Abholstation in Karstadt-Filiale Warum Karstadt jetzt mit Amazon kooperiert

Amazon Click-und-Collect-Counter in einem Londoner Laden der Einzelhandelskette Next

Amazon Click-und-Collect-Counter in einem Londoner Laden der Einzelhandelskette Next

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Gleich reihenweise sind in den vergangenen Monaten deutsche Händlerinsolvent gegangen oder müssen um ihr Überleben kämpfen. Einen großen Anteil daran hat der Onlinehändler Amazon, der mit seiner schnellen Lieferung für viele Kunden zur bequemen Alternative für den Einkauf im stationären Laden geworden ist. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Warenhäuser wie Karstadt den Erz-Konkurrenten mittlerweile umarmen und mit dem US-Konzern sogar zusammenarbeiten.

Schon jetzt stehen in einigen Karstadt-Filialen sogenannte Amazon Locker, Packstationen, in die Amazon-Kunden ihre Päckchen bestellen und dort während der Geschäftszeiten abholen können. Ein Service, den auch Ketten wie dm, Penny oder Rewe in oder vor ihren Filialen anbieten.

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In Amazons Netz: Wo Amazon überall aktiv ist

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Doch Karstadt geht nun einen Schritt weiter. Der Einzelhändler arbeitet noch enger mit den Amerikanern zusammen und ermöglicht es Amazon-Kunden künftig, ihre Ware auch im Warenhaus selbst an einem sogenannten Amazon Counter abzuholen, wie eine Amazon-Sprecherin am Montag auf Anfrage von manager-magazin.de erklärte. "Wir testen aktuell eine Möglichkeit, mit der Kunden ihre Amazon Pakete von einem Karstadt-Laden abholen können." Amazon suche "immer nach neuen Wegen, den Komfort der Lieferung für den Kunden zu verbessern". Die sogenannten "Counter" hat Amazon zusammen mit seinen Locker-Packstationen unter dem Angebot "Amazon Hub" zusammengefasst.

Die Sprecherin bestätigte damit einen Bericht des Branchendienstes "Exciting Commerce",  das mit einem Bild aus dem Karstadt-Haus am Münchener Stachus über das neue Amazon-Angebot und die Werbung dafür berichtet hatte. Von Karstadt selbst war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Damit wagt sich Karstadt auf ein Terrain vor, auf dem Amazon in anderen Ländern bereits deutlich weiter ist. Bereits im Frühjahr hatte Amazon entsprechende Kooperationen mit Händlern in Großbritannien und Italien bekannt gegeben  - und auch angekündigt, den Service auf weitere Länder ausweiten zu wollen.

Auch in den USA existieren ähnliche Services bereits , die laut Amazon allerdings dort über Drittanbieter organisiert sind.

Erfüllt sich die Hoffnung auf Frequenz

Amazon Locker. Auch in Deutschland werden die Packstationen immer zahlreicher

Amazon Locker. Auch in Deutschland werden die Packstationen immer zahlreicher

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Anders als bei dem Testballon bei Karstadt können US-Kunden bei Amazons externem gepimpten Click-&-Collect-Angebot ihre Päckchen allerdings nicht nur abholen, sondern auch Retouren abliefern, ohne diese aufwändig für die postalische Rücksendung verpacken zu müssen. Ein prominenter Amazon-Partner in den USA ist die angeschlagene US-Warenhauskette Kohl's, die in den USA mehr als 1100 Läden betreibt und wie Karstadt massiv mit der Onlinekonkurrenz - vor allem durch Amazon - zu kämpfen hat.

Wie Kohl's hat sich Galeria-Karstadt-Kaufhof-Chef Stephan Fanderl offenbar entschieden, mit Amazon zusammenzuarbeiten, da er den Konzern nicht schlagen kann. Man sehe Amazon als "Frenemy" zitierte ihn im vergangenen Jahr die "Lebensmittelzeitung". 

Während Amazon durch seine mittlerweile mehreren hundert deutschen Locker-Abholstationen und zentralen Counter für die Kunden immer attraktiver wird - und sich gleichzeitig aufwändige Lieferlösungen spart, hoffen die Handelsketten durch den prominenten Handelspartner auf mehr Frequenz.

So ist in der Amazon-Counter im Karstadt in München laut Beobachtungen von "Exciting Commerce"  im dritten Stock angesiedelt, einer Etage, in die viele Warenhaus-Kunden gar nicht mehr vorstoßen. Deshalb schauen sich viele Handelskonzerne schon länger nach Lösungen für diese Teile ihrer Geschäftsräume um.

Angst vor dem "Trojanischen Pferd"

Zudem hoffen Sie, dass sich Kunden auf dem Weg zur Abholstelle vielleicht zum Kauf hauseigener Produkte hinreißen lassen könnten, oder ihre Begeisterung für den eigenen Laden neu oder wieder entdecken.

Dass Amazon als Mieter und Frequenzbringer zumindest zweitweise durchaus rentabel sein kann, zeigt das Beispiels Kohl's. Das US-Kaufhaus, das ähnlich wie Galeria Karstadt Kaufhof mit der immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen hat, unterhält nach einer Testphase mittlerweile in allen seinen mehr als 1100 Läden in den USA  Amazon-Servicestellen, bei denen Kunden ihre Retouren abgeben können.

Ein Angebot, das sich für die Handelskette aktuell offenbar rechnet , wie Kohl's-CEO Michelle Gass gerade wieder beteuert, die neben den Amazon Countern auch auf weitere Kooperationen und Drittmieter wie Supermarktketen und Fitnesstudios setzt, um ihre Handelsimmobilien rentabler zu betreiben und die Frequenz zu erhöhen

Die Rettung für den Einzelhändler ist die Kooperation allerdings noch lange nicht, die manche Experten bejubeln,  andere als "trojanisches Pferd" bezeichnen. Unterm Strich waren die Gewinne der Einzelhandelskette auch nach der Ausweitung der Kooperation zuletzt weiter im Sinkflug - im zweiten Quartal alleine um 17 Prozent.