: Weltweit wird künftig etwa jedes dritte Bier aus einer Brauerei des fusionierten Konzerns kommen.

Zugleich gehört die Übernahme weltweit zu den größten in der Unternehmensgeschichte. Das Bar-Angebot entspreche einem Aufschlag von etwa 50 Prozent auf den Schlusskurs von SABMiller am 14. September. Als Alternative bietet AB InBev ein gemischtes Angebot mit Bargeld und Aktien an und lockt damit Großaktionäre mit einer Beteiligung am fusionierten Konzern.

SABMiller erbittet Frist bis 28. Oktober

SABMiller teilte mit, grundsätzlich mit der Übernahme einverstanden zu sein, bat sich aber zugleich eine Verlängerung der Frist für das bindende Gebot des Rivalen um zwei Wochen aus. Die neue Frist für das verbindliche Angebot läuft nun bis zum 28. Oktober. Es sei vereinbart worden, dass AB InBev drei Milliarden Dollar an SABMiller zahlen müsse, falls das Geschäft doch nicht zustande komme.

Anheuser-Busch will mit der Übernahme vor allem seine Präsenz in Afrika ausbauen und verspricht sich dort deutliches Wachstum. In Westeuropa und Nordamerika war das Geschäft zuletzt schwierig. Vor allem in den USA erfreuen sich Biere von unabhängigen kleinen Brauereien immer größerer Beliebtheit und luchsen den Branchenriesen Marktanteile ab.

Anheuser-Busch soll seine Marktmacht in den USA missbraucht haben

Derweil wird bekannt, dass Anheuser-Busch InBev in den USA offenbar seine Marktmacht missbraucht. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, das US-Justizministerium gehe Vorwürfen nach, das Unternehmen habe Zwischenhändler gekauft, um den Vertrieb von Bieren kleiner Brauereien einzuschränken, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur.

Zwei von ihnen sagten, Anheuser setze die Händler zudem unter Druck, die anderen Biermarken komplett aus dem Angebot zu nehmen. Allein in den vergangenen Monaten hat der Beck's-Produzent mit Sitz in Belgien fünf Händler in drei US-Bundesstaaten übernommen.

In vielen Staaten können die Brauereien ihr Bier nicht direkt verkaufen und müssen über einen Zwischenhändler gehen. Anheuser erklärte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten.

Vor allem in den USA erfreuen sich Biere unabhängiger Brauereien immer größerer Beliebtheit. Allein 2014 legte ihr Absatz um 17,6 Prozent zu. Mit traditionellen Bieren, aber auch mit Sorten wie Himbeer- oder Kürbismixturen haben sie sich einen Marktanteil von elf Prozent erkämpft. Insgesamt legte der Absatz des Gerstensafts in den USA nur um 0,5 Prozent zu.

rei/dpa/reuters

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