Samstag, 21. September 2019

Das komplizierte Verhältnis zwischen DHL und seinem wichtigsten Kunden Warum DHL auf Distanz zu Amazon geht

Paketzusteller der Deutschen Post

Es ist ein echter Paradigmenwechsel, den DHL da vollzogen hat - und der nun für die Kunden sichtbar wird. Die Pakettochter der Deutschen Post liefert künftig keine frischen Lebensmittel für den Onlineversender Amazon mehr aus. Zu komplex, zu weit hinter den Erwartungen zurück, begründete DHL gegenüber manager-magazin.de den Rückzug aus dem Segment, in das die Posttochter vor einigen Jahren mit so viel Verve gestartet war.

Um ganz vorne bei der Entwicklung dabei zu sein, hatte DHL bereits 2012 sogar die Mehrheit am Onlinesupermarkt "Allyouneed" gekauft. Hatte diesen - nachdem er zuletzt zwischen 17 und 19 Millionen Euro Verluste pro Jahr angehäuft haben soll - dann aber 2018 wieder verkauft. Nun wird auch das teure Lieferexperiment mit Amazon Börsen-Chart zeigen eingestellt.

So wirtschaftlich nachvollziehbar das Aus der Kooperation mit Amazon auch ist: Dass Bonn einen Schritt weg vom wichtigsten Großkunden Amazon wagt, ist fundamental neu. Erweckte die Posttochter doch früher den Eindruck, den Tech-Riesen keinesfalls vergrätzen zu wollen. Schließlich war der mit seinen Paketen der wichtigste Großkunde. Bald 20 Prozent des DHL-Versandvolumens soll zuletzt auf das Konto Amazons gegangen sein.

"Ein gewisser Pragmatismus gegenüber Amazon"

"Es hat ein gewisser Pragmatismus gegenüber Amazon Einzug gehalten", beobachtet der Hamburger Logistikexperte Horst Manner-Romberg. "DHL geht jetzt deutlich nüchterner vor."

Die schlechten Zahlen der Vergangenheit haben offenbar zu einem Umdenken in Bonn geführt. Früher habe Wachstum und der Gewinn von Marktanteilen ganz oben auf der Agenda gestanden, ließ sich Deutsche Post-Chef Frank Appel Anfang des Jahres im Geschäftsbericht 2018 zitieren. Was sich allerdings als ziemlich teuer erwies. Künftig werde man sich daher "wieder stärker auf Produktivitätsgewinne und Ertragsmanagement konzentrieren." Kurz: Schluss mit dem Geld verbrennen und nicht darstellbaren Preisen. Dass DHL damit zuletzt hinter UPS als weltgrößter Logistiker zurückgefallen ist - sei es drum.

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