Visite von Berggruen Karstadt steht Eigentümer-Besuch ins Haus

Der Karstadt-Führung zufolge ist es "business as usual": Eigentümer Nicolas Berggruen stattet der Zentrale in Essen in Kürze einen Besuch ab. Von einem Krisengipfel will niemand etwas wissen. Rivale Kaufhof erteilt Fusionsüberlegungen derweil eine klare Absage.
Eigentümer Nicolas Berggruen besucht in Kürze die Karstadt-Zentrale in Essen - ein Krisengipfel steht angeblich nicht auf der Agenda

Eigentümer Nicolas Berggruen besucht in Kürze die Karstadt-Zentrale in Essen - ein Krisengipfel steht angeblich nicht auf der Agenda

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Frankfurt - Die Führung des kriselnden Karstadt-Konzerns berät am Dienstag mit Eigentümer Nicolas Berggruen über die Entwicklung des Warenhausriesen. "Es handelt sich um einen ganz normalen Informationsbesuch", sagte ein Karstadt-Sprecher heute. "Es stehen zahlreiche Themen auf der Agenda", fügte er hinzu.

Der Sprecher reagierte damit auf einen Bericht der "Bild am Sonntag", dem zufolge der Milliardär Berggruen zu einem Krisengipfel in die Essener Zentrale eilt. "Die Bezeichnung Krisengipfel ist abwegig", betonte der Sprecher dagegen. Der Besuch sei "Business as usual" - also nichts außergewöhnliches.

Der auch von den Arbeitnehmern nach seiner Übernahme des Karstadt-Konzerns aus der Insolvenz im Jahr 2010 als Retter gefeierte Berggruen war zuletzt unter Druck geraten. Die Gewerkschaft Verdi hatte von ihm stärkere Anstrengungen für eine Sanierung des Warenhauskonzerns gefordert. "Eigentum verpflichtet", hatte ihm die Gewerkschaft mehrfach zugerufen.

Verdi kritisiert Karstadts "Tarifflucht" scharf

Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Bundesvorstand zuständig für den Handel, hatte erklärt, die Belegschaft habe seit 2004 in mehreren Sanierungsrunden "mehr als 650 Millionen Euro in ihr Unternehmen investiert, der Milliardär Nicolas Berggruen dagegen so gut wie nichts". Karstadt hatte sich jüngst aus der Tarifbindung verabschiedet, für die Belegschaft entfallen damit bis 2015 tarifliche Lohnerhöhungen. "Tarifflucht ist keine Lösung", bekräftigte eine Verdi-Sprecherin am Sonntag. "Berggruen soll in das Unternehmen investieren."

Verdi hatte bereits in mehreren Tarifbezirken gefordert, den Schritt zurückzunehmen. Karstadt lehnt dies ab. Die Warenhaus-Kette zahlt "Bild am Sonntag" zufolge zudem jährlich zwischen acht und zwölf Millionen Euro für die 2010 von Berggruen ebenfalls erworbenen Namensrechte an Karstadt. Der Karstadt-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte immer wieder eine schwierige Sanierung des Konzerns beschworen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr angekündigt, bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abzubauen. Der Schritt wurde seinerzeit mit den herausfordernden Marktbedingungen begründet. Details zur Umsatz- und Ergebnisentwicklung hatte Jennings nicht genannt.

Medienberichten zufolge ist der Umsatz seit dem Beginn des laufenden Geschäftsjahres Anfang Oktober bis April 2013 um zehn Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gesunken. Die Umsätze im Geschäftsjahr 2011/12 seien auf 3,1 Milliarden Euro nach rund 3,2 Milliarden Euro zurückgegangen.

Kaufhof hält Karstadt nicht für geeigneten Fusionspartner

Die Metro -Tochter Kaufhof hält den Rivalen Karstadt nicht für einen geeigneten Fusionskandidaten. "Wir brauch keinen Partner, wir sind bereits sehr stark am Markt positioniert", sagte Galeria-Kaufhof-Chef Lovro Mandac der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Für den Fall eines Zusammenschlusses der beiden Warenhauskonzerne müsste in den nächsten drei Jahren zu viel Kraft auf die Integration verwendet werden, erläuterte er. Doppelstrukturen wie zwei Zentralen oder zwei Logistiksysteme müssten vereinheitlicht werden. Wünschenswert wäre vielmehr ein strategischer Partner aus dem Ausland, der Synergiepotenziale heben wolle, sagte Mandac.

Karstadt-Eigentümer Metro kann auf Zeit spielen

Über einen Zusammenschluss von Kaufhof mit dem in der Sanierung befindlichen Konkurrenten Karstadt war immer wieder spekuliert worden. Metro hatte in der Vergangenheit öfters betont, bei einem geeigneten Angebot sich von der Kaufhof-Gruppe trennen zu wollen, da die Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft zähle.

Allerdings fand Metro-Chef Olaf Koch jüngst lobende Worte für die Tochter. Das Jahr 2012 sei "super" gelaufen, hatte Koch im Mai auf der Hauptversammlung gesagt. Angesichts der guten Ertragslage kann Koch die weitere Entwicklung des Warenhauskonzerns abwarten.

Um den Umsatz anzukurbeln, verbannte Kaufhof die Unterhaltungselektronik, da sie ohnehin bei den Töchtern Media Markt und Saturn angeboten wird. Die freien Flächen füllt Kaufhof mit Textilien und Accessoires, die vor allem Kundinnen locken sollen. Und auch dem Trend zum Internet-Kauf folgte Kaufhof nun.

wed/rtr
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