Gewerkschaftserfolg in Logistikzentrum Amazon bekommt ersten Betriebsrat in Alabama

Historischer Durchbruch für die Gewerkschaften: Ausgerechnet im gewerkschaftskritischen Staat Alabama muss Amazon einen Betriebsrat in einem Logistikzentrum akzeptieren.
Interessenvertretung unerwünscht: Arbeiterin in Amazon-Verteilzentrum in New York

Interessenvertretung unerwünscht: Arbeiterin in Amazon-Verteilzentrum in New York

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Erstmals überhaupt können Beschäftigte des Onlineriesen Amazon in den USA eine gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmervertretung wählen. Die zuständige nationale Aufsichtsbehörde gab am Donnerstag grünes Licht für die Wahl im Verteilzentrum von Amazon in Bessemer im US-Bundesstaat Alabama. Dort arbeiten rund 5000 Menschen.

Das National Labor Relations Board erklärte, es gebe "ausreichende konkrete Hinweise" dafür, eine Wahl in dem Betrieb zuzulassen. Die Behörde erlaubt dies normalerweise, wenn mindestens 30 Prozent der Beschäftigten dafür stimmen. Bei Amazon in Bessemer hatte die für den Einzelhandel zuständige Gewerkschaft RWDSU die Beschäftigten befragt.

Laut Behörde haben Amazon und die Gewerkschaft bis diesen Freitag Zeit, die Abstimmung zu organisieren. Sollten sie sich nicht einigen können, würde die Behörde eine Anhörung ansetzen, um ein Datum und die Bedingungen für die Wahl festzulegen.

Amazon lehnt Gewerkschaften ab

Amazon ist gegen eine gewerkschaftliche Organisation seiner Beschäftigten. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte am Donnerstag, die Beschäftigten, die für die Wahl gestimmt hätten, "stehen nicht für die Ansichten, die die Mehrheit unserer Beschäftigten hat". Amazon "arbeitet hart, unsere Teams zu unterstützen". Mehr als 90 Prozent der Arbeitnehmer in Bessemer würden angeben, dass sie Amazon ihren Freunden als guten Arbeitgeber empfehlen würden.

Alabama im Süden der USA gilt als Bundesstaat, wo der Widerstand gegen Gewerkschaften groß ist. Dort gilt ein "Right-to-work"-Gesetz, das nach dem Grundsatz der individuellen Vertragsfreiheit für einen ganzen Betrieb verbindliche Interessenvertretungen ausschließt.

In Deutschland kämpft die Gewerkschaft Verdi seit Jahren dafür, dass Amazon den Tarifvertrag für den deutschen Einzelhandel unterzeichnet - bislang vergeblich. Das Unternehmen erklärt stets, seine Beschäftigten profitierten von "exzellenten Löhnen, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen".

"Wie in der NFL, nur ohne das Geld"

Die Gewerkschaften hingegen berichten von schlechten Arbeitsbedingungen, die sie mit dem Status von Amazon als großem Krisengewinner und dem persönlichen Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos (56) als reichster Mensch der Welt kontrastieren. "Wie Profis der Nationalen Footballliga, nur ohne das Geld" müssten die Sortierer in Bessemer Höchstleistungen bringen, erklärte eine der Organisatorinnen der Betriebsratswahl.

Um zwei Dollar pro Stunde hatte Amazon den Beschäftigten in den USA wegen der Corona-Belastungen das Gehalt erhöht - doch dieser Bonus lief schon im Mai aus. Amazon verspricht einen Mindestlohn von 15 Dollar. Am Stammsitz in Seattle sind gesetzlich 16,39 Dollar vorgeschrieben, in einigen Staaten wie Alabama gilt jedoch nur die bundesweite Untergrenze von 7,25 Dollar.

Allein in der US-Belegschaft sind laut Firmenangaben mindestens 20.000 Corona-Fälle aufgetreten. Amazon beschäftigt inzwischen mehr als 1,1 Millionen Menschen, die meisten davon in den USA, nachdem allein im dritten Quartal 250.000 neue Mitarbeiter eingestellt wurden.

ak/AFP
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